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Energiepreise bereiten Menschen Sorgen

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Wie die hohen Energiekosten Verbraucher, Lieferanten und Genossenschaften beeinflussen.

von Christian Nick , Tamara Ludwig , Christian Gleichauf und Heiko Fritze

Strom, Benzin, Öl, Gas: Wer just zu Beginn der Heizperiode auf entsprechende Rechnungen und Preis-Tabellen schaut, kann durchaus herbstgraue Laune bekommen. Denn Energie wird gegenwärtig immer teurer.

Der Hauptgrund: Die internationalen Volkswirtschaften erholen sich von den ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise. Die damit verbundene starke Nachfrage treibt auf dem Weltmarkt die Preise für Gas und Rohöl in die Höhe. Steuerlast und zu geringen Teilen auch die Anfang des Jahres eingeführte CO2-Bepreisung tragen in Deutschland überdies zu den gestiegenen Energiekosten bei.


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Warnung vor wachseneder Energiearmut

Der Kommissar für Beschäftigung und soziale Rechte bei der Europäischen Union warnte unlängst angesichts der Preisentwicklung gar vor einer wachsenden Energiearmut in Europa.

Einige EU-Länder fordern ein gemeinsames Vorgehen, viele Bürger und Unternehmen rufen nach steuerlichen Entlastungen. Doch eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht. Wir haben uns bei vier Menschen in der Region, die unterschiedlich von der Entwicklung betroffen sind, umgehört, um zu erfahren, wie sie diese beurteilen - und welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen.


Georg Dukiewicz, Geschäftsführer der Heilbronner Bürgerenergiegenossenschaft Energeno: Höhere Preise sind kein Booster für die Erneuerbaren

Georg Dukiewicz
Foto: Archiv/Veigel
Georg Dukiewicz Foto: Archiv/Veigel  Foto: Veigel

Für Georg Dukiewicz kommt es beim Thema "Steigende Strompreise" ganz darauf an, von welchem Preis genau gesprochen wird. Höhere Börsenpreise sind für einen Stromerzeuger wie die Energeno in Heilbronn positiv zu bewerten. Schließlich können insbesondere über die Direktvermarktung dann höhere Erlöse erzielt werden. Kritisch sieht der Vorstand und Geschäftsführer der Bürgerenergiegenossenschaft aber die steigenden Netzentgelte und andere Bestandteile, die am Ende vor allem den Verbraucher belasten.

Effekt von zu vielen Faktoren überlagert

Dass von teurem Strom automatisch die erneuerbaren Energien profitieren könnten, stimme so leider nicht. "Damit lohnt sich zwar theoretisch umso mehr die Investition beispielsweise in die Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach. Doch wird dieser Effekt von zu vielen anderen Faktoren überlagert", sagt Dukiewicz.

Beispielsweise sei die Preissteigerung bei PV-Anlagen derzeit deutlich größer als die Strompreiserhöhungen. "Das könnte sich noch verschärfen, wenn im kommenden Jahr die Photovoltaik-Pflicht auf gewerblichen Neubauten kommt", sagt Dukiewicz.

Und auch beim Windstrom gehe es derzeit weniger um die möglichen Erlöse, sondern um bürokratische Hürden, die jeden Ausbau der Windkraft abwürgten. Fünf, sechs oder sieben Jahre dauere es inzwischen, bis eine Anlage steht - und selbst mit Genehmigung könne immer noch jemand dagegen klagen.

Fragen nach Kosten

Solche Hürden seien entscheidend und wichtiger als die Frage nach Kosten und möglichen Verkaufspreisen. "Wenn die Landesregierung 1000 Windräder bauen lassen will und jetzt nur Platz für 90 ausweist, dann sind das doch alles nur Lippenbekenntnisse", findet Dukiewicz. "Da muss man einiges verändern, sonst wird das nichts."


Die Heilbronner Gewo vermietet 1100 Wohnungen und muss mit den steigenden Kosten umgehen

Waldemar Fiedler
Waldemar Fiedler

Für Waldemar Fiedler ist es keine einfache Situation. "Die Preisentwicklung bei den Heizkosten ist etwas, was den Verbrauchern sehr große Hürden stellt", sagt der geschäftsführende Vorstand der Heilbronner Wohnbaugenossenschaft Gewo. "Die sogenannte zweite Miete hat das Potenzial, zur Erstmiete zu werden."

Auch bei der Gewo müssen in der Regel die Mieter die Heizkosten zahlen. Die Bewohner werden normalerweise nach sozialen Gesichtspunkten ausgewählt. "Wenn die Preise ins Unermessliche ausufern, ist die Frage: Wer zahlt, wenn der Mieter nicht mehr zahlen kann?", fragt Fiedler. "Wenn wir die Energiewende ernsthaft wollen, müssen wir diskutieren, was davon staatliche gefördert wird."

