Für Pfaffenhofens scheidenden Bürgermeister Dieter Böhringer ist "die Zukunft noch weit weg"
Bürgermeister Dieter Böhringer scheidet nach knapp 40 Jahren aus dem Amt. Böhringer war Sprengel-Vorsitzender, Fraktionschef der CDU im Heilbronner Kreistag und Mitglied der Sportgemeinschaft der Bürgermeister. Seine Sorge gilt dem ländlichen Vereinsleben.

Ein würdiger Abschied sieht anders aus. Nach 39 Jahren und fünf Monaten scheidet Dieter Böhringer als Bürgermeister von Pfaffenhofen an diesem Mittwoch aus seinem Amt. Doch Corona führt die Regie. Auf 100 Gäste wird die Gemeinderatssitzung, in der er um 19 Uhr in der Wilhelm-Widmayer-Halle verabschiedet und seine Nachfolgerin Carmen Kieninger eingesetzt wird, begrenzt.
Viele Menschen, die den 66-Jährigen über die Jahre und Jahrzehnte begleitet haben, werden nicht dabei sein können. Böhringer war Sprengel-Vorsitzender, Fraktionschef der CDU im Heilbronner Kreistag und Mitglied der Sportgemeinschaft der Bürgermeister. "Aber auch viele Bürger, die mitgeholfen haben, Dinge zum Guten zu bringen, werden fehlen", sagt Böhringer.
Gewohnte Abläufe fielen weg
Doch die Pandemie hat gleichzeitig auch für einen anderen Blickwinkel gesorgt. Gewohnte Abfolgen und Tagesabläufe waren plötzlich nicht mehr gegeben, wie auch Kontakte zu den Bürgern. Hauptversammlungen und Vereinsfeste fanden nicht mehr statt. "Corona hat vieles weggenommen, dadurch fällt mir einiges auch leichter", sagt Dieter Böhringer.
Die Wehmut ist trotzdem recht groß. "Diese Zeit hat rund zwei Drittel meines Lebens eingenommen." Corona hat vieles verändert. Sie hat Kreativität genommen: "Ich kam mir vor wie ein Befehlsempfänger durch die vielen Verordnungen." Eine Ordnungsverwaltung sei jedoch nicht gerade das optimale Betätigungsfeld eines Bürgermeisters.
Auch wenn der Abschied nah ist - für Dieter Böhringer fühlt es sich noch nicht so an. "Die Zukunft ist immer noch weit weg." Gedanken über eine Struktur im Ruhestand will er sich zu gegebener Zeit machen.
Struktur kann warten - Langeweile droht nicht
Langeweile droht ihm allerdings nicht. Sein Sohn kehrt nach fünf Jahren aus den USA zurück. Mit dessen zwei Kindern und den beiden Kindern seiner Tochter hat Opa Dieter bald eine zeitintensivere Aufgabe als seither.
Zu Hause freut sich Dieter Böhringer auf die Gartenarbeit, darüber hinaus stehen Kochen und Tennis auf dem Programm. Gemeinsam mit seiner Frau will er auf dem E-Bike auf Deutschlands Radfernwegen unterwegs sein. Auch der Nachholbedarf an Begegnungen wird in Zukunft ein Thema sein.
Was er vermissen wird? "Als Bürgermeister hast du oft in die Zukunft gedacht. Das wird mir fehlen." Und Dieter Böhringer macht sich Sorgen um das Vereinsleben in Pfaffenhofen in der Zeit nach Corona. "Es ist wichtig, dass die Ortsgemeinschaft erhalten bleibt. "In einer kleinen Gemeinde wie Pfaffenhofen wird es ohne Vereine auch keine Kultur geben."
Und so hofft der 66-Jährige, dass auch dem Künstlertreff, der seit 25 Jahren besteht, wieder neues Leben eingehaucht wird. Ab November, so der derzeitige Plan, soll mit einer Ausstellung der Künstlertreff wieder starten, nachdem im Oktober 2020 mit Colin Wilkie einer der drei Väter neben Gunther Stilling und Detlef Bräuer gestorben ist. Böhringer: "Ich würde mich freuen, wenn es mit dem Künstlertreff weitergeht. Denn wir haben hier eine Kulturarbeit, die nicht jede Kommune unserer Größenordnung hat."
Zur Person
Dieter Böhringer (66) ist gebürtiger Heilbronner, war von 1976 bis 1977 beim Landratsamt Ludwigsburg und von 1978 bis Januar 1982 Kämmerer in Ittlingen. Böhringer wurde am 25. Oktober 1981 im zweiten Wahlgang in Pfaffenhofen zum Bürgermeister gewählt, Mitte Januar 1982 ins Amt eingesetzt und ist nun in seiner fünften Amtszeit, die turnusmäßig am 6. Januar 2022 enden würde. Er war 35 Jahre im Kreistag. Böhringer hat zwei Kinder, vier Enkel und lebt mit seiner Frau in Pfaffenhofen.



Stimme.de
Kommentare