Audi legt den Schalter auf Elektro um
Wenn Software, Batterie und Plattform für alle E-Modelle bereitstehen, können Audi und VW durchstarten. Die Audi-Bilanz zeigt: 2020 hat der Autobauer gut überstanden. Für den Standort Neckarsulm bleiben aber Fragezeichen.

Audi hat das Corona-Jahr genutzt, um sich als Premium-Hersteller mit klarer Elektrifizierungsstrategie zu positionieren. 2025 soll ein Drittel aller verkauften Autos elektrisch angetrieben sein. Schon im vergangenen Jahr verdoppelte sich der Anteil der E-Modelle am Gesamtabsatz. Doch bei der Bilanzvorstellung am Donnerstag wurde mehrfach deutlich: Die größte Hoffnung des Konzerns ruht auf einem Prestigeprojekt, das erst 2024 vorgestellt wird.
China hat Audi-Bilanz gerettet
Im vergangenen Jahr war erstmals China der Taktgeber für Audi. Dort wurden neue Bestwerte erreicht. Ansonsten ist der Autobauer aus Ingolstadt zwar mit Absatz-, Umsatz- und Gewinnrückgängen, aber doch insgesamt "gut durch die Corona-Krise gekommen", wie Arno Antlitz in seinem ersten und letzten Jahr als Audi-Finanzvorstand zusammenfasste.
Die 50 Milliarden Euro Umsatz und 2,6 Milliarden Euro operativer Gewinn sollen in diesem Jahr allerdings wieder deutlich übertroffen werden. Die angepeilte Zielrendite von sieben bis neun Prozent bedeutet einen operativen Gewinn knapp unter fünf Milliarden Euro.
Paradigmenwechsel in Zahlen

Dazu beitragen soll die klar formulierte Elektro- und Digitalisierungsstrategie. 35 Milliarden Euro will Audi in den nächsten fünf Jahren insgesamt investieren, davon die Hälfte in Elektrifizierung und Digitalisierung.
Erstmals sind im laufenden Jahr mehr als die Hälfte aller neu eingeführten Modelle vollelektrisch angetrieben: E-Tron GT und RS E-Tron GT aus Heilbronn, dazu die beiden SUVs Q4 E-Tron und Q4 Sportback E-Tron.
Insgesamt hat Audi dann schon sieben Stromer am Start. Von den drei ersten vollelektrischen Modellen hat Audi 2020 52.000 Fahrzeuge verkauft, ein Anteil von drei Prozent am Gesamtabsatz. Dazu noch einmal 58.000 Plug-in-Hybride. "Damit haben wir den Anteil unserer elektrifizierten Audis verdoppelt", kommentierte Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann.
Das Geheimprojekt bleibt geheim
Zum "Geheimprojekt" Appollon, das gemeinsam mit VW entwickelt wird, gab es nichts Neues. "In einer der nächsten Veranstaltungen werden wir mehr dazu sagen dürfen", merkte Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann an.
Etwas deutlicher wurde Audi-Chef Markus Duesmann bei Artemis. Nach einem dreiviertel Jahr sei die Konzeptphase des Projekts abgeschlossen. Wenn das für den gesamten VW-Konzern wichtige Prestigeprojekt 2024 vorgestellt wird, dann soll die für Artemis entwickelte Einheits-Software, die Einheits-Batterie und die einheitliche Elektroplattform PPE für 80 Prozent aller E-Modelle verwendet werden. Damit ist dann auch die Basis für das automatisierte Fahren gelegt, das ab 2025 den nächsten großen Schritt in Richtung Zukunft bedeutet.
Wird Artemis den A8 vollständig ersetzen?
Der "Landjet", wie Artemis teilweise auch genannt wird, wird die neue Oberklasse definieren, die bisher mit dem A8 besetzt ist. Wie es mit dem Neckarsulmer Topmodell weitergeht, wollte Duesmann auf Nachfrage aber nicht kommentieren.
Nach Informationen unserer Zeitung ist intern schon seit längerem beschlossen, dass es kein Nachfolgemodell für den A8 geben wird.
Schlechte Nachrichten für die Motorenentwickler in Neckarsulm
Ebenfalls wichtig für Neckarsulm: Künftige Generationen von A4 und A6 gibt es auch mit Verbrenner, allerdings ohne neu entwickelte Motoren. Die bisher produzierten Diesel und Benziner werden an neue Anforderungen angepasst, kündigte Duesmann an.
Wann es das erste vollelektrische Volumenmodell in Neckarsulm gibt, ließ er auf Nachfrage offen. Der Audi-Chef hob stattdessen hervor, dass Neckarsulm "die höchste Dichte an elektrifizierten Modellen" unter den Audi-Standorten habe. Doch diese Modelle sind, bis auf den in kleiner Stückzahl in den Böllinger Höfen produzierten E-Tron GT, allesamt Hybrid-Fahrzeuge. Duesmann erklärte, Schritt für Schritt" bereite man Neckarsulm auf die Elektrifizierung vor.
Von der Digitalisierung profitiert Neckarsulm
Dafür unterstrich Produktionsvorstand Peter Kössler: "Wir wollen Neckarsulm bis 2025 zum führenden Werk im Bereich digitale Produktion ausbauen." Neckarsulm werde "die Speerspitze" bei diesem Thema im gesamten VW Konzern.
Grundsätzlich will Audi von nun an mehr in Forschung und Entwicklung investieren, die Quote von fünf bis sechs Prozent auf sechs bis sieben Prozent vom Umsatz steigern. Dafür gebe es weniger Sachinvestitionen, erläuterte Arno Antlitz.

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