Energiekrise
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Angst ums Gas in der regionalen Wirtschaft

Unternehmen aus Heilbronn-Franken warnen vor drastischen Folgen, sollte der Energiefluss versiegen. Unter anderem bereiten sich Würth, Audi und die Metallbranche auf den Notfall vor - mit unterschiedlichen Maßnahmen.

Heiko Fritze
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Gasspeicher
Ein Anzeige für den Druck in der Anlage eines Gasspeichers: Putin dreht den Hahn zu. Die regionale Wirtschaft sorgt sich um die Folgen.  Foto: Peter Kneffel/dpa

 

Die Angst um die Gasversorgung, sie ist mit den Händen zu greifen. Der Routine-Punkt "Neues aus Sicht des Präsidiums und der Hauptgeschäftsführung" geriet bei der IHK-Vollversammlung im Carmen-Würth-Forum in Künzelsau zu einer Zusammenfassung der düstersten Prognosen, die wohl jemals in diesem Gremium geäußert wurden.

 

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"Ohne Gas wird es nicht gehen."

"Ministerpräsident Kretschmann hat vor kurzem gesagt, im Land wären bei einem Gasstopp etwa 1000 Arbeitsplätze gefährdet", sagte IHK-Präsidentin Kirsten Hirschmann. "Nach meiner Schätzung wären alleine in unserer Region deutlich, deutlich mehr als 1000 Arbeitsplätze bedroht." Alle Sparbemühungen hätten auch ihre Grenzen: "Ohne Gas wird es nicht gehen. In vielen Firmen ist es wesentlicher Teil des Produktionsprozesses." Die IHK-Präsidentin forderte dringende Maßnahmen - Notfallpläne, bürokratische Hürden für erneuerbare Energien beseitigen, die Umstellung auf Kohle und Öl.

 

Keine Frist zur Vorbereitung versprochen

Hauptgeschäftsführerin Elke Döring bemängelte, dass nicht einmal Ankündigungsfristen für Gasabschaltungen absehbar sind. Die Wirtschaft habe im Gespräch mit Bundeswirtschaftminister Robert Habeck ursprünglich zwei Wochen Vorlauf gefordert, wäre zur Not auch mit 24 Stunden zufrieden - aber nicht einmal das könne zugesichert werden, berichtete sie.

Bei Audi tagt der Krisenstab Gas

In den Unternehmen laufen unterdessen die Alarmpläne an. Die Neckarsulmer Audi-Personalleiterin Stefanie Ulrich berichtete, dass am Dienstag erstmals der Krisenstab Gas getagt habe. Für jeden Standort des VW-Konzerns werde analysiert, ob sich das benötigte Gas kompensieren lasse. Um den Gaslieferstopp zu vermeiden, werden Vorkehrungen getroffen. Auf 20 Prozent Einsparung hat sich die Automobilbranche geeinigt. Für Ingolstadt sieht es dabei gut aus, da vor allem Erdöl als Ersatz möglich sei, berichtete Ulrich. Für Neckarsulm dürfte das schwieriger werden, weil hier große Teile der Gebäudebeheizung über Fernwärme erfolgt, die wenigen Gas-Öfen aber nicht ersetzt werden können. Ulrich machte klar: "Wenn der Gashahn zugeht, stoppen wir unmittelbar sofort auch."

 

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Würth setzt nicht nur auf Photovoltaik

Der Würth-Konzern hat bereits auf die Lage reagiert - indem er kritische, energieintensive Teile vorproduziert hat, wie Würth-Vertreter Harald Unkelbach berichtete. Damit sollen etwaige Lücken überbrückt werden. Zudem laufe die Umrüstung von Gebäuden des Konzerns auf Photovoltaik-Versorgung.

Maschinenbauer sind eher weniger betroffen

Für die Metallbranche zeichnete Südwestmetall-Bezirkvorsitzender Hans-Jörg Vollert ein differenziertes Bild: "Maschinenbauer brauchen Gas eigentlich nur zum Heizen. Da ist eher die Frage, was bei den Vormaterialien passiert", berichtete der Inhaber des Weinsberger Anlagenbauers Vollert. Problematischer werde es für Autozulieferer. "Energieintensive Unternehmen wie Gesenkschmieden leiden bereits heute." Bei vielen Mittelständlern werde es an die Existenz gehen, befürchtete er. "Das wäre eine Rezession, wie wir sie noch nie erlebt haben", warnte Vollert.

 

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Auch Haushalte könnten vom Netz genommen werden

Wie die Abschaltung konkret abläuft, ist noch nicht klar, erläuterte Paul Gehrig, Geschäftsführer der Stadtwerke Tauberfranken. "Was geschützte und was nicht geschützte Kunden sind, ist eine EU-Vereinbarung, an die sich alle zu halten haben. Wir erarbeiten aktuell Notfallpläne mit weitergehenden Datenerhebungen." Welche Kunden zuerst abgeschaltet würden, stehe nicht fest. "Da gibt es keine Vorgaben. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, das Netz selbst stabil zu halten." Unter Umständen könnten sogar geschützte Kunden wie Haushalte vom Netz genommen werden.

Auch das Wiederanfahren der Heizungen wird ein Problem

Gehrig sieht selbst nach einem Gasnotstand ein massives Problem - das Wiederanfahren der Heizungen. "Es würde Monate dauern, bis man ein Gasnetz bis hin zur letzten Therme wieder in Betrieb genommen hat", erklärte er. Aber immerhin stehe nun fest, dass LNG-Gas aus Frankreich auch im deutschen Netz verwendet werden könne. Dadurch sinke die Gefahr für regionale Gasmangellagen im Grenzgebiet.

 

 
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