Fasten mit Fleisch im Nudelteig: Die Geschichte der Herrgottsb'scheißerle
Worum es an Karfreitag eigentlich geht und wie die Menschen seit jeher Ausnahmen von den Regeln suchten.

Die Fastenregeln der katholischen Kirche wurden über die Jahrhunderte immer lockerer. "Heute gibt es keine konkreten Vorschriften mehr", sagt der Heilbronner Dekan Roland Rossnagel. Was allerdings noch immer Tradition hat, ist der Fleischverzicht an Freitagen und vor allem am Karfreitag, um dem Tod Jesus am Kreuz zu gedenken. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Menschen an diesem Tag Entbehrungen hinnehmen.
Meist kommen Fischgerichte auf den Tisch, die eher als Delikatesse einzustufen sind, sagt der Pfarrer. Für ihn geht es beim Fasten aber ohnehin um etwas anderes: "Es dient dazu, inne zu halten und sich auf das Wesentliche zu besinnen." Am Karfreitag solle man sich zudem mit der Erlösung durch Jesus und dem ewigen Leben beschäftigen.
Maultaschen als Fastenessen
Trotzdem ist der Karfreitag noch immer stark mit Fleischverzicht verbunden. Warum gelten dann aber Maultaschen - und nicht nur die vegetarischen - als Fastenessen? Die Geschichte dahinter ist das wohl bekannteste Beispiel dafür, dass Menschen schon immer Ausnahmen von Regeln gesucht haben und dabei selbst in Klöstern äußerst kreativ waren.
So wurden die sogenannten Herrgottsbscheißerle der Legende zufolge von Mönchen des Klosters Maulbronn erfunden. Sie sollen in der Fastenzeit unverhofft zu einem Stück Fleisch gekommen sein. Um es trotz der strengen Fastenregeln essen zu können, hackten sie es klein, mischten es mit Gemüse und versteckten es vor Gottes Augen im Nudelteig.
Enten zählten zu den Fischen
Solche Tricks soll es häufig gegeben haben. In Überlieferungen findet man Anekdoten zu Mönchen, die am Wasser lebende Tiere wie Enten zu Fischen zählten. Selbst Hühner erklärten sie dazu, da Gott die Vögel und Fische an einem Tag erschaffen habe. Auch Biber wurden mit Fischen gleichgesetzt und in der Fastenzeit verspeist. Ein anderes mal soll ein Ferkel, das in einem Brunnen ertrunken war, von Klosterbrüdern als Wassertier angesehen worden sein. "Ich finde das sympathisch", sagt Pfarrer Rossnagel zu solchen Geschichten. Es zeige, dass die Fastengebote nicht "todernst" genommen wurden.
Aber auch die katholische Kirche habe von sich aus in der Vergangenheit immer mehr Ausnahmen formuliert. So galt das Fastengebot zum Beispiel nicht, wenn man eingeladen war, an fremden Tischen aß oder weiter weg von zu Hause war. Vom Fasten befreit waren zudem Menschen im Rentenalter und Kinder.
Dass ausgerechnet auf Fleisch in der Fastenzeit verzichtet werden sollte, hatte vor allem etwas mit der Lebensrealität der Menschen zu tun. "Früher war Fleisch etwas Besonderes und Fisch war im heiligen Land einfach da", erläutert Roland Rossnagel. Die Besinnung darauf, dass Fleisch ein besonderes Gut ist, finde derzeit auch wieder statt.
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