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Viele Wengerter sind sauer

Verwirrung um Verwirrmethode mit Sex-Duftstoffen in den Weinbergen

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Durch kleine Ampullen mit Sex-Duftstoffen bekämpfen Württemberger Wengerter seit fast 30 Jahren erfolgreich Schädlinge im Weinberg. Doch plötzlich werden sie durch bürokratische Hürden gebremst.

Solchen Ampullen verströmen Düfte, die Falter so sehr verwirren, dass sie keinen Partner finden. Die Methode wurde nun zum Opfer der Bürokratie.
Foto: Mario Berger
Solchen Ampullen verströmen Düfte, die Falter so sehr verwirren, dass sie keinen Partner finden. Die Methode wurde nun zum Opfer der Bürokratie. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Die sogenannte Verwirrmethode gegen Schädlinge im Weinbau sorgt dieses Frühjahr nicht nur bei Faltern für Verwirrung, sondern auch unter Wengertern.

Viele sind richtig sauer. Sie beklagen bürokratische Auswüchse, eine kaum praxistaugliche Software, ausbleibende Zuschüsse und noch mehr. Der Reihe nach.

Duftstoffe vermiesen Faltern die Begattung

Seit den 1990er Jahren werden in Württemberg gegen den berüchtigten Heuwurm und den Sauerwurm kaum noch Pflanzenschutzmittel gespritzt. Vielmehr werden die Schädlinge mit einer biomechanischen Methode bekämpft: mit Sexualduftstoffen, die die Eltern der Würmer, also Falter, so sehr verwirren, dass sie Männlein und Weiblein die Begattung vermiesen.

Die Duftstoffe strömen aus kleinen Ampullen, die die Wengerter im Frühjahr von Hand in den Rebanlagen aushängen. Doch dieses Jahr ist dies vielerorts nicht der Fall. Aufmerksame Spaziergänger fragen sich warum.

Ärger wegen ausbleibenden Zuschüssen

Manuel Jaksch, der in Gundelsheim hauptberuflich Weinbau und eine Rebschule betreibt sowie ehrenamtlich das Ausbringen der Peromonfallen im Ort organisiert und verwaltet, weiß es. Viele Wengerter seien sauer, weil das Land den längst fälligen Zuschuss für 2023 nicht ausbezahlt habe und sie nun zusätzlich für 2024 in Vorleistung gehen müssen.


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Pro Hektar streckten die Winzer jeweils 200 Euro vor, von denen sie die Hälfte bezuschusst bekämen. Das Aushängen selbst erfolge in einer konzertierten Aktion durch die Winzer. Jaksch spricht für viele: "Das hat immer hervorragend geklappt. Wir haben Spritzmittel gespart und die Umwelt geschont."

Neue Computer-Software ist nicht praxistauglich

Doch heuer macht den Projekt-Betreuern bei der Beantragung der Fördergelder eine neue Software zu schaffen. Früher habe man bei der Erfassung der Flurstücke einfach deren Nummer und Größe aufgelistet. "Nach einer halben Stunde war ich fertig. Heute sitze ich den ganzen Tag dran, weil die Computer-Software zu pingelig ist." Ständig käme es zu Fehlermeldungen, weil etwa hier ein Wengerthäuschen abgezogen werden müsste, ein Mäuerchen, einige Rebstöcke, eine Brache.

Verband fordert von Minister und RP kulantes Vorgehen

Mancherorts ist der Ärger so groß, dass in diesem Jahrgang dort keine Fallen ausgehängt werden, etwa am Heilbronner Wartberg, bestätigt Peter Albrecht vom Weinbauverband Württemberg. "Wir sind dran. Die Software ist nicht praxistauglich." Deshalb habe man den Minister und das Regierungspräsidium um Kulanz gebeten.


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Die Landwirtschaftsämter nimmt der WVW-Vizepräsident in Schutz. "Das hat weniger mit Bürokratie zu tun. Die müssen sich an die Regeln halten. Sobald es um Fördergeld geht, müssen die Angaben exakt sein." Ein Jahr ohne Fallen sei zwar riskant, zur Not könne man biologische Mittel spritzen, was aber die sowieso stark beanspruchten Geldbeutel der Winzer zusätzlich belaste.

Schulklassen müssen als MInijobber angemeldet werden

"Die Digitaliserung ist gut gemeint, weil sie auf Dauer Zeit spart, aber sie ist nicht gut gemacht. Im Grunde hat das das Fass zum Überlaufen gebracht", weiß WVW-Geschäftsführer Nico Morast. Zuvor schon hätten sich Winzer über den ausbleibenden Zuschuss für die Ampullen beklagt, wobei auch er die Gründe für die Verzögerung nicht kenne. In manchen Kommunen gehe es "über die 100 000 Euro". "Aber im April soll das Geld wohl endlich fließen."

Doch der Amtsschimmel reitet weiter: Beim Aushängen haben sich bisher neben der Familie oft Freunde und Schulklassen beteiligt. Ehrenamtlich, für eine Wurst. Inzwischen muss man hierfür einen Mini-Job anmelden. Morast bedauert den Wirrwar für die Winzer sehr. "Das Ganze war eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, auch für die Natur. Aber wir bleiben dran."

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