Audi verkauft bald auch Neuwagen übers Internet
Die Krise beschleunigt die Digitalisierung - auch bei den Autobauern: Audi verkauft demnächst auch Neufahrzeuge übers Internet und übernimmt damit auch eine Vorreiterrolle innerhalb des VW-Konzerns. Noch im April soll das Projekt starten.

Weil das Unternehmen damit seinen Vertriebspartnern nicht in den Rücken fallen will, ist das Angebot allerdings auf solche Fahrzeuge beschränkt, die bereits bei Händlern auf Lager sind.
"Unser Prinzip bleibt dabei gleich: Mit dem Handel für den Handel, denn der stationäre Händler bleibt das Rückgrat unseres Geschäfts", erklärt Christian Bauer, Leiter Vertrieb Deutschland bei Audi, gegenüber der Heilbronner Stimme.
Direktvertrieb könnte aber auch ausgebaut werden
Da neukonfigurierte Fahrzeuge nicht online verkauft werden, kann wohl auch nicht ausgeschlossen werden, dass Audi irgendwann einen Direktvertrieb im Netz startet, urteilt die "Automobilwoche", die am Mittwoch über das Projekt berichtete.
Dass Audi am Direktvertrieb Interesse hat, ist kein Geheimnis. Im vergangenen Jahr wurden 99 Sondermodelle des Audi TT übers Internet verkauft - "gemeinsam mit dem Handel", wie es heißt. Doch die meisten stationären Händler dürften an solchen Aktionen wenig Freude haben, weil sie nur "aktivitätsbasiert" bezahlt werden, also beispielsweise für die Auslieferung des Fahrzeugs.
Die Voraussetzungen wurden schon geschaffen
Mit dem Händlerverband wurde dennoch bereits vereinbart, dass künftig nicht nur Sondereditionen im Online-Vertrieb direkt von der Audi AG verkauft werden dürfen, sondern auch individuell bestellte. Bislang werden Kunden, die den Online-Konfigurator nutzen, am Ende des Vorgangs grundsätzlich an den stationären Händler ihrer Wahl verwiesen.
Gebrauchtwagenbörse wird geöffnet
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Einen anderen Weg geht der Konzern seit 2017 bei den Gebrauchtwagen. Dort gibt es eine zentrale E-Commerce-Plattform, über die Audi-Händler ihre Fahrzeuge anbieten können. 130 Partner nehmen bislang daran teil. Durchschnittlich sind etwa 4000 Fahrzeuge im Angebot, die vollständig digital gekauft und nach Hause geliefert werden können.
Diese Plattform wird nun auch für Neufahrzeuge geöffnet, was wohl auch ein Anreiz für weitere Händler sein könnte, an diesem System teilzunehmen. Denn auch sie sind vom Einbruch bei den Neuwagenverkäufen betroffen. Um 50 bis 60 Prozent ging es in den vergangenen Wochen nach unten.
Krise wirkt als Katalysator für Digitalisierung
Die Corona-Krise wirkt somit als Katalysator für die E-Commerce-Bemühungen. Weil der Online-Verkauf aber schneller an den Start geht als geplant, sind Funktionen wie Leasing oder Finanzierung noch nicht hinterlegt. Nur wer bar bezahlt, kann den Kaufvorgang komplett online abwickeln und sich das Fahrzeug nach Hause oder zu einem Wunschort beim Händler liefern lassen. Die Zusatzfunktionen, die teilweise auch eine videogestützte Legitimation voraussetzen, sollen aber noch 2020 ergänzt werden.
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