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Keine Voranmeldung nötig: So funktioniert das Ruf-Taxi für Bürger in Flein

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Nach dem Aus für den Fleiner Bürgerbus gibt es seit Februar ein Ruf-Taxi für die Bürger. Der Fahrservice wird von Ehrenamtlichen geleistet. Das Angebot ist kostenlos und kommt bei den Fahrgästen gut an. Wie funktioniert es?

Sechs der neun Fahrer vor dem E-Fahrzeug: (v.l.) Jens Golkowski, Christa Klöpfer, Ingrid Herold, Theresia Vogler, Gerhard Wörner und Oswald Antl.
Sechs der neun Fahrer vor dem E-Fahrzeug: (v.l.) Jens Golkowski, Christa Klöpfer, Ingrid Herold, Theresia Vogler, Gerhard Wörner und Oswald Antl.  Foto: Berger, Mario

Sich im Ruhestand sozial zu engagieren, das haben sie alle gemein. Und deshalb haben sie sich für das neue Bürgerruftaxi in Flein gemeldet. Nachdem der Bürgerbus, mit dem die Gemeinde die Firma Gross fünf Jahre lang beauftragt hatte, Ende Juni 2022 eingestellt wurde, fährt nach sechs Monaten Vorbereitung seit Februar die Alternative: das Bürger-Ruf-Auto. Das ist gefragt. Die Bilanz nach sieben Monaten kann sich mit 600 Fahrten sehen lassen. "Wir sind sehr zufrieden", sagt Oswald Antl, der im Kreis der ehrenamtlichen Fahrer die Fäden im Hintergrund zieht. "Vor allem die Kunden sind begeistert", fügt der Privatier und Selbstständige hinzu. 

"Das ist mein Beitrag zum Ehrenamt zur Unterstützung einer tollen Gemeinde", sagt der 62-Jährige. Das System des Ruf-Taxis ist einfach. "Wir brauchen relativ wenig", sagt Antl. Der Anruf auf der Telefonnummer der Gemeinde 5007-90 wird auf das Mobiltelefon weitergeleitet, das der eingeteilte Fahrer abnimmt. Er macht den Abholtermin mit dem Kunden aus, nimmt entgegen, wohin es gehen soll. Die Ziele sind meist Läden, Post, Bank, Friedhof, Arzt oder Physiotherapie sowie das Pflegeheim. Dortige Bewohner nutzen ebenfalls den kostenlosen Service.

Keine Voranmeldung für das Ruf-Taxi in Flein nötig

Mittwochs und freitags von 8 bis 12.30 Uhr steht das Ruf-Auto bereit, seit Juni auch dienstags von 13 bis 17.30 Uhr. "Wir machen bewusst keine Voranmeldung", sagt Antl. Sonst bräuchte es einen Koordinator, der Kunde müsse zurückgerufen werden. "Das würde den Aufwand massiv vergrößern", macht er deutlich. Die Fahrer organisieren ihre Dienste selbst, tragen sich in den monatlichen Plan ein, der zwei bis drei Monate Vorlauf hat.


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Das Fleinmobil in der bisherigen Form gibt es nicht mehr. Weil die Resonanz zu gering war, hat die Gemeinde das Angebot Ende Juni eingestellt und den Vertrag mit der Firma Gross gekündigt. 
Foto: Archiv/Berger; Logo: Gemeinde Flein
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Das Fleinmobil wird zum Ruftaxi auf ehrenamtlicher Basis


Für den Transport steht das E-Carsharing-Leasing-Fahrzeug der Zeag zur Verfügung, das am Rathaus seinen Standort hat. Die Dienstzeiten des Ruf-Taxis hat die Gemeinde fest gebucht. Das Ruf-Auto ist kein Sammeltaxi, auch das würde den Verwaltungsaufwand erhöhen, meint Antl. "Wir sind keine Konkurrenz zu einem Taxi", verneint er die entsprechende Frage, obwohl die Fahrten auch schon mal nach Heilbronn oder Lauffen führen. Ein Taxi könnten sich die meisten gar nicht leisten, glaubt Antl.

