Keime auf Geflügelfleisch entdeckt: Discounter Lidl wehrt sich
Eine Untersuchung im Auftrag einer Tierschutzorganisation erbringt brisante Ergebnisse. Sie macht die Haltungsbedingungen bei den Tieren für die Lidl-Eigenmarke verantwortlich. Lidl nimmt Stellung zu den Vorwürfen.

Bei einer Untersuchung von Hühnerfleisch der Lidl-Eigenmarke "Metzgerfrisch" im Auftrag einer Tierschutzorganisation wurden bedenkliche Krankheitserreger nachgewiesen. Auf 71 Prozent der Proben seien multiresistente Keime gefunden worden, teilt die "Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt" mit. Die Bedingungen in den Ställen seien dafür verantwortlich. Lidl nimmt auf Anfrage unserer Redaktion Stellung zu den Vorwürfen.
Enzym, das auf Antibiotika-Resistenzen hinweist
Der Mitteilung der Tierschutzorganisation zufolge wurde in 71 Prozent der Proben das Enzym ESBL nachgewiesen, das die auf dem Fleisch gefundenen Bakterien immun gegen mehrere gängige Antibiotika mache. "Bei der Mehrzahl der resistenten Bakterien handelt es sich um den Fäkalkeim Escherichia coli", so die Organisation aus Berlin. Außerdem habe das Labor Krankheitserreger wie Enterokokken (25 Prozent der Proben), Campylobacter (18 Prozent) und Salmonellen (in 1 Probe) entdeckt.
Stiftung will vegane Lebensweise durchsetzen
Die Stiftung, die sich insbesondere für die Abschaffung der Massentierhaltung und die Verbreitung der veganen Lebensweise einsetzt, fordert Lidl auf, die Standards der Europäischen Masthuhn-Initiative umzusetzen. Diese Initiative wurde von der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt gestartet, nach eigenen Angaben, "um den mehr als 600 Millionen Hühnern zu helfen, die jedes Jahr in Deutschland gemästet und geschlachtet werden".
Auch die Verbraucherzentralen unterstützen die Forderungen der Initiative. Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert-Schweitzer-Stiftung, sagt zudem: "Wie man sieht, bedeuten die Bedingungen in den Ställen der Lidl-Lieferanten nicht nur viel Elend für die Tiere, sondern sind auch gefährlich für uns Menschen."
Lidl: Keime sind eine generelle Herausforderung bei Geflügelfleisch
Lidl erklärt auf Stimme-Anfrage: "Wir arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung unserer Produkte und gehen jedem Anhaltspunkt umgehend nach, der darauf hinweist, dass unsere hohen Qualitätsstandards nicht eingehalten werden." Lidl verpflichte seine Lieferanten auch zu einem restriktiven Einsatz von Antibiotika. "Die von der Albert- Schweitzer-Stiftung festgestellten Keime sind dabei nicht auf die Haltungsform zurückzuführen, sondern stellen vielmehr eine generelle Herausforderung der gesamten Branche im Zusammenhang mit Geflügelfleisch dar."
Lidl weist aber auch darauf hin, dass Geflügelfleisch grundsätzlich anfällig für Keimbelastung sei, weswegen Geflügel niemals roh verzehrt werden sollte. Unabhängig von der aktuellen Untersuchung hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Hinweise veröffentlicht, wie mit Geflügelfleisch umzugehen ist.
Keine Unterschrift zur Masthuhn-Initiative
Lidl teilt mit, dass Gespräche mit der Open Wing Alliance, einer Gruppe von 30 Tierschutz-Organisationen, geführt worden seien. Das Ziel, das Tierwohl und die Haltungsbedingungen in der Geflügelhaltung zu verbessern, werde unterstützt. "Wir möchten jedoch unsere Versprechen einhalten und setzen uns daher nur Ziele, die realistisch erreichbar sind." Zudem benötige es ein breites Bündnis der wichtigsten Marktteilnehmer, weshalb die Forderungen des European Chicken Commitment, also der Europäischen Masthuhn-Initiative, aktuell nicht unterzeichnet würden.
Was vermieden werden sollte
Vor allem eine Keimübertragung vom rohen Geflügelprodukt auf andere Lebensmittel ist zu vermeiden:
Getrennt behandeln: Rohes Geflügelfleisch und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere, wenn letztere nicht noch einmal erhitzt werden.
Abtupfen: Geflügelfleisch nicht abwaschen, da durch das Spritzwasser Keime verteilt werden können. Besser direkt verarbeiten oder mit einem Papiertuch abtupfen und dieses direkt entsorgen.
Hände waschen: Hände zwischen den einzelnen Zubereitungsschritten gründlich mit Wasser und Seife waschen.
Sauberkeit: Gerätschaften und Oberflächen (z.B. Küchentisch, Spüle), die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung gekommen sind, gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen. Verpackungsmaterialien, Auftauwasser und ähnliches sofort entsorgen.
Geflügelspeisen müssen grundsätzlich vollständig durchgegart werden, erklärt das BfR, um möglicherweise vorhandene Krankheitserreger zu inaktivieren. Geflügelfleisch soll im Kern des Produktes für zwei Minuten mindestens 70 Grad erreichen.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare