Geplantes Baugebiet in Willsbach wird auf Eis gelegt
Die Mehrheit des Obersulmer Gemeinderats schwenkt um. Der Knackpunkt ist die Verkehrssanbindung. Das Wohngebiet in Eschenau soll als Alternative dienen. Jetzt wird die innerörtliche Entwicklung forciert.

Nein, damit wollten sich die Fraktionen des Obersulmer Gemeinderats nicht einverstanden erklären: das geplante Neubaugebiet "Hofäcker/Bei der Schießmauer" in Willsbach plötzlich zurückstellen? Doch nach fast einer Stunde Diskussion und zehn Minuten Unterbrechung für die Beratung in den Fraktionen war die Verwaltung in der Sitzung am Montagabend (26.04.) am Ziel: Bei 13 Ja- und acht Nein-Stimmen war das Gremium mehrheitlich dafür, die Prioritäten anders zu setzen.
Das bedeutet: Die Willsbacher Pläne werden auf Eis gelegt; die Innenentwicklung mit Geschosswohnungsbau auf dem alten Sportplatz in Willsbach und dem Sportgelände in Affaltrach wird vorangetrieben; im "Rondell" in Eschenau sollen drei Bauplätze entstehen; der "Salzberg" in Eschenau soll zeitnah als neues Wohnbaugebiet angepackt werden.
Ideen zum alten Sportplatz werden demnächst vorgelegt
Mit diesem Vorgehen würde man schneller dringend benötigten Wohnraum realisieren können, argumentierte Bürgermeister Björn Steinbach. Im Geschosswohnungsbau passiere innerorts sehr viel. Im "Spatzenhof" etwa sind 36 Wohneinheiten vorgesehen, auf dem alten Willsbacher Sportplatz seien mindestens 50 denkbar. Das Thema werde demnächst im Gremium behandelt.
Hauptkritikpunkt der Anwohner
Mehrfach wiederholte Steinbach die Problematik beim geplanten Willsbacher Neubaugebiet, die zum Umdenken veranlasste: die schwierige Verkehrssituation. Das ist auch der Hauptkritikpunkt der Anwohner, die neuralgische Einmündung vom Heerweg in die B39. Sollte die Planung der Umgehungsstraße 2025 losgehen, laut Steinbach die offizielle Sprachregelung, müsste die Baugebietsplanung wieder umgeschmissen werden, führte er aus. Die Gemeinde möchte eine Anbindung an die Umgehung - was das Regierungspräsidium aktuell ablehnt. Da setzt man auf Zeit.
"Die Anbindung an die Umgehung ist für uns kein K.o.-Kriterium", stellte Michael Schepperle für die SPD klar. Er schlug deshalb einen Bypass vor, damit der Verkehr aus "Hofäcker/Bei der Schießmauer" auf die Kreisstraße nach Lehrensteinsfeld abfließen könne. Zudem verwies er auf die Aussage im Verkehrsgutachten, dass die vorgesehene Erschließung funktioniere.
Wohnungsbau sei das drängendste Thema in Obersulm, meinte Benjamin Friedle für die Grünen, der sich verwundert über das Ansinnen der Verwaltung zeigte. Die Fraktion halte am Willsbacher Gebiet fest und beantragte den Bypass. "Wir stehen zur Bebauung", machte auch Ulrich Hohl für die FWV klar, trotz der nicht hundertprozentig idealen Anbindung.
CDU schlägt kleineres Gebiet vor
"Entweder man sagt ja oder nein zum Gebiet", so Hermann Hohl. Der CDU-Sprecher schlug vor, die 184 Wohneinheiten in "Hofäcker/Bei der Schießmauer" - Grundstücksverhandlungen sind bisher nicht erfolgt - zu reduzieren. Wie lange wolle man die Bebauung verschieben? Bis die Umgehung gebaut seit? "Auf keinen Fall", war Hohls Haltung.
Einen Bypass hielt Hermann Hohl für eine teure Lösung, müsste dieser doch der Umgehungs-Trasse angepasst werden, die an der Stelle über eine Brücke führe. Der Erlös durch die Bauplätze wäre durch diese neue Straße weg, meldete sich Kämmerin Margit Birkicht zu Wort. Dann hätte man zwei Paralellanbindungen, war auch Steinbach gegen diese Lösung.
Nicht mehr zeitgemäß
Helmut Hornung (Grüne) hatte ganz andere Bedenken. Beim "Salzberg" handle es sich um ein wunderschönes Wiesental. "Dort sollen 45 Einfamilienhäuser gebaut werden? Das ist nicht mehr zeitgemäß von der Konzeption und dem Flächenverbrauch", kritisierte er.
Eine erste Skizze sieht auf den 3,6 Hektar zudem acht Bauplätze für Doppel- und fünf für Reihenhäuser vor - insgesamt 80 Wohneinheiten. Der Großteil der Grundstückseigentümer hatte bereits im Oktober 2021 ein Baugebiet angeregt, der Ortschaftsrat Eschenau diesem Ansinnen geschlossen zugestimmt.
Nach der Sitzungsunterbrechung waren sich die Fraktionen einig, die beiden innerörtlichen Flächen in Willsbach und Affaltrach zu forcieren. Der Antrag der Grünen, "Hofäcker/Bei der Schießmauer" weiterhin zu priorisieren fand jedoch keine Mehrheit, danach hingegen das von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehen.
Was bedeutet das finanziell?
Laut Kämmerin Margit Birkicht waren für "Hofäcker/Bei der Schießmauer" in den Jahren 2023 bis 2025 in der mittelfristigen Finanzplanung Obersulms Ausgaben für Umlegung und Erschließung von 6,34 Millionen Euro eingestellt und Bauplatzerlöse von 10,6 Millionen Euro. Das macht einen Überschuss von 4,25 Millionen Euro. Wird stattdessen "Salzberg" realisiert, sinke der Überschuss um 1,93 Millionen Euro. Entweder müssten Investitionen verschoben oder Kredit aufgenommen werden. Für das geplante Baugebiet hat die Gemeinde bisher 122 000 Euro für den städtebaulichen Wettbewerb und Gutachten ausgegeben, auf die bei einer späteren Erschließung wieder zurückgegriffen werden könne.




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