Ab sofort kein "Flugobst" mehr bei Lidl – welche Strategie Kaufland verfolgt
Der Discounter führt nur noch das in seiner Frischetheke, was auf dem Land- oder Seeweg gekommen ist. Auf welches Obst und Gemüse Lidl-Kunden außerhalb der Saison verzichten müssen. Und welchen Weg Kaufland geht.
Der Discounter Lidl verzichtet ab sofort vollständig auf den Import von Obst und Gemüse per Flugzeug. Ein Ziel ist, den CO2-Ausstoß des Unternehmens zu reduzieren, wie es in dessen Nachhaltigkeitsstrategie vorgesehen ist. Die "Lebensmittel-Zeitung" hatte zuerst berichtet.
Kein "Flugobst" mehr bei Lidl – jetzt spielt die Saison wieder eine Rolle
"Wir haben bereits in den letzten Jahren Flugware sukzessive reduziert und gehen nun den finalen Schritt", erklärte Lidl auf Anfrage unserer Zeitung. Dazu habe beispielsweise grüner Spargel gehört, der bisher außerhalb der Saison auf dem Luftweg importiert wurde. "Ab sofort bieten wir diesen ausschließlich saisonal aus Deutschland und Europa an", erklärt Lidl.
Andernorts funktioniert es schon länger
Lidl gehört damit zu den Vorreitern in der Branche. Allerdings hatte Aldi Nord bereits Anfang des Jahres gegenüber der Funke Mediengruppe angegeben, kein Flugobst oder -gemüse anzubieten. Damals gab es von Lidl keinen Kommentar zu dem Thema, obwohl das Unternehmen bereits seit Jahren in anderen Ländern darauf verzichtet, frische Waren per Flugzeug zu importieren.
In der Schweiz etwa versuchen sowohl Aldi als auch Lidl, ihr Image gegenüber den Platzhirschen Coop und Migros aufzupolieren, indem sie auf Eingeflogenes verzichten. Aldi ging den Schritt dort erst kürzlich, Lidl hatte seit Markteintritt vor 14 Jahren auf diesen Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit Wert gelegt.
Keine Kennzeichnungspflicht für den Importweg
Unter dem Oberbegriff "Flugobst" finden sich sehr viele Obst-, Gemüse- und auch Beerenfrüchte wieder. Wer beispielsweise Brombeeren außerhalb der Saison kauft, kann häufig nicht sicher sein, ob diese nicht auf dem Luftweg importiert wurden.
Eine Kennzeichnungspflicht besteht nicht. Allerdings betonen viele Märkte, dass der Anteil von Flugobst häufig sehr gering sei - so auch Aldi Süd und Rewe, die noch nicht komplett auf die Luftfracht verzichten.
Und jetzt gibt es keine Litschis mehr?
Litschis sind ein typisches Beispiel für schnell verderbliche Früchte, die häufig mit dem Flugzeug langen Strecken aus dem Erzeugerland nach Europa zurückgelegt haben. Wer befürchtet, solche exotischen Früchte bei Lidl künftig nicht mehr ohne weiteres zu bekommen, liegt offenbar falsch. "Litschis bieten wir weiterhin wie gewohnt saisonal in unserem Sortiment an", erklärt eine Sprecherin. "Diese werden auf dem Schifffahrtsweg importiert."
Aus Klimasicht lohnt es sich längst, auf den Transport mit dem Flugzeug zu verzichten. Dabei entstehen pro Kilogramm transportiertem Lebensmittel nämlich 50- bis 100-mal mehr klimawirksame Treibhausgase als bei einem Schiffstransport, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung.
Das Ifeu-Institut in Heidelberg hat berechnet, dass ein Kilo Ananas, das per Schiff importiert wurde, 0,6 Kilogramm CO2 pro Kilo Frucht verursacht hat. Mit dem Flugzeug transportierte verursachen 15 Kilogramm CO2.
Kaufland setzt auf breites Angebot – inklusive Flugobst
Kaufland in Neckarsulm erklärt auf Anfrage, bei seinen mehr als 400 Obst- und Gemüseartikeln grundsätzlich großen Wert auf Regionalität zu legen. Zugleich möchte die Großflächensparte der Schwarz-Gruppe aber ganzjährig eine große Auswahl bieten. "Dazu zählen auch exotische Früchte", so eine Sprecherin. Darunter sei in begrenztem Umfang auch sogenanntes Flugobst.
"Je nach Verfügbarkeit beziehen wir unser Obst und Gemüse generell nach folgendem Grundsatz: Zuerst Warenbezug aus Deutschland, danach grenznah, danach Europa, erst dann aus Übersee", heißt es aus der Kaufland-Zentrale in Neckarsulm. Die Herkunft sei auch transparent für die Kunden. "Alle deutschen Obst- und Gemüseartikel sind mit dem Siegel ,Marktfrisch aus Deutschland" gekennzeichnet."
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