Forchtenberg
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Forchtenberger Verbindungsspezialist Arnold steckt sich mutige Umsatzziele

Die Würth-Tochter Arnold Umformtechnik will die von Reinhold Würth so häufig formulierte Erwartungshaltung, zweistellig zu wachsen, in den nächsten fünf Jahren regelmäßig erfüllen. Dazu wird im großen Stil investiert.

Christian Gleichauf
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Lesezeit 3 Min
Arnold beschleunigt mit dem E-Antrieb
Auch die Qualitätssicherung spielt eine wichtige Rolle bei der Verbindungstechnik: Mit Hilfe von Ultraschallmesstechnik können Vorspannkräfte ermittelt werden. Foto: Arnold Umformtechnik  Foto: Arnold Umformtechnik

Bis 2026 soll der Umsatz um nahezu 200 Millionen Euro anwachsen. 2021 lag er bei 242 Millionen Euro − es wird nicht tiefgestapelt in Ernsbach.

Deutlich zu vernehmen ist das Surren der Wasserkraftwerks-Turbine, die hier im Kocherwerk ihren Dienst tut − so wie schon vor 124 Jahren, als Arnold gegründet wurde und das Unternehmen damals der erste Schraubenhersteller in Hohenlohe war. Seit dem vergangenen Jahr ist das Schraubenmuseum im Gebäude, das auch auf die Initiative von Reinhold Würth zurückgeht − wie so vieles hier. Die Geschichte ist zu spüren. Arnold-Chef Dirk Döllner und seine Mitgeschäftsführer Frank Agner und Ralf Lagerbauer wollen an diesem Tag aber nach vorn schauen.

Vom Boom der E-Mobilität profitieren

Als Verbindungsspezialist soll Arnold vom Boom der Elektromobilität profitieren. Selbstverständlich ist das nicht. "Ein E-Auto hat deutlich weniger Verbindungselemente als ein herkömmlicher Pkw", erzählt Döllner. Während Arnold in der "alten Welt" der Verbrenner allerdings nicht ganz so stark gewesen sei, "sind wir jetzt umso stärker". Seit dem Tesla Model S sind die Hohenloher an so gut wie jedem neuen Stromer beteiligt. Ein Grund: Es geht vor allem im Umfeld der Batterie um Dichtigkeit. "Das war früher nicht das große Thema", so Döllner. Jetzt darf keine Feuchtigkeit mehr eindringen. Also braucht es neue Lösungen − die Arnold bietet.

90 bis 95 Prozent der "Schrauben" sind inzwischen kundenspezifische Anfertigungen, schätzt Lagerbauer. Und was er vereinfachend Schrauben nennt, sind teils sehr aufwendige Formen, die in Bleche gepresst oder gedreht werden, teils mit integrierten O-Ringen, teils extra verklebt. "So sind wir vom Lieferanten zum Entwicklungspartner geworden, das war vor 10, 15 Jahren noch anders", erklärt Döllner.

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Der Heilbronner kam vor 30 Jahren zu Arnold und hat erlebt, wie Reinhold Würth 1994 persönlich den Wert des Unternehmens erkannte und das notwendige Geld auf den Tisch legte, um genau die Firma zu übernehmen, bei der er 1945 gemeinsam mit seinem Vater die ersten Schrauben gekauft hatte. Er begleitet seit 2006 als Geschäftsführer den Wandel − der heute die große Chance für Arnold sei.

Firmen schätzen Produktion in der Nähe

Das hat auch mit den Veränderungen bei den Kunden zu tun. "Früher war viel Know-how in den Firmen selbst", erzählt Döllner. Das sei vielfach abgebaut worden. Entsprechend groß ist der Beratungsbedarf. Hier baut Arnold seine Kompetenzen aus. In die Karten spielt den Ernsbachern auch, dass angesichts der Lieferschwierigkeiten viele Firmen die Produktion in der Nähe wieder zu schätzen wissen.

Das hat sich, wie Finanzchef Agner erläutert, bereits in den Zahlen niedergeschlagen. Um 18,6 Prozent stieg der Umsatz im vergangenen Jahr − auch ein Nachholeffekt nach der Delle, die Corona und zuvor schon die Zulieferkrise hinterlassen hatten. Somit trägt Arnold auch wieder seinen Teil zum Gewinn der Würth-Gruppe bei, genaue Zahlen gibt es hier nicht. Nur die Preissteigerungen lassen sich offenbar nicht so gut wie an anderen Stellen im Würth-Konzern weitergeben.

Profitabel genug ist das Geschäft allerdings, um aus eigener Kraft zu investieren, das lässt das Trio durchblicken. Rund 20 Millionen kostet allein der neue Standort im Forchtenberger Gewerbegebiet Rauhbusch, der jetzt gebaut wird. Bis 2028 sollen dort 400 Arbeitsplätze entstehen. Dazu sind zwei Erweiterungen geplant. Dann wird das Unternehmen, das derzeit rund 1300 Mitarbeiter insgesamt und knapp 1000 in Ernsbach und Dörzbach beschäftigt, auf mehr als 1700 anwachsen. Rund 300 Mitarbeiter sind derzeit in Shenyang in China beschäftigt, wo ebenfalls ein neues Produktionsgebäude gebaut wird. Auch in den USA, wo in der Nähe von Detroit 30 Mitarbeiter beschäftigt sind, erwartet Arnold Aufwind.

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In diesem und dem nächsten Jahr werden dann noch einmal weitere 75 Millionen investiert − vor allem in Anlagen und Maschinen sowie in ein Oberflächenzentrum in Dörzbach. Eine gewaltige Summe, 15 Prozent des Umsatzes in zwei Jahren. Auch das Thema Nachhaltigkeit, das Arnold früh ernst genommen hat, nimmt jetzt Fahrt auf.


Führungsriege

Arnold Umformtechnik unterteilt sich in drei Bereiche, die auf deutsch in etwa Verbindungssysteme, Komponenten und Verbindungslösungen übersetzt werden. Das Unternehmen hat fünf Produktionsstandorte in den USA, China und Hohenlohe. Im vergangenen Jahr hat sich die Geschäftsführung von Arnold Umformtechnik neu aufgestellt. Neben CEO Dirk Döllner ist Frank Agner für Finanzen, Nachhaltigkeit, IT und Einkauf zuständig. Er war für knapp sechs Jahren zu Arnold gekommen. Neu im Team ist auch der in Bad Friedrichshall aufgewachsene Ralf Lagerbauer, der zuvor bei Würth Industrie Service in Bad Mergentheim und für die Würth-Gruppe auch in China tätig war. Nun ist er bei Arnold für Vertrieb und Marketing zuständig.

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