Schallschutzwände verändern das Leben an der Schiene in Bad Friedrichshall
Der aktive Schallschutz an den Bahnstrecken in den Bad Friedrichshaller Teilorten Untergriesheim und Jagstfeld ist jetzt installiert.

Es ist geschafft: "Wir freuen uns über den Abschluss der Baustelle Lärmschutzwände entlang der Bahnstrecken in Jagstfeld und Untergriesheim", sagte Bürgermeister Timo Frey. Ein letztes Element der hochabsorbierenden Metallschutzwände beim Untergriesheimer Bahnhof hatte die ausführende Firma Heberger übriggelassen, damit der Rathauschef, Ortsvorsteher Michael Mandel, Michael Reiß als Vertreter des Gemeinderats, Hasan Ilhan (DB Netze Regionalbereich Südwest) und Projektleiter Midia Azizian als Planer der Deutschen Bundesbahn (DB) sowie Polier Rainer Schnepf vom Bauunternehmen symbolisch Hand anlegen konnten.
Sandra Katz, Leiterin Portfolio Lärmsanierung bei der DB Netz AG, beleuchtete zunächst die Entwicklung. Der Ausbau des Schienennetzes vor mehr als 160 Jahren habe in die Zentren geführt, weil dort der Bedarf an Transportkapazitäten bestand. Entlang der Strecken habe die Wohnbesiedelung dann stark zugenommen.
Sensibler für Nachteile des Verkehrslärms
Erst ab den 1960er Jahren sei ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, "dass nicht nur Vorteile aus dieser verkehrsgünstigen Lage entstehen, sondern auch der Nachteil der Verkehrslärmemission". Die wachsenden Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Folgen von Lärm hätten zu einer hohen Sensibilisierung der Betroffenen geführt. Das akzeptierte Niveau von Lärm habe sich deutlich verringert.
Deshalb hat sich auch auf Bad Friedrichshaller Gemarkung einiges getan. In einer Bauzeit von Januar 2021 bis Juli 2022 wurden drei Lärmschutzwände von insgesamt 1487 Metern Länge errichtet. Als Teil des Programms "Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes" schützen sie Anwohner in rund 285 Wohneinheiten.
3,3 Millionen Euro für den Lärmschutz
In Jagstfeld entstanden 520 Meter von der Heuchlinger Straße bis zur Steinheckenstraße sowie 209 Meter im Bereich der Friedhofstraße. In Untergriesheim wurden, unterteilt vom Bahnübergang, zwischen Neue Straße und Im Dorf 328 Meter sowie zwischen den Straßen Im Dorf und Ob 430 Meter aufgebaut. Insgesamt hat der Bund dafür 3,3 Millionen Euro investiert.
"Zusätzlich werden seit April 2022 an 669 Wohnhäusern und Wohnungen passive Lärmschutzmaßnahmen durchgeführt", sagte Sandra Katz zur Förderung von schalldämmenden Fenstern und Lüftern. "Dafür werden wir nochmal 225.000 Euro ausgeben." Sie meinte: "Insgesamt eine Leistung, die sich sehen lassen kann."
Das fand auch Bürgermeister Frey. Das abgestimmte Vorgehen aller Akteure zeige, dass sich DB, Bund und Kommunen ihrer Verantwortung bewusst seien und wirksame Mittel gemeinsam umsetzten. Er erinnerte an die Bürgerinformationen 2016 in der Untergriesheimer Sporthalle und 2018 in der Jagstfelder Jahnhalle, Diskussionsbedarf und Vorbehalte von Anwohnern etwa in der Jagstfelder Friedhofstraße, nächtliche Sperrpausen sowie als bauliche Erschwernis an felsigen Untergrund in Untergriesheim.
Vergleichsweise zügiges Vorgehen
Mit der Fertigstellung "konnten wir den Lärmschutz gerade an den hoch belasteten Strecken in Jagstfeld und Untergriesheim deutlich verbessern und die Belastungen auf ein Mindestmaß reduzieren", hob er hervor. Fast 1,5 Kilometer seien "bemerkenswert" als Aufwertung für das tägliche Leben und die Grundstücke. Beachtlich seien die eingesetzten Mittel und, im Vergleich zum Radschnellweg, das zügige Vorgehen.
"Wir haben noch viel vor in Bad Friedrichshall, was die Förderung des Schienenverkehrs betrifft", kündigte er im Ausblick auf das mit einem Stadtbahnanschluss auszustattende Gebiet Obere Fundel an. Als Mitunterzeichner des Mobilitätspakts seien dessen Ziele von Verbindungsgleisen im Bahnhof Neckarsulm, Blockverdichtung auf der Hauptstrecke und dem Audi-Güterverkehrsgleis "Projekte, denen wir uns mit ganzer Kraft zu widmen haben".
Schallschutz: Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten
Mit dem Immissionsschutzgesetz von 1974 war laut Sandra Katz zum ersten Mal der Schutz vor Lärm geregelt - und damit auch der Anspruch der Anwohner darauf. Aber nur bei Ausbau, Neubau und wesentlichen Änderungen von Strecken. Bereits bei der Privatisierung habe die DB ein Lärmreduktionsprogramm an Personen- und bis 2020 an Güterwagen durch Austausch der Bremsen durchgeführt. Das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Bundes von 1999 ermöglichte den Schallschutz entlang vorhandener Schienenwege.
Inklusive späterer Absenkung der Auslösewerte, die noch mehr Möglichkeiten eröffnete. Seitdem haben Bund und Bahn bis einschließlich 2021 über 1,75 Milliarden Euro in die Lärmsanierung von 2100 Kilometern Schienenstrecke und rund 65.500 Wohneinheiten investiert. Allein im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Unternehmens 150 Millionen Euro.
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