Gastronomie: Weil Personal fehlt, bleiben Türen zu
Die Situation der Gastronomie ist zurzeit schwierig: Gaststätten müssen ihre Öffnungszeiten reduzieren, weil das Personal fehlt. Ein Beispiel ist das Restaurant Stettenfels in Untergruppenbach. Aber auch andere Wirten haben große Sorgen - etwa wegen der hohen Lebensmittelpreise.

Warum sind die Türen verschlossen? Warum stehen Stühle auf den Tischen? Warum herrscht im Restaurant Stettenfels tiefste Ruhe? Die Untergruppenbacher waren beunruhigt und fragten im Rathaus nach.
Bürgermeister Andreas Vierling bekam vom Pächter-Ehepaar Suzana und Ralf Rentschler, die das Restaurant erst im vergangenen Jahr vom langjährigen Betreiber Bernhard Haberzettl übernommen hatten, folgende Auskunft: Bis einschließlich 24. Oktober sind Betriebsferien.
Ein entsprechendes Schreiben an der Tür oder den Fenstern hätte die Gäste informiert, aber ohne jede Auskunft vermutete mancher Untergruppenbacher die Schließung. Erst eine Mitteilung im Gemeindeblatt "Die Brücke" sorgte für Aufklärung.
Kein Abendessen, am Wochenende zu
Ab Dienstag, 25. Oktober, ist das Restaurant wieder geöffnet. Allerdings muss Rentschler einen dicken Wermutstropfen ins Glas schütten - nur an fünf Tagen in der Woche, Montag bis Freitag, gibt es einen Mittagstisch. Abends und am Wochenende bleibt das Lokal weiter geschlossen. Der Grund: Personalmangel. Rentschler findet nicht genügend Fachleute, die einen reibungslosen Betrieb garantieren könnten.
Ähnlich geht es vielen anderen Kollegen. Reinhold Hanselmann hat sein Gasthaus "Rössle" in Ilsfeld ganz geschlossen. Er hat sich allerdings schon vor Corona aufs Catering verlegt. Für Kitas und Schulen in Ilsfeld und Umgebung kocht er mit seiner Frau täglich 300 bis 400 Essen. Je nach Situation nimmt er aber auch Termine für private und geschäftliche Veranstaltungen an. "Wenn's passt", sagt Hanselmann. Auf der Homepage des "Rössle" wirbt er um Personal: "Wir suchen Sie! Wir suchen Verstärkung fürs Küchenteam."
Die Krone in Auenstein: Manche Lebensmittel werden teurer und rar
Verkürzte Öffnungszeiten hat die "Krone" in Auenstein an drei Tagen in der Woche, allerdings wegen Krankheiten, nicht wegen Personalmangels. "Unser Stammpersonal ist uns geblieben", sagt Besitzerin Marianne Bay. Sie klagt vielmehr über die hohen Lebensmittelpreise. Manche Produkte seien gar nicht zu haben. "Nierle oder Hähnchen zum Beispiel - warum? Wer soll das verstehen?", fragt sie.
Glück mit dem Stammpersonal hat auch Alexandra Wiesner im "Kneipaurant Hasenrupfer" in Ilsfeld. Die Angestellten seien teilweise schon 25 Jahre dabei, wenngleich "ein oder zwei Aushilfen mehr schon schön wären". Einen zweiten Ruhetag hat sie sich mit ihrem Mann Gert gegönnt. "Aber das hat nichts mit Personalnot zu tun, wir sind in einem Alter, wo wir etwas kürzer treten wollen."
Nebenräume sind im Rappenhof geschlossen
Der "Rappenhof" inmitten der Weinberge hoch über Weinsberg kann nicht schließen, weil er außer dem Restaurant auch ein Landhotel ist, in dem Tagungsteilnehmer und Touristen wohnen. Personalmangel wird aber auch hier beklagt. Auf seiner Homepage sucht das Drei-Sterne-Hotel "leidenschaftliche Service-Mitarbeiter", einen "kreativen Koch" und "engagierte Küchenhelfer". Die Geschäftsleitung muss einen anderen Weg gehen.
"Wir schließen einzelne Räumlichkeiten", sagt Johanna Morlock. "Wir öffnen nur unseren Hauptgastraum und lassen die Nebenräume geschlossen. Weniger Personal bedeuten weniger Gäste." Im Service fehlen mindestens vier Kräfte. "Ohne Reservierung geht deshalb nichts", rät die Geschäftsführerin.
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