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Wie der Atomausstieg mit dem GKN in Neckarwestheim jetzt Wirklichkeit wird

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Am 15. April werden die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet, so auch das GKN II in Neckarwestheim. Der Rückbau beginnt in einigen Monaten. Einen Weg zurück kann es dann nicht mehr geben.

Blick auf das GKN Neckarwestheim .
Blick auf das GKN Neckarwestheim .  Foto: Andreas Veigel

Wir haben ein klares Bekenntnis zum Atomausstieg gegeben", sagt Jörg Michels, Geschäftsführer der Kernkraftsparte EnKK der EnBW. "Und wir stehen konsequent dazu." Seit 1989 hat das jüngste deutsche Atomkraftwerk in Neckarwestheim, das GKN II, 375 Milliarden Kilowattstunden ins Netz eingespeist. Am 15. April werden die letzten Kilowattstunden produziert.

Diesmal sind die Tage gezählt

Es ist nicht der erste Termin, zu dem das Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar 2 abgeschaltet werden soll. 2021 war beim ersten Atomausstieg der damals rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 anvisiert, durch Übertragung von Reststrommengen peilte die EnBW dann 2017 an. Mit dem neuerlichen Atomausstieg 2011 unter Schwarz-Gelb wurde der 31. Dezember 2022 festgelegt.

 


 

Diese Frist wurde in der Energiekrise im vergangenen Jahr um dreieinhalb Monate verlängert. Diesmal soll es endgültig sein. "Mit dem Thema Weiterbetrieb haben wir abgeschlossen", sagt Michels beim Pressetermin am Donnerstag.

Die Abschaltung wird kaum anders vonstatten gehen als bei jeder Revision. Mehrere Stunden dauert es, das Kraftwerk herunterzufahren. In Absprache mit den Netzbetreibern wird der genaue Zeitpunkt festgelegt, damit andere Kraftwerke die Last übernehmen können. Dann werden die Brennelemente ins Lagerbecken überführt. Anschließend ist erst einmal Warten angesagt.

Kein Weg zurück?

Ursprünglich hatte der über Jahre ausgearbeitete Zeitplan vorgesehen, dass bereits im Januar der Rückbau beginnt. Doch die Spezialfirmen, die schon gebucht waren, müssen nun neu beauftragt werden. "Die Vollgenehmigung für den Rückbau steht noch aus", sagt Michels. Er erwartet sie in den nächsten Tagen. Wirksam werde sie allerdings erst, wenn sie in Anspruch genommen wird. Damit erlischt dann die Betriebsgenehmigung des Kraftwerks. Nach einer Prüfung erfolge das wohl im Mai.

 


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Es ist eine Art "Point of no Return", dann gibt es unter den bestehenden gesetzlichen Voraussetzungen kein Zurück mehr. Mit der Demontage der Hauptkühlmittelleitung beginnt der eigentliche Rückbau Ende des Jahres, wie Michels erklärt. Ab diesem Zeitpunkt gebe es dann keine Möglichkeit für einen Weiterbetrieb mehr, erklärt er auf Nachfrage. Doch die Frage stelle sich auch nicht mehr.

Kernenergie wurde auch in diesem Winter gebraucht

Als Kritik am Streckbetrieb will er das nicht verstanden wissen. Obwohl die drei Atomkraftwerke in diesem Jahr weitergelaufen sind, sei es in diesem Winter notwendig gewesen, Strom aus dem Ausland zuzukaufen, sagt Michels. "Und wir hatten einen milden Winter."

Wie das im nächsten Winter aussieht, könnten nur die Netzbetreiber beurteilen. "Konsequent" benutzt Michels mehrfach in seinem Vortrag. Konsequent soll jetzt die Energiewende vorangetrieben werden. "Dann bekommen wir wieder Sicherheit."

 


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Kein Grund zu feiern

Konsequent gehe es nun auch an den Rückbau. Neun Milliarden Euro sind für alle fünf Meiler der EnBW vorgesehen. Genauere Zahlen gebe es nicht. 15 Jahre dürfte es noch dauern, bis auf dem Gelände in Neckarwestheim etwas Neues entstehen könne. "Das ist eine hochspannende Aufgabe." Auch für die Mitarbeiter. Für die, aber auch für ihn selbst sei aber nach so vielen Jahren der 15. April ein "besonderer Tag". Feierlichkeiten seien nicht geplant.

 


"Kein zusätzlicher Gewinn"

Mit dem Streckbetrieb sei es nicht möglich gewesen, zusätzliche Gewinne einzufahren, erklärt EnKK-Chef Jörg Michels. Mitarbeiter mussten reaktiviert werden oder länger arbeiten, vertraglich vereinbarte Arbeiten wurden verschoben. Eine niedrige dreistellige Millionensumme habe das gekostet, Die am Ende zusätzlich produzierten 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom brächten einen Erlös in ähnlicher Größenordnung, so Michels.

Genaue Zahlen gebe er aus Wettbewerbsgründen nicht bekannt. Finanzielle Ansprüche könnten auch nicht geltend gemacht werden, da es die freiwillige Entscheidung des Energieversorgers EnBW gewesen sei, die Verlängerung zu nutzen. "Das war unser Beitrag zur Versorgungssicherheit", erklärt Michels.

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