Digitalisierung ist für Gymnasien das große Thema

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Direktoren in der Region haben neue Sprecher: Antje Kerdels und Martin Mutz stehen an der Spitze der Direktorenvereinigung Nord-Württemberg. Nun äußern sie sich erstmals zu drängenden Punkten ihrer Schulart.

Für die Heilbronner Gymnasien ist die Digitalisierung derzeit ein großes Thema.
Für die Heilbronner Gymnasien ist die Digitalisierung derzeit ein großes Thema.

Gymnasien in der Stadt sowie in ländlichen Teilen der Region Heilbronn haben zwar ähnliche Probleme, sie unterscheiden sich aber auch: Auf die Ausgewogenheit bei Stadt und Land achtet deshalb die Direktorenvereinigung Nord-Württemberg, wenn es um die Besetzung der Sprecherposten geht. Antje Kerdels vom Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn übernimmt den Posten, Stellvertreter ist Martin Mutz vom Eduard-Mörike-Gymnasium Neuenstadt. Gut fünf Jahre war Marco Haaf vom Albert-Schweitzer-Gymnasium Neckarsulm an der Spitze, er wechselt kommendes Jahr ins Geschäftsführerteam der Akademie für Innovative Bildung und Management in Heilbronn.

Antje Kerdels leitet das Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn. Foto: Mario Berger
Antje Kerdels leitet das Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Für die Gymnasien ist die Digitalisierung ein großes Thema. Gerade auch in Heilbronn, wo Stadt und Dieter-Schwarz-Stiftung allen Schülern digitale Endgeräte zur Verfügung stellen wollen. "Wir haben viel zu tun", so Antje Kerdels. Große Chancen sieht sie in der Nutzung Künstlicher Intelligenz. Nur: Es gebe durchaus eine Diskrepanz zwischen dem, was erwartet wird, und dem, was gestattet wird. Es seien dabei nicht einmal die Schüler und Eltern, die Druck machten - sondern das Land, das zugleich durch Vorgaben wieder bremse. "Die Entwicklung ist so rasant, da müssen wir rasant Schritt halten", sagt Antje Kerdels.

Digitalisierung: Schulen im ländlichen Raum gut ausgestattet

Für Martin Mutz sind bei der Digitalisierung die Gymnasien im ländlichen Raum noch an der Spitze. "Wir sind extrem weit, haben iPad-Klassen", erzählt er über seine Schule. Auch Eppingen und Neckarsulm seien gut ausgestattet. Kleine Schulträger müssten nicht so viele Schulen unter einen Hut bringen wie Heilbronn. Das dürfte sich ändern, sobald Heilbronn die Tablets verteilt. Neidisch auf die Stadt ist Martin Mutz nicht. Nur: Es könnte dazu führen, dass umliegende Gymnasien das Heft des Handels nicht mehr in der Hand halten können. Sein Beispiel: Sein Gymnasium hat sich dafür ausgesprochen, dass mit Tablets erst ab Klasse zehn gearbeitet wird. Es könnte aber nun die Erwartung an die Schule herangetragen werden, damit schon früher anzufangen.


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Die Ergebnisse des jüngsten Pisa-Leistungsvergleichs war für Deutschland enttäuschend. Für Antje Kerdels müssen Grundschulen gestärkt werden, auch in der frühkindlichen Bildung sieht sie Bedarf: "Die Basiskompetenzen müssen da sein." Darauf bauten die Gymnasien schließlich auf. Die Pisa-Ergebnisse liegen nur für Deutschland vor, sie sind weder aufgeschlüsselt nach Bundesländern noch nach Schularten. Sie interessiert nämlich auch: "Was haben wir gut gemacht?" Da erkennt sie einen Nachteil des Bildungsvergleichs. Nicht berücksichtigt würden Fremdsprachen.

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Martin Mutz ist Direktor des Gymnasiums Neuenstadt. Foto: Christiana Kunz
Martin Mutz ist Direktor des Gymnasiums Neuenstadt. Foto: Christiana Kunz  Foto: Christiana Kunz

Baden-Württemberg geht zurück zum Abitur nach neun Jahren an allgemeinbildenden Gymnasien. Das ist zwar ein Thema, über das sich die Direktoren aus der Region mehrfach unterhalten haben. Auf der Prioritätenliste rangiert das Thema bei Antje Kerdels dennoch nicht ganz oben - weil es noch etwas Zeit dauern werde, bis nähere Details folgen. "Wir würden gern gehört werden", sagt sie in Richtung Kultusministerium. Die Gymnasien seien die Experten, deshalb würde man gern in einen Dialog treten.

"Mehr Lernzeit ist etwas Gutes", sagt Antje Kerdels, "wenn sie sinnvoll gestaltet wird." Die Direktorin will nicht einfach nur das achtjährige Gymnasium auf neun Jahre strecken. Antje Kerdels spricht sich dafür aus, das zusätzliche Jahr zu nutzen, um Fächer und Themen zu vertiefen. "Es geht darum, die Bildung besser zu machen." Sie erwartet, dass deshalb mehr Personal an den Gymnasien nötig sein wird. Zusätzliche Lehrer für den Unterricht, das will sie nicht allein auf ihre Schulart beschränkt wissen. "Vielleicht brauchen alle mehr."

 
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