Gemü macht im Gewerbepark Hohenlohe viel Geld für neue Arbeitsweisen locker
Konsequent flexibel, transparent und digital: Am neuen Unternehmenssitz im Gewerbepark Hohenlohe setzt der Ventilhersteller aus Ingelfingen Maßstäbe. Sogar bei der Kunst.

Mit diesem Bau geht Gemü neue Wege: Das künftige Headquarter des Ventilherstellers aus Ingelfingen wird 300 Mitarbeitern im Gewerbepark Hohenlohe Platz bieten und flexible Arbeitsweisen fördern. Mehr als 50 Millionen Euro lässt sich das Unternehmen das kosten.

Viel Glück hatte das Familienunternehmen mit dem Zeitpunkt des Baubeginns. Die Verträge mit Handwerkern und anderen Lieferanten waren bereits unter Dach und Fach, als sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die weltweiten Lieferketten bemerkbar machten. "Wir unterschreiten die angesetzten Baukosten bisher sogar leicht", erzählt Architekt und Projektleiter Michael Frey, einer der Partner des Büros Schmelzle + Partner aus Domstetten bei Freudenstadt, beim Richtfest am Dienstagmittag.
Freu begleitet Gemü seit zwölf Jahren, hat den Masterplan für das Gelände im Gewerbepark entwickelt. Dieser sieht noch zwei mögliche Erweiterungen in der Größenordnung des jetzt entstehenden Gebäudes vor. "Da sind 18 Hektar Platz", sagt Frey. Die bräuchte es dann allerdings wohl auch. Denn das neue Headquarter, das keinesfalls Verwaltungsgebäude genannt werden soll, ist fast 120 Meter lang und gut 20 Meter hoch und somit auch in dem an großen Industriebauten nicht armen Gewerbepark an der A6 nicht zu übersehen.
Standards setzen
Beeindrucken will Gemü allerdings nicht mit den äußeren Maßen, sondern mit dem Standard, der innen gesetzt wird. "Ich bin ein Digitalisierungsfan, und so haben wir hier einiges vor", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gert Müller. Das beginne schon damit, dass kabelgebundenes Netz in dem Haus so gut wie keine Rolle mehr spielen soll. Es muss auch drahtlos schnell gehen.
Agiles, flexibles Arbeiten soll konsequent Einzug halten, wenn der Bau Anfang 2024 bezogen wird. "Werkbänke, an denen man auch mal den Hammer einsetzen kann", werde es ebenso geben wie den 3D-Drucker für den schnellen Prototypen, wie Müller erzählt. Damit wolle man neue, junge Mitarbeiter ebenso ansprechen wie mit der Kunst, die hier ihren Platz finden wird. "Auch sie soll wegweisend und digital sein", sagt Gert Müller und will nicht viel mehr verraten.

Das tut dann allerdings Architekt Frey. Als Gewinner aus dem Kunst-am-Bau-Wettbewerb sei der Spanier Daniel Canogar hervorgegangen, der den spanischen Pavillion auf der Expo in Dubai bespielen durfte. Im Eingangsbereich des neuen Hauptquartiers von Gemü wird er eine riesige LED-Installation präsentieren.
Gebäudetechnik
Was die Gebäudetechnik angeht, spielen Strom vom Dach und intelligente Lüftung eine zentrale Rolle. Auf das Gas, das ursprünglich als zentraler Energieträger vorgesehen war, will man nach den jüngsten Entwicklungen weitgehend verzichten. Dafür gibt es mehr Wärmepumpen. Weitere Photovoltaik-Flächen könnten dafür genutzt werden.
Die großen Glasflächen sollen nicht zu Überhitzung im Sommer führen und auch bei Wind abzudunkeln sein. Deshalb wird vor die Glasfenster eine weitere Glasfront eingezogen. Das Atrium bekommt ebenfalls ein Glasdach. Tageslicht findet so überall seinen Weg ins Gebäude.

Transparenz ist auch das Motto bei der Zeitkapsel, die Frey dem Unternehmenschef zum Richtfest übergibt. Sie soll im Eingangsbereich in den Boden eingelassen und durch eine Glasplatte abgedeckt werden. "Wenn man sie versteckt, braucht man sie gar nicht", findet Müller. Was auf den Chips und Papieren darin alles gespeichert ist, soll dann jeder per Smartphone aufrufen können. Digital auch das.
Unsicherheiten
Vom Krieg in der Ukraine ist Gemü am Rande betroffen. Die Geschäfte der Tochter in Moskau laufen derzeit aus. Insgesamt habe der Umsatzanteil der dortigen Region im unteren einstelligen Prozent-Bereich gelegen, erläutert Geschäftsführer Stephan Müller. Härter treffen könnte das Unternehmen die aufflackernde Corona-Pandemie in China. Mitarbeiter in Schanghai würden teils im Unternehmen übernachten, weil sie sonst nicht mehr zur Arbeit kommen können. Der Umsatzanteil dort liege bei 20 bis 30 Prozent, so Müller.




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