Ruf-Taxi für Leute mit eingeschränkter Mobilität

Eine Altersbegrenzung der Kunden gibt es nicht, allerdings ist der Service in erster Linie für Einwohner mit eingeschränkter Mobilität gedacht. Ein Rollator lässt sich im Pkw unterbringen, ein Rollstuhl jedoch nicht. "Es gibt eine gewisse Hemmschwelle", glaubt Antl, dass es mehr eingeschränkte Einwohner gibt, die sich nur nicht trauten, das Angebot anzunehmen. Deshalb müsse noch mehr Werbung gemacht werden.

Der Vorteil gegenüber dem Bürgerbus, der feste Routen hatte: Der Fahrgast wird an der Haustür abgeholt, direkt zu seinem Ziel gebracht und auch wieder nach Hause gefahren, wenn er das möchte. Laufwege zur Haltestelle entfallen, ebenso das Warten auf die Rückfahrt.

Echo der Fahrgäste freut die Fahrer des Ruf-Taxis

"Ich bin froh, dass es euch gibt." - "Danke für den tollen Service." - Ich kann endlich wieder selber einkaufen." - "Hoffentlich bleibt der Service erhalten." Antl zählt einige Aussagen auf, die die Dankbarkeit der Fahrgäste widerspiegeln. Dieses Echo tue einfach gut, meint Christa Klöpfer, die zum Fahrerteam gehört. "Mir persönlich bringt das echt viel", sagt Theresia Vogler, die wie alle anderen Fahrer im Ruhestand ist. Sie freue sich immer auf ihren Einsatz. "Es gibt mir Zufriedenheit, was Gutes getan zu haben", so Antl, der sich über die Möglichkeit freut, sich mit den Fahrgästen auszutauschen. "Man führt tolle Gespräche."


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Erster Fahrgast: Beate Krummlauf mit Dominik Sapara, Bürgermeister Alexander Krüger, Hauptamtsleiter Hartmut Winkler (v.l.), hinten Fahrer Bernd Hellmanzik.
Foto: Barth
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Mäßiges Interesse an Jungfernfahrt mit Fleiner Bürgerbus


Für Neubürger Jens Golkowski hat der Fahrdienst den willkommenen Nebeneffekt, Fleiner kennenzulernen. Auch wenn der Niedersachse am Anfang Mühe hatte, diese zu verstehen. Deshalb nahm er Ingrid Herold zu seiner "Einweisungsfahrt" als Unterstützung mit. "Das war ganz witzig", sagt der Mann in der passiven Altersteilzeit. Die Fahrgäste versuchen, ihm den Dialekt zu erklären. "Das Team ist sehr gut", fügt Golkowski hinzu.

Wer möchte sich ebenfalls ans Steuer des Ruf-Taxis setzen?

"Wenn wir mehr Fahrer hätten, könnten wir den Service zeitlich ausweiten", sagt Oswald Antl. Drei weitere Ehrenamtliche ermöglichten einen weiteren Dienst. Wer Interesse hat, mitzumachen, meldet sich im Vorzimmer des Bürgermeisters unter Telefon 500.741. Es genügt ein Führerschein. Fahrer und Fahrgäste sind über die Gemeinde versichert. Das Team unterzieht sich einem freiwilliger Gesundheitsprüfung, um die Fahrtauglichkeit sicherzustellen. Die Arztkosten übernimmt die Gemeinde. Alle zwei bis drei Monate treffen sich die Frauen und Männer am Steuer zum Erfahrungsaustausch. Auch Bürgermeister Alexander Krüger ist hin und wieder dabei.

Wiederholt gab der Gemeinderat Flein dem Bürgerbus, der im September 2017 startete, eine Chance. Zweimal wöchentlich auf drei Routen sammelte die Firma Gross mit dem Fleinmobil Fahrgäste an den Haltestellen ein. Routen und Zeiten wurden optimiert, das Fahrgeld gestrichen. Es half alles nichts. Die Resonanz verbesserte sich nicht. Durchschnittlich 1500 Fahrgäste pro Jahr stiegen in den Bürgerbus ein und aus. Das stand in keinem Verhältnis zu den Kosten. In fünf Jahren summierten sich die Ausgaben auf 145.500 Euro. Im März 2022 beschloss deshalb der Gemeinderat, den Vertrag mit Gross zu kündigen. Klar war, es sollte ein anderes Angebot geben.

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