"Führungslose Schulen": Seit Jahren haben einzelne Schulen in der Region keinen Rektor
An einigen Bildungsstätten in der Region sind die Führungspositionen unbesetzt. Für die Lehrergewerkschaft GEW sind auch die Schulträger gefordert. So können Posten attraktiver werden.

Fast sieben Prozent der Schulleiterstellen im Land waren Ende 2023 nicht besetzt. Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums auf Fragen der SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei und Katrin Steinhülb-Joos hervor. Auch in der Region sind Stellen offen.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht auch die Schulträger in der Verantwortung. Sie sollen die Sekretariate in den Schulen personell aufstocken. Hierzu laufen gerade auf Landesebene Gespräche.
Gymnasien in der Region Heilbronn haben keinen eigenen Rektor
Über "Führungslose Schulen" wird vielerorts intensiv gesprochen. Gymnasien in der Region haben keinen Direktor, beispielsweise das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm, oder erwarten in absehbarer Zeit eine Lücke, weil der aktuelle Schulleiter bald in den Ruhestand geht.
An den übrigen Schulen, für die das Staatliche Schulamt in Heilbronn zuständig ist, sind ebenfalls einzelne Stellen unbesetzt. "Es gibt derzeit sieben kleine Grundschulen und eine Gemeinschaftsschule, die zum Teil schon seit Jahren stabil kommissarisch geleitet werden, entweder von einem Konrektorat oder einer Lehrkraft an der Schule selbst oder von einer Schulleitung einer nahe gelegenen anderen Schule", so Markus Wenz, der das Schulamt leitet. Teilweise dauere diese Lösung fünf Jahre, sie sei "von allen Beteiligten so akzeptiert". Fünf Bewerbungsverfahren liefen aktuell.
Schulen ohne Rektor: Das Land will die Führungsposition attraktiver machen
Der Landesregierung ist es nach eigenen Angaben ein großes Anliegen, Schulleitungen zu entlasten und sie bei der Führung zu unterstützen. In der vergangenen Legislaturperiode wurde laut Kultusministerium ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Beim Gehalt legte das Land teilweise nach, zu den weiteren Bausteinen gehören zusätzliche Funktionsstellen, um Rektoren zu entlasten.
Für Harald Schröder, GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn, bringen die bisherigen Schritte wenig. Trotz anderslautender Versprechen aus Stuttgart nehme die Belastung zu. "Es gibt nur verbale Beteuerungen", sagt er.
Für die GEW müssen Schulträger die Schulsekretariate personell aufstocken
Für die Lehrergewerkschaft müssen sich auch die Schulträger bewegen, damit die Stellen attraktiver werden. Die Städte und Gemeinden statten die Bildungsstätten unter anderem mit Personal fürs Sekretariat aus. Harald Schröder kennt in der Region beispielsweise eine Schule mit 600 Schülern, die über keine volle Stelle fürs Sekretariat verfüge. Die Folge: Der Rektor kümmere sich allein um den Schriftverkehr. Mehr Personal im Sekretariat entlaste die Schulleiter, so der GEW-Vertreter.
Die Stadt Heilbronn hat das Thema auf dem Schirm. Die Personalsituation in den Schulsekretariaten sei sehr unterschiedlich, so Claudia Küpper von der Pressestelle im Rathaus. Sie bestätigt aber Informationen unserer Redaktion, dass stellenweise Überstunden anfallen. "Dennoch ist es richtig, dass es an einzelnen Schularten Mehrarbeitsstunden gibt, die je nach Beschäftigungsumfang und schuljahresbedingten Arbeitsspitzen von Monat zu Monat deutlich schwanken." Zu berücksichtigen sei aber, dass diese Überstunden in den Ferien abgebaut werden können. Regelmäßig werde geprüft, wie viele Stellen in den Sekretariaten notwendig seien. "Diese werden unter anderem an Kriterien wie der Schüleranzahl, der Klassenanzahl oder aber auch an der Schülerbeförderung festgemacht", so Küpper. Für 2024 kündigt Heilbronn eine grundlegende Überarbeitung der Bemessungstools an.
Mehr Personal in den Sekretariaten: Das ist auf Landesebene ein Thema
Unterdessen überarbeiten ebenfalls Städtetag und Gemeindeprüfungsanstalt die sogenannte Personalbedarfsbemessung in Schulsekretariaten. Die derzeitige Version stammt aus dem Jahr 2009, die nächste könnte bis Ende 2024 vorliegen. Das jedenfalls hofft Norbert Brugger, Dezernent beim Städtetag. Dass Bedarf an neuen Regeln besteht, hätten die Kommunen gesagt. Mit zu den Gründen gehört, dass dauerhaft mehr Flüchtlinge an Schulen sind. Und das bedeute einen höheren Verwaltungsaufwand.
Lehrer auf die Führungsrolle im Rektorat vorzubereiten, das will auch die Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) in Heilbronn mit dem Programm "Schulmanagement und Leadership". Es läuft im dritten Jahr und hat bislang insgesamt 150 Teilnehmer. "Die Nachfrage zeigt, dass der Bedarf da ist", sagt Marco Haaf, einer der AIM-Geschäftsführer.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare