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Überraschender Wahlsieg
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Was die Weinsberger zum Ausgang der Bürgermeisterwahl sagen

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Passanten sind überrascht von der Entscheidung im ersten Wahlgang. Es herrscht Freude über die erste Frau im Chefsessel des Weinsberger Rathauses. In der Stadtverwaltung zeigt man sich erleichtert, dass es keine Stichwahl gibt.

Direkt nach der Verkündung des Ergebnisses haben Helfer von Birgit Hannemann ein Danke an die Wähler auf deren Plakate geklebt. Die 44-Jährige hatte am Sonntag einen deutlichen Sieg davongetragen.
Foto: Sabine Friedrich
Direkt nach der Verkündung des Ergebnisses haben Helfer von Birgit Hannemann ein Danke an die Wähler auf deren Plakate geklebt. Die 44-Jährige hatte am Sonntag einen deutlichen Sieg davongetragen. Foto: Sabine Friedrich  Foto: Friedrich, Sabine

Die Überraschung ist groß bei Weinsbergern, die am Montagmorgen ihren Besorgungen in der Innenstadt nachgehen. Ein Sieg gleich im ersten Wahlgang: Das hatten die von uns befragten Passanten nicht erwartet. Dass nicht mal jeder zweite Stimmberechtigte zur Urne gegangen ist, ruft Kopfschütteln hervor. Die künftige neue Bürgermeisterin der Weibertreustadt, Birgit Hannemann, war um 9 Uhr bereits an ihrer Arbeitsstelle in Stuttgart, um die Stellenausschreibung für ihre Nachfolge vorzubereiten. Am 1. Januar 2024 tritt sie die Nachfolge von Stefan Thoma an, der in Pension geht.

Gleich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Sonntagabend gegen 19.10 Uhr machten sich Wahlhelfer der 44-jährigen Hannemann auf, ein Danke auf ihre Plakate zu kleben. "Ich dachte, ich brauche die erst am 10. Dezember", sagt die Wahlsiegerin. Dieses Danke hätten all ihre Wähler unabhängig vom Ausgang verdient.


Um Mitternacht verließ die dreifache Mutter die Party im Weingasthaus "Burgblick", wo Familie, Freunde, ehemalige Weggefährten aus Erdmannhausen, wo sie einst Bürgermeisterin war, und Weinsberger Verwaltungsmitarbeiter auf das deutliche Ergebnis von 52,4 Prozent anstießen. "Das Telefon hat geglüht", sagt Hannemann zu der Resonanz auf ihren Erfolg, mit dem sie im ersten Wahlgang nicht gerechnet hatte. Den Sonntag verbrachte sie mit ihren Kindern mit Plätzlebacken. "Das hat mich abgelenkt."

Im Weinsberger Rathaus bleibt jetzt viel Geschäft erspart

Schon um 7 Uhr war Margit Frisch im Rathaus nach ihrer ersten Wahl, bei der sie Regie führte. "Ich habe nicht geschlafen, weil mir durch den Kopf gegangen ist, was nun zu tun ist." Verreisen will die Bereichsleiterin nicht, auch wenn man das angesichts der vielen Koffer in ihrem Büro meinen könnte. Die sind alle gefüllt mit den Utensilien aus den Wahllokalen. "Es war ein tolles Team, es hat alles geklappt", ist Frisch erleichtert. Auch darüber, dass ihr, den Mitarbeitern und den Wahlhelfern "viel Geschäft" erspart bleibt, weil es keine Stichwahl gibt.

Am Sonntag um 18.45 Uhr hatte der Online-Wahlmanager Komm.one, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, bereits das Ergebnis eingestellt. Margit Frisch wollte aber auf Nummer sicher gehen, das vorläufige Resultat erst von Bürgermeister Stefan Thoma verkünden lassen, nachdem sie noch mal händisch alle Schnellmeldungen zusammengezählt und die Prozente noch mal nachgerechnet hatte.

Nicht nur Wählerinnen freuen sich über eine Bürgermeisterin

"Frauen an die Macht", kommentiert Sonia Rosenberger, die gerade von einem Arztbesuch kommt, dass Weinsberg künftig erstmals von einer Frau geführt wird. "Jetzt haben wir Frauenpower", geht auch das Statement einer Grantschenerin in diese Richtung. "Es ist gut, dass wir eine Frau kriegen", sagt Bäckerei-Inhaber Markus Hönnige. Kristina Klaus ist das Geschlecht egal, der Mensch steht für sie im Mittelpunkt. Hauptsache familien- und kinderfreundlich, das erhofft sich die PTA in der Harfensteller-Apotheke von der neuen Bürgermeisterin.

"Sie hat einen guten Eindruck gemacht", berichtet Karl Seyffer von einem Gespräch mit Hannemann. Leben in die Stadt solle sie bringen, wünscht sich der Rentner. "Da können wir sehr zufrieden sein", meint Christa Heidel, die Hannemanns "überzeugendes Auftreten" herausstellt. "Selbstbewusst, sachlich, gut": Diesen Eindruck hatte sie von beiden Frauen im fünfköpfigen Bewerberfeld, auch von Gülen Grombach (12,3 Prozent, Rang drei). Miserabel und traurig findet nicht nur Markus Hönnige die Wahlbeteiligung von 47,5 Prozent.

Die Reaktion des Hauptkonkurrenten

"Natürlich ist es schwer, wenn der Gemeinderat die Mitbewerberin fraktionsübergreifend unterstützt oder wenn der Amtsinhaber einen seit Sommer auf sämtlichen Social-Media-Plattformen blockiert", schreibt Tobias Kniel (39), der mit 29,7 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei landete, auf Facebook. Er werde an seinen Schwächen arbeiten und gestärkt aus der Sache herausgehen. "Ich habe alles gegeben", so der Unterlegene.

Amtsantritt an Neujahr

So wie es in der Stellenausschreibung für die Bürgermeisterwahl in Weinsberg festgesetzt war, wird es Birgit Hannemann handhaben und am 1. Januar 2024 ihre Amtszeit als neue Bürgemeisterin in Weinsberg antreten. Da spiele es keine Rolle, ob Feiertag sei, sagt die 44-Jährige. Bürgermeister Stefan Thoma wird zu diesem Datum in Ruhestand gehen. Thoma werde sie in den nächsten Tagen und Wochen in die laufenden Themen einführen und die Amtsgeschäfte übergeben.

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