Wegen der Statik stockt der Feuerwehr-Neubau in Weinsberg
Beim geplanten Feuerwehrneubau in Weinsberg sind die Statik-Fachbüros offenbar uneins. Daher kann die Stadt keine Baufreigabe erteilen. Welche Konsequenzen hat das?

Die 440 Pfähle sollten eigentlich längst in die Erde gerammt sein, und es sollte auf der Baustelle für das neue Feuerwehrhaus in Weinsberg zugehen wie in einem Bienenstock. Stattdessen eher beschauliche Ruhe. Die Baugrube ist ausgehoben, und das war's bisher im Großen und Ganzen. Das 20-Millionen-Euro-Projekt ist ins Stocken geraten, bevor es richtig begonnen hat. Rund drei Monate hinkt die Realität dem Zeitplan bereits hinterher. Zwei Fachbüros sind offensichtlich unterschiedlicher Ansicht, was die Statik und eben jene Pfähle betrifft.
"Keine Weltneuheit"
Das hatte sich Stefan Thoma irgendwie anders vorgestellt. "Es ist mehr als ärgerlich, dass es gleich am Anfang zu Verzögerungen kommt. Ich hoffe, dass wir das auffangen können." Der Bürgermeister kann auch die Schwierigkeiten nicht so recht nachvollziehen. "Ein Hanggrundstück ist ja keine Weltneuheit. Es ist kein komplizierter Hang. Und der Bau ist im Prinzip eine Fahrzeughalle mit einer Tiefgarage drunter."
440 Pfähle sind notwendig
Der Hang in den Weinsberger Spitzäckern in der Nähe des Kauflands macht eine Gründung auf Betonpfählen notwendig. Stadtbaumeister Nicolas Rautenberg erklärt, wieso: Durch die Höhendifferenz von mehreren Metern muss der horizontale Erddruck aufgefangen werden - mit 440 Pfählen. Die 40 mal 40 Zentimeter starken Pfähle sind 13 Meter lang und werden laut Rautenberg zwischen 15 und 29 Meter tief in die Erde gerammt. "Sie sorgen im Prinzip dafür, dass das Gebäude nicht weggeschoben wird."
Als Bauherrin hatte die Stadt, wie vorgeschrieben, ein Fachbüro beauftragt, das die Statik für den Neubau berechnete. "Daraus resultiert die Pfahlkonstruktion", erläutert Rautenberg. Ebenfalls vorgeschrieben ist, dass ein zweites Fachbüro - der ebenfalls von der Stadt beauftragte Prüfstatiker - die berechnete Konstruktion bestätigt. Ist das erfolgt, habe die Firma, die die Pfähle einbaut, noch eine Pfahlstatik zu erstellen. Stadtbaumeister Rautenberg: "Diese muss dann auch noch vom Prüfstatiker bestätigt werden."
Den Kern des Problems beschreibt Bürgermeister Thoma einigermaßen diplomatisch so: "Es gibt im Moment noch Abstimmungsbedarf zwischen Statiker und Prüfstatiker." Es geht dabei unter anderem um die sogenannte Mantelreibung. "Der Prüfstatiker hat die Freigabe noch nicht erteilt." Solange sie nicht vorliegt, darf seinerseits das Baurechtsamt im Weinsberger Rathaus keine Baufreigabe erteilen. Involviert seien auch der Geologe, der das Baugrundgutachten erstellt hatte sowie die ausführende Baufirma.
Wer zahlt, wenn es teurer wird?
Nun heißt es warten. Konsequenzen habe es für die Feuerwehr nicht, wenn der Bau später fertig würde. Dann bleibe sie eben etwas länger an ihrem alten Standort. Stefan Thoma befürchtet eher finanzielle Folgen. Angesichts der enormen Preissteigerungen in der Baubranche wird womöglich die Frage aufkommen: Wer zahlt Mehrkosten, wenn der Bau weiter auf sich warten lässt und die Preise derweil steigen? Erst neulich hat der Gemeinderat wieder Gewerke für den Neubau vergeben. "Die Firmen sind schon in der Arbeitsvorbereitung. Das Ganze könnte auch Konsequenzen für sie haben", weiß Rautenberg.
Ein Anwalt ist hinzugezogen
"Flankierend", wie Thoma sagt, habe die Stadt einen Anwalt hinzugezogen. "Er ist als Berater mit an Bord." Thoma ist außerdem froh, dass die Stadt einen Projektsteuerer beauftragt hatte, der das große Vorhaben betreut, Zeitpläne taktet und den Kontakt zu den Fachbüros hält.
Eines beruhigt Stefan Thoma und auch Nicolas Rautenberg einigermaßen: Die ausführende Baufirma richte derzeit die Baustelle ein. Ein Bereich sei als Lagerfläche geschottert worden, weitere Abstellflächen würden hergestellt. Rautenberg: "Das zeigt uns, dass die Baufirma damit rechnet, dass es doch bald losgeht."
Daten und Fakten
Lange wurde über das künftige Feuerwehrhaus diskutiert. Im Mai 2021 fasste der Weinsberger Gemeinderat schließlich den Baubeschluss für das Großprojekt im Neubaugebiet "Spitzäcker II". Spatenstich war im Februar diesen Jahres.
Inklusive Grunderwerb investiert die Stadt geschätzte 20 Millionen Euro in die Immobilie, die den nicht mehr zeitgemäßen Feuerwehrstandort in der Leiblingstraße ersetzt. Der staatliche Zuschuss ist mit 655 000 Euro angesichts der Dimension der Investition eher bescheiden.
Die Fahrzeughalle wird einmal über 14 Stellplätze verfügen. Der Neubau auf dem 53 Ar großen Gelände ist auf 100 Einsatzkräfte ausgelegt. In der Tiefgarage ist Platz für 55 Pkw. Der Übungsturm wird 14 Meter hoch. Die Fertigstellung war ursprünglich für Ende 2023 geplant. Ob der ohnehin sehr ambitionierte Zeitplan noch zu halten und der Verzug aufzuholen ist, ist fraglich.
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