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Aktionäre von R. Stahl sorgen sich um ihr Geld

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Hauptversammlung mit einigen Unmuts-Signalen und einem Dämpfer für Aufsichtsrat und Konzernchef. Börsenkurs bewegt sich um einen langjährigem Tiefpunkt. Doch für den Aufsichtsrat gibt es kräftige Aufschläge bei der Vergütung.

 Foto: Lex Van Lieshout

Hätte die R. Stahl AG in diesem Jahr eine Hauptversammlung in Präsenz veranstaltet, dann wäre es womöglich hoch hergegangen. Denn dass nicht alle Aktionäre und Aktionärsvertreter zufrieden sind mit der Entwicklung des Explosionsschutzspezialisten aus Waldenburg, das wurde aus den vielen Fragen und auch bei der Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand deutlich. Doch abermals fand die Versammlung nur virtuell statt.

R.-Stahl-Chef Hallmann: Aufträge sind da

Zehn Prozent seines Umsatzes macht der Explosionsschutzspezialist im Bereich Flüssiggas. Die Ausrüstung großer Tankschiffe ist für R. Stahl ein gutes Geschäft, das zuletzt aber stagnierte.

Nun könnten die Waldenburger angesichts eines drohenden Gaslieferstopps und mit Investitionen in neue Schiffe wohl gute Geschäfte machen. "Wir werden geflutet mit Aufträgen", erklärte Vorstandschef Mathias Hallmann. Doch die Unwägbarkeiten bleiben groß.


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Auf die Restrukturierung folgte vor zwei Jahren die Pandemie. 2020 und 2021 schrieb das Unternehmen rote Zahlen. Auf eine Dividende warten die Aktionäre seit 2016 vergeblich. Entsprechend tief sank der Kurs an der Börse, gestern erreichte er einen weiteren Tiefpunkt bei 12,90 Euro.

Vor einigen Jahren waren 47,50 Euro noch zu wenig

So trauern heute wohl einige dem Übernahmeangebot des Familienunternehmens Weidmüller aus Detmold nach, das 2014 noch 47,50 Euro pro Aktie geboten hatte. Das wurde aus mehreren als Fragen formulierten Kommentaren deutlich.

Die Aktien gehören zu rund 50 Prozent den Gründerfamilien Zaiser und Stahl. Mehr als zehn Prozent halten jeweils die Investmentaktiengesellschaft für langfristige Investoren TGV sowie die RAG-Stiftung, die ihre Anteile allerdings gerne verkaufen würde.

Satte Vergütungen für Aufsichtsrat und Vorstand

Schon im Vorfeld hatten manche Tagesordnungspunkte Wellen geschlagen. Anlass waren unter anderem die Vergütungen von Aufsichtsrat und Vorstand. Der Aufsichtsrat sollte sich bei der Hauptversammlung deutlich höhere Bezüge genehmigen lassen.

60 000 Euro bekommt künftig Aufsichtsratschef Peter Leischner. Gegenüber unserer Zeitung erklärte Herbert Wild, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK), dass dies über dem üblichen Rahmen sei, wenn man Unternehmen vergleichbarer Größe anschaue, die dann aber oft über eine höhere Eigenkapitaldecke verfügten und solide Zahlen vorwiesen. Entsprechend hoch war der Anteil der Gegenstimmen bei der Entlastung Leischners (36 Prozent) und weiterer Aufsichtsratsmitglieder.

Hohe erfolgsabhängige Anteile für den Chef

Gut 19 Prozent verweigerten Hallmann die Entlastung. Unverständnis löste die hohe Vergütung für den R-Stahl-Chef im vergangenen Jahr aus. 771 000 Euro hatte er erhalten - auch wegen erfolgsabhängiger variabler Anteile.

"Der Vorstand hat aus meiner Sicht schon einen großen Schluck aus der Pulle genommen", erklärte Kleinaktionärsvertreter Wild fast wortgleich wie der kritische Aktionär Matthias Gaebler während der mehr als zwei Stunden dauernden Fragerunde.

Aus dem Kreis der Gründerfamilien waren Kommentare gegenüber unserer Zeitung noch deutlicher. "Wie kann man solche Vergütungen bezahlen, während das Übernahmerisiko wächst?", fragte ein Insider, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Rückendeckung: Jetzt soll die Trendwende erfolgen

Dennoch hatte sich vor allem das Konsortium der Eigentümerfamilien, das über 32 Prozent der stimmberechtigten Aktien verfügt, mehrheitlich und damit geschlossen hinter die Führungsriege gestellt. Formal bekamen Aufsichtsrat und Vorstand damit die notwendige Rückendeckung.

Das Ergebnis soll in diesem Geschäftsjahr positiv ausfallen - zumindest vor Steuern und Sondereinflüssen. Den Umsatz erwartet Hallmann bei 270 bis 275 Millionen Euro. Er könnte bei mehr als 300 Millionen liegen, denn allein im ersten Halbjahr gab es Aufträge für 150 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der Chipmangel und sonstige Lieferschwierigkeiten machen einer besseren Entwicklung aber einen Strich durch die Rechnung.

 
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