Lampoldshausener sind Teil der Mond-Mission
Mit dem Start der ersten Mondrakete hofft man am Standort im Harthäuser Wald, dass auch die eigenen Triebwerke korrekt zünden. Dass die Arianegroup in Lampoldshausen an der Mond-Mission beteiligt ist, sehen die Verantwortlichen als wichtigen Vertrauensbeweis der Amerikaner.

Langsam dürfen sich die Astronauten, die für die Mondmission der Amerikaner infrage kommen, überlegen, was ihre ersten Worte auf dem Erdtrabanten sein würden. Mit dem Start des ersten, fast 100 Meter hohen Space Launcher Systems (SLS) rückt dieser nächste große Schritt der Menschheitsgeschichte näher.
Einer der Astronauten, die für den Flug zum Mond schon gehandelt wurden, ist Randy Bresnik. Der 54-Jährige hatte 2017 bereits das Kommando auf der Internationalen Raumstation ISS. "Vor der Corona-Pandemie hat er uns in Lampoldshausen besucht, das war Spitze", erzählt Stefan Ziegenhagen von Arianegroup in Lampoldshausen. "Anfangs war da noch eine Hemmschwelle, dann war es einfach nur noch kollegial", erzählt Michael Bieler, der den Bereich Engineering am Standort verantwortet. Plötzlich war man Teil des Teams.
Größte und höchste Rakete aller Zeiten
Der Respekt ist trotzdem da. "Das ist die größte und höchste Rakete aller Zeiten", sagt Ziegenhagen, der bei der Arianegroup verantwortlich ist für alles, was in den Weltraum fliegt. "Ich war sechs Jahre alt, als ich vor dem Fernseher den letzten Apollo-Start live verfolgt habe", erzählt er. "Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch einmal erleben darf." Nun ist er auch noch mit einem wesentlichen Beitrag beteiligt.
1972 startete die letzte Apollo-Rakete Richtung Mond. Benannt war sie nach dem griechischen Gott des Lichts und der Künste. Diesmal ist Artemis, Göttin der Jagd, Patin. Dabei ist nicht klar, ob die Nasa Jäger oder Gejagte ist. Denn zahlreiche Missionen sind geplant, ob in China, Japan oder auch Vereinigten Arabischen Emiraten. Überall geht es um Milliarden. Allein für die Mondmission der Amerikaner waren 35 Milliarden Euro vorgesehen.
Dass die Europäer das Servicemodul liefern dürfen, ist nicht selbstverständlich
Dass die Europäer das Servicemodul liefern, ist für Michael Bieler ein Vertrauensbeweis. "Da ist der Sauerstoff drin und das Wasser für die Crew, das sind extrem kritische Themen." Erfahrung in der Richtung sammelten die Lampoldshausener mit dem ATV, dem Automated Transfer Vehicle, das zwischen 2008 und 2015 den Nachschub für die Raumstation ISS sicherte. Auch daran war Arianespace beteiligt.
Auf Basis des ATV wurden im Harthäuser Wald ab 2012 die Triebwerke für die bemannte Raumfahrt weiterentwickelt, die jetzt beim ESM-Modul zum Einsatz kommen. Hier werden sie mit dem Leitungssystem, Anschlussventilen und den Druckreglern gefertigt und einzeln getestet, wie Biehler erläutert.
Dann wird alles im Reinraum bei Airbus in Bremen von einem Arianegroup-Team montiert und getestet. In den USA kommen dann alle Komponenten für das Orion-Modul zusammen. Für die zwei raumfahrtbegeisterten Ingenieure ist es "der Olymp", mit den Amerikanern in diesem Programm zusammenzuarbeiten. "Die Esa ist gut", sagt Bieler, "aber die Nasa ist ganz vorn."
Bis zu 42 Tage lang dauert die Mond-Mission
Nun macht sich diese Orion-Raumkapsel auf den Weg Richtung Mond. Vier Solarpanels müssen dazu aufgeklappt werden, die Photovoltaik-Zellen versorgen die Einheit mit Strom. Anschließend wird sie lange unterwegs sein, um alle Systeme testen zu können, bevor das Service-Modul dann in der Erdatmosphäre verglüht und das Crew Modul im Pazifik landet.
Für den Flug zum Mond braucht das Raumschiff eigentlich weniger als eine Woche. Abhängig von der Zahl der Mondumrundungen wird die Mission bis zu 42 Tage dauern, bevor das Crew-Vehicle, die Kapsel für die Astronauten, wieder zur Erde zurückkehrt.
Triebwerke der Arianegroup machen das Raumschiff manövrierfähig
Wenn mit der zweiten Mission erstmals Astronauten mit an Bord sind, muss alles funktionieren. Vor allem Temperaturextreme sind im Weltraum ein Problem. Die Lagetriebwerke aus Lampoldshausen sorgen für die richtige Ausrichtung.

Die Servicemodule, die Orion zum Mond und zurück bringen werden, bestehen aus 20.000 Teilen und Komponenten, die in zehn europäischen Ländern und in den USA hergestellt werden. Wie viele davon aus Lampoldshausen kommen, können die zwei Experten nicht sagen. "Das hängt ja immer davon ab, was man als Teil bezeichnet, jede Schraube oder nur die Komponenten", meint Ziegenhagen.
So sind die Triebwerke aus dem Harthäuser Wald in Blöcken angeordnet, sechs Blöcke á vier Triebwerke, damit sich das Raumschiff in alle Richtungen manövrieren lässt. Die großen Schubtriebwerke kommen von der Nasa.
Artemis-Programm kann auch nach einem erfolgreichen Start noch scheitern
Insgesamt baut Airbus sechs ESM-Module, wahrscheinlich sogar bis zu neun Systeme. Das erste ist nun auf dem Weg zum Mond, das zweite steht in den USA für den nächsten Flug bereit, das dritte ist vor der Fertigstellung. Jedes einzelne wird sein Ende im Meer finden. Wiederverwendbar sind die Raumschiffe und Module nicht.
Jetzt kommt es darauf an, dass der Test erfolgreich ist. Die Technik und Finanzierung könnten dem Programm noch immer einen Strich durch die Rechnung machen. Läuft alles nach Plan, folgt bald die nächste Herausforderung: Von der Raumstation Lunar Orbital Platform-Gateway, die irgendwann den Mond umkreisen soll, wollen die Amerikaner eine bemannte Mars-Mission starten. Die ersten Worte, die ein Mensch dort ins Mikrofon spricht, werden mindestens drei Minuten benötigen, bis sie auf der Erde zu hören sind. Vom Mond sind es nur 1,3 Sekunden.
Umsatz und weitere Beiträge
Der Umsatz mit dem Europäischen Servicemodul ESM macht etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Arianegroup in Lampoldshausen aus. Genauer wollen die Verantwortlichen nicht werden. Von den rund 230 Mitarbeitern, die am Standort beschäftigt sind, arbeiten rund 100 direkt oder indirekt am ESM, 20 weitere an anderen Standorten.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schickt die Messpuppen Helga und Zohar mit auf den Weg zum Mond. Mit ihnen wird die Strahlenbelastung während des bis zu sechswöchigen Fluges gemessen, speziell für den weiblichen Körper. Denn mit dem Artemis-Programm will die Nasa auch die erste Frau zum Mond zu bringen.

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