Anschlussunterbringung: Umbau der Alten Kelter in Reisach ist aktuell für Löwenstein kein Thema mehr
Die Unterkünfte reichen laut der Löwensteiner Gemeindeverwaltung aus, dennoch wurden weitere potentielle Standorte unter die Lupe genommen.

In Löwenstein sind derzeit 72 Flüchtlinge in der sogenannten Anschlussunterbringung gemeldet, in die die geflüchteten Menschen nach der Erstaufnahmeeinrichtung und der anschließenden vorläufigen Unterbringung ziehen. 67 Menschen leben in kommunalen Einrichtungen, die teilweise angemietet sind.
"Die Stadt Löwenstein hat ihre Verpflichtung, die zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen, zum 31.März 2023 erfüllt", gab Bürgermeister Klaus Schifferer im Gemeinderat bekannt. Da mit weiteren Zuweisungen zu rechnen sei, fordere der Landkreis die Gemeinden aber auf, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen.
Zu hohe Kosten
Die Stadt hat die Kosten für einen Umbau der Kelter in Reisach zur Flüchtlingsunterkunft ermitteln lassen. Laut der Kostenschätzung des Heilbronner Architekturbüros Ruppert/Posovszky würde dieser Umbau von Erd- und Dachgeschoss mit neun Wohnräumen, Sanitär- und Gemeinschaftsräumen 425 000 Euro kosten. "Ein Umbau der Kelter wäre in Anbetracht der hohen Kosten nicht sinnvoll", meinte Stadtrat Harald Koppenhöfer auf Nachfrage der Stimme.
Das sagt auch die Stadtverwaltung: "Nach Auffassung der Verwaltung kann derzeit auf eine Nutzung des Gebäudes Alte Kelter Reisach zur Flüchtlingsunterbringung verzichtet werden", ist in ihrer Stellungnahme zu lesen. "Wir sind erleichtert, aber noch nicht völlig beruhigt", sagt Michael Westhauser, Vorsitzender des Reisacher Dorfkulturvereins Kirschawusalla, der ebenso wie der Feuerwehrförderverein in der Kelter sein Domizil hat.

Beim Untergruppenbacher Vermessungs- und Planungsbüro Käser hat die Verwaltung eine Voruntersuchung mit Flächenpotentialanalyse für das gesamte Gemeindegebiet in Auftrag gegeben, um mögliche weitere Standorte für Wohncontainer zu ermitteln. Beurteilt wurden unter anderem die Lage, baurechtliche Einschränkungen, die aktuelle Nutzung, die verfügbare Fläche und die Anbindung an den ÖPNV. Das Ergebnis der Analyse ist für die Stadt ernüchternd. Letztlich kommen nach dem Urteil des Planungsbüros nur zwei Standorte infrage: die Freifläche hinter der Feuerwehr und eine Fläche bei der bestehenden Anlage mit 13 Wohncontainern beim Bauhof in der Obermühle.
Um für weitere Zuweisungen von Flüchtlingen gewappnet zu sein, hat die Stadt Löwenstein das Haus Teusserbadstraße 20 erworben. Das Architekturbüro Ruppert und Posovzsky untersucht aktuell die Bausubstanz und ermittelt die Kosten für erforderliche Umbaumaßnahmen. "Welche Kosten anfallen, hängt auch davon ab, welche Standards die Stadt haben möchte", erläutert Architekt Philipp Ruppert. In zwei bis drei Wochen rechnet der Architekt mit dem Untersuchungsergebnis für die Bausubstanz. Die Verwaltung geht davon aus, dass nach einem Umbau Wohnraum für zehn bis zwölf Personen entsteht.
Mitvertrag schon abgeschlossen
Das Gebäude Lindenstraße 39 in Hößlinsülz wurde der Stadt zur Miete angeboten. Dort können bis zu fünf Personen untergebracht werden. Ein Mietvertrag wurde bereits abgeschlossen. Außerdem zeichnet sich ab, dass der neue Eigentümer des ehemaligen Gasthauses Linde weitere Kapazitäten für die Unterbringung von Flüchtlingen schaffen wird, weil sich die Hoffnung auf eine Fortsetzung des gastronomischen Betriebs nicht erfüllt hat. Das Fazit der Verwaltung sei, dass die Stadt aufgrund vorhandener Kapazitäten derzeit für weitere Containerstandorte kein Baurecht schaffen müsse, betonte Bürgermeister Klaus Schifferer. "Wir sind nun zunächst bei der Zuweisung sicher", meint Stadtrat Harald Koppenhöfer.
Weitere mögliche Standorte
Das Büro Käser hat im Auftrag der Stadt außer der Kelter in Reisach weitere potentielle Standorte im Stadtgebiet untersucht. Diese sind ein Areal beim Friedhof in Hößlinsülz, der Dorfplatz der alten Schule in Reisach, der Bolzplatz im Frankenhof, eine Parkplatzfläche im Rittelhof, die Freifläche hinter dem Feuerwehrhaus und WG, der Parkplatz Stutz in der Kernstadt sowie eine Erweiterung der bereits vorhandenen Containerwohnanlage beim Bauhof in der Obermühle. Im Ortsteil Hirrweiler begutachteten die Stadtplaner einen Grünstreifen hinter dem Pflegeheim Haus Stefanie, einen Bolzplatz und den Waldspielplatz.


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