Audi-Chef Duesmann bringt mal wieder nur Verständnis für Neckarsulm mit
Bei der Audi-Betriebsversammlung am Standort Neckarsulm können die Lücken in der Planung nicht gestopft werden. Der Betriebsrat legt trotzdem den Finger in die Wunde.

Audi-Chef Markus Duesmann brachte zur Betriebsversammlung in Neckarsulm die wichtige Botschaft mit, dass der Autobauer aus Ingolstadt Ende des Jahres "die größte Produktoffensive" seiner Geschichte starte. Das sichere die Zukunft "aller deutschen Standorte". Antworten auf die offenen Fragen und Zusagen für neue Modellanläufe in Neckarsulm hatte er allerdings nicht im Gepäck.
Das alles ist schon mehrfach so abgelaufen
Es ist ein bisschen wie bei "Täglich grüßt das Murmeltier", wenn in Neckarsulm Betriebsversammlungen stattfinden. Ob Norbert Rank, Rolf Klotz oder Rainer Schirmer - die Betriebsratschefs kämpfen für neue Modelle und damit für eine hohe Auslastung des Standorts. Und die Chefs aus Ingolstadt tun sich schwer, darauf die eine passende Antwort zu finden.
Denn natürlich werden solche Entscheidungen nicht kurz zuvor in kleiner Runde mit dem Werkleiter getroffen, sondern in der Planungsrunde des VW-Konzerns, wo Aufsichtsrat und Vorstand um die Milliardeninvestitionen ringen.
Was sollte bei dieser Betriebsversammlung also anders laufen? Zur Abwechslung war der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende an der Reihe. "Es geht nicht ums Wollen, es geht ums Machen", rief Alexander Reinhart den Audianern aus Neckarsulm und den Vorstandsmitgliedern aus Ingolstadt zu: "Hinter all den Zahlen, Projekten und Modellen stehen Menschen, die hier jeden Tag ihr Bestes geben." Die Neckarsulmer hätten eine klare Zukunftsperspektive verdient.
Bloß nicht abgehängt werden
Die Werkbelegung macht den Audi-Mitarbeitern seit Jahren Sorgen. Vor allem der verzögerte Eintritt ins Zeitalter der Elektromobilität könnte sich negativ auswirken, wenn Neckarsulm irgendwann das einzige verbliebene Werk mit "alter Verbrennertechnik" ist, so die Befürchtung.
Die Technische Entwicklung am Standort hat ähnliche Probleme. Der Dieselmotor spielte hier über Jahrzehnte die Hauptrolle. In wenigen Jahren wird er gar keine Rolle mehr spielen. Die Mitarbeiter möchten, so Reinhart, "auch noch morgen, übermorgen und in zehn Jahren hier arbeiten und ihr sicheres Einkommen haben". Sie hätten eine klare Zukunftsperspektive in Form von Zusagen für E-Modelle verdient.

"Wir alle wollen endlich mal wieder einen stabilen Monat, ein stabiles Quartal, ein stabiles Jahr", erklärte Reinhart und stellte klare Forderungen zu den Lücken in der Planung: "Der potenzielle elektrische Audi A8-Nachfolger muss zu uns nach Neckarsulm." Zudem benötige der Standort ein weiteres Volumen-E-Fahrzeug als Brückenfahrzeug für den Übergang zwischen Verbrennern und Elektrofahrzeugen. "Wir setzen uns außerdem im Konzern stark für einen Nachfolger des Audi R8 für die Produktion der Böllinger Höfe ein."
Klare Strategie, bei der Neckarsulm noch keine große Rolle spielt
Wenig überraschend brachte Konzernchef Duesmann zwar Verständnis, aber keine neuen Zusagen mit. Er verwies auf die demnächst anstehenden Anläufe der "letzten und besten Verbrenner" in Neckarsulm. Daran werde mit großem Einsatz gearbeitet. Er verschwieg zugleich nicht, dass der Weg im Konzern langfristig in Richtung 100 Prozent Elektromobilität gehe.
"Mit unserer Strategie haben wir früh Klarheit geschaffen. Und das ist gut so." Jetzt bleibe Zeit, so Duesmann, Mitarbeiter für Zukunftsfelder zu qualifizieren, zum Beispiel in der Batterieentwicklung, "die wir als Schwerpunkt in Neckarsulm aufgesetzt haben".
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