Verfügbare Mittel sind begrenzt

Schon seit mehr als zehn Jahren setze die Genossenschaft bei den Sanierungen ihrer Gebäude auf Energiesparmaßnahmen. Bei Neubauten muss sie nun auch Photovoltaikanlagen auf die Dächer montieren. "Wir können aber nicht alles auf einen Schlag austauschen", sagt der Vorstand. "Das muss man mit Augenmaß steuern." Die verfügbaren Mittel der Genossenschaft seien schließlich begrenzt. Fest stehe aber, dass die Gewo auch in den kommenden Jahren ihre Wohnungs- und Gebäudesanierungen fortsetzen, ja sogar noch verstärken will.

Immerhin: Die meisten Mieter kommen bei den Energiekosten noch nicht an ihre finanziellen Grenzen. Solche Rückmeldungen gebe es bislang nur vereinzelt, berichtet Fiedler. Er hat aber wenig Hoffnung, dass die Preise bald wieder sinken werden. Im Gegenteil: Alleine schon wegen der immer höheren CO2-Bepreisung führe an steigenden Kosten kein Weg vorbei, wenn man etwa weiter mit Gas heizt.


Klaus Hornung hat rechtzeitig Öl bestellt,
aber die Preisentwicklung macht auch ihm Sorgen

Klaus Hornung
Foto: Archiv/Hohl
Klaus Hornung Foto: Archiv/Hohl  Foto: Hohl

"Die Entwicklung des Ölpreises gibt mir natürlich zu denken", sagt Klaus Hornung. Der 64-jährige Eigenheimbesitzer hat dennoch Glück: Denn die Sammelbestellung - gemeinsam mit rund einem Dutzend Nachbarn in Öhringen-Michelbach - für die rund 2500 Liter, die seine Ölheizung jährlich schluckt, hat er bereits im Februar getätigt. "Glück gehabt", sagt Hornung: Denn damals seien die Preise ja noch auf dem üblichen Niveau der Vorjahre gewesen.

Notfalls mit Vorrat auskommen

Dass er im kommenden Jahr womöglich nicht nochmals so günstig ordern kann? "Unser Tank ist groß und reicht für zwei Jahre", sagt Hornung. So könne er notfalls ein weiteres Jahr mit dem Vorrat auskommen. Fürs Warmwasser hat er sich vor einigen Jahren bereits Solarzellen aufs Dach installieren lassen. Ob der Staat bei den Preisen denn regulierend eingreifen solle, etwa über die Steuerpolitik? Es sei einfach, Regulierung zu fordern - aber "wir leben ja in einer freien Marktwirtschaft".

Ob der Hauseigentümer damit rechnet, dass Ölheizungen perspektivisch sogar verboten werden? Davon gehe er aus, sagt der Öhringer. Daher sei etwa eine Pellet-Heizung durchaus ein Thema für ihn. Aber noch nicht in den nächsten Jahren: Denn die Ölheizung in seinem Haus ist erst vor sieben Jahren neu eingebaut worden.


Beim Energiehändler Edi Hohenlohe ist der Unmut der Kunden über teures Heizöl spürbar

Roland Weissert
Foto: privat
Roland Weissert Foto: privat  Foto: privat

Jetzt Heizöl kaufen, oder lieber auf günstigere Preise in ein paar Wochen oder Monaten hoffen? Mit so einem Rat kann Roland Weissert nicht dienen, obwohl er das natürlich häufiger gefragt wird. "Der Ölpreis ist auch für uns nicht vorhersehbar", sagt der Geschäftsführer des Energiehändlers Edi Hohenlohe. Dass die hohen Heizölpreise bei seinen Kunden für Unmut sorgen, das ist hingegen nicht nur vorhersehbar, sondern täglich erlebbar.

Gespräche, die keinen Spaß machen

"Die Kunden akzeptieren es zwar, schlucken aber natürlich schwer. Das macht nicht immer Spaß, das sind teils harte Gespräche", berichtet Weissert. Mancher reagiere auch, indem er eine kleinere Menge als üblich ordere. Was Weissert aber auch nicht unterschlagen möchte: "Die Preise waren in der Vergangenheit schön öfter ähnlich hoch."

Das Problem sei aber, dass man die Kosten vor allem mit dem Vorjahr vergleiche, und da sei das Öl eben besonders günstig gewesen. So könne bei einem Verbraucher, der vergangenes Jahr Glück hatte und um die 40 Cent pro Liter gezahlt habe, nun leicht das Doppelte fällig werden.

Der schnelle und steile Anstieg habe aber auch ihn überrascht, sagt Roland Weissert. Besonders bedenklich findet er, dass es die Verbraucher gerade geballt treffe, weil eben auch Gas und Strom sehr teuer seien.

 

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