Nach Aquatoll-Aus: Wie könnte ein künftiger Bürgerpark in Neckarsulm aussehen?
Nach dem Gemeinderatsbeschluss für einen Bürgerpark auf dem früheren Aquatoll-Gelände gibt es weiter Kritik und viele offene Fragen. Eine dreht sich darum, was mit der bestehenden Becken-Infrastruktur passiert.

Der Gemeinderat hat einen klaren Beschluss für einen Bürgerpark auf dem Aquatoll-Gelände gefasst. Diese Entscheidung besiegelt das endgültige Aus für das Freizeitbad Aquatoll, weil gegen ein weiteres Frei- oder Hallenbad am jetzigen Standort votiert wurde. Wie ein Bürgerpark aussehen könnte und welche Elemente der bestehenden Infrastruktur genutzt werden können, ist indessen noch unklar.
Zur Geschichte:
Das Freizeitbad Aquatoll wurde 1990 eingeweiht und im Mai 2022 geschlossen. Es gab vier Vorschläge von Investoren, das Bad in unterschiedlichen Varianten weiter zu betreiben. Die Interessenten forderten einen jährlichen Zuschuss von der Stadt. Die Sanierung wurde auf 37,5 Millionen Euro geschätzt, allein die Planung hätte 1,6 Millionen Euro gekostet. Das alles war dem Gemeinderat zu teuer. Bei der Ideenwerkstatt mit Neckarsulmern im Frühjahr 2023 zur Zukunft des Aquatoll hatten sich von 45 Teilnehmenden 32 und damit eine deutliche Mehrheit für ein neues Freibad ausgesprochen.
Die Kritik:
Die Schließung des beliebten Freizeitbades hatte teilweise vehement vorgetragene Angriffe zur Folge. Man habe das Aquatoll "bewusst kaputt gespart", um eine Sanierung unattraktiv zu machen, so ein immer wieder auch in Leserbriefen an die Heilbronner Stimme geäußerter Vorwurf. Die Kosten für die Sanierung seien zu hoch geschätzt worden, so der frühere Werkleiter Dieter Mörlein, der sich in der Gruppe "Rettet das Aquatoll" engagiert: "Ich bin überzeugt davon, dass das Bad mit der Hälfte der vorgelegten Kosten hätte saniert werden können." Leserbrief-Schreiber Ralf Merkle kritisierte, dass die klar favorisierte Option "Freibad" aus der Ideenwerkstatt vom Gemeinderat ignoriert worden sei.
Dem Vorwurf des "Kaputtsparens" hatte die Stadtverwaltung widersprochen: Man habe in das Aquatoll-Erlebnisbad in Summe 5,7 Millionen Euro, in die Saunalandschaft 6,5 Millionen Euro investiert, so der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig in einer Mitteilung aus dem Jahr 2022. Zur Diskussion standen jetzt die Optionen eines neuen Bades am derzeitigen Standort. Ein neues Freibad hätte nach Kostenschätzungen aus dem letzten Quartal des Jahres 2021 zirka zehn bis 15 Millionen Euro gekostet, ein neues Hallenbad sogar 20 bis 25 Millionen Euro. Beide Optionen hat der Rat mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.
Die Entscheidung:
Ein klares Votum des Gemeinderates mit 21 von 26 Stimmen gab es für einen Bürgerpark auf dem 40.000 Quadratmeter großen Gelände. Welche Gebäudeteile erhalten und weiter genutzt werden können, stehe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest, so die Stadtverwaltung auf Stimme-Anfrage. "Das wird erst im Zuge der weiteren Planung näher untersucht."
Der Gemeinderat habe die Verwaltung ausdrücklich beauftragt, mit zu untersuