Wie die Mühlrainhalle in Weinsberg zur Unterkunft für Flüchtlinge wird
Die Stadt Weinsberg entwickelt ein Konzept zur Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine.

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Die Mühlrainsporthalle ist ab 31. März für den Sportbetrieb gesperrt. "Am 4. April wird das Baumaterial für den Umbau der Halle in eine vorläufige Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine angeliefert und mit dem Ausbau begonnen", berichtet Baurechtsamtsleiter Thomas Goth. Kämmerer Claus Ehmann und Goth machen sich am Mittwoch in der Halle ein Bild davon , wie dort 32 Personen wohnen können. Dafür hat Goth den Plan mitgebracht, den sein Mitarbeiter Benjamin Fink für den Einbau von zehn provisorischen Dreierzimmern und einem Zweierzimmer entworfen hat.
"Ein absolutes Muss ist die Schaffung eines zweiten Rettungswegs", erläutert Goth. Dafür werde in einer der beiden Geräte-Garagen eine Türe ins Freie eingebaut. "Wir haben heute das Material für den Umbau bestellt, Aufträge für den Innenausbau und die Elektroinstallation sowie die Tür für den zweiten Rettungsweg beauftragt", berichtet Goth. Auch Angebote für einen Küchencontainer vor dem Haupteingang habe er angefordert. Mit 90 000 Euro Umbaukosten rechnet der Klaus Ehmann.
Aus Solidarität zusammenrücken
"Die Halle war unsere erste Wahl, weil wir hier die Erfahrung mit Gnurpsel City vom Ferienprogramm für Kinder nutzen können", erzählt Ehmann. Die Arbeitsgruppe plane aufgrund des steigenden Flüchtlingsstroms bereits die Inanspruchnahme der Wildenberghalle in Grantschen, der Mehrzweckhalle in Gellmersbach und, falls das nicht reiche, die Hallen beim Bildungszentrum in Anspruch zu nehmen. "Unsere Sportvereine werden aus Solidarität wohl zusammenrücken müssen", sagt der Kämmerer.
Im nächsten Schritt stimme die Stadt das weitere Vorgehen mit den Nutzern der Mühlrainhalle ab. Goth und Ehmann sind im Rathaus Mitglieder einer Arbeitsgruppe (AG), zu der auch Daniela Wenniger vom Ordnungsamt, Sina Schleicher vom Schulamt und Personalchef Klaus Seber, zuständig für Kindergärten, gehören.
Diese "Task-Force für die Organisation der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen", wie Bürgermeister Stefan Thoma die AG am Dienstag im Gemeinderat nennt, hat vor zweieinhalb Wochen ihre Arbeit aufgenommen. "Die Situation ändert sich fast stündlich, aber wir erleben gerade eine fantastische Hilfsbereitschaft unserer Bevölkerung was Wohnraum sowie Sach- und Geldspenden betrifft", schildert Claus Ehmann den Räten.
Netzwerke werden aufgebaut
Am Dienstagmorgen waren 40 Ukraineflüchtlinge, davon 15 Kinder, im Einwohnermeldeamt registriert. Um 17.30 Uhr seien bereits 76 Geflüchtete der Verwaltung bekannt gewesen. Die Stadt habe organisatorische Schwerpunkte. "Wir haben Wohnungen vermittelt, sind Ansprechpartner für Vermieter, organisieren Lebensmittel, Hygienartikel und Ausstattungen von Wohnungen oder Dolmetscher", so Ehmann. Man vermittle ärztliche Dienstleistungen und habe eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Koch- und Waschmöglichkeiten werden beschafft, Netzwerke für Sachspenden und Dolmetscher aufgebaut.
Ein weiterer Aufruf zur Wohnungssuche und für Spenden werde gestartet, und man habe einen Anmeldekorridor im Bürgerbüro und russisch sprechende Mitarbeiter organisiert. "Wir beschränken uns auf das absolut Notwendige, Helferstrukturen bauen wir später auf", betont Ehmann. Unbürokratisch helfe die Stadt, wenn Flüchtlinge eine Erstausstattung mit Lebensmitteln oder Hygieneartikeln benötigen. Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt sei hervorragend.
Die Verwaltung drückt noch ein anderer Schuh: "Wir müssen die Syrienflüchtlinge, für die wir eine Fehlbelegungsabgabe von 450 Euro pro Person und Monat zahlen, schnell unterbringen", berichtet der Kämmerer. Die Stadt werde 35 Container anschaffen und in der Weidachstraße aufstellen. Die Kostenschätzung beläuft sich auf 850 000 Euro. Angebote sind eingeholt.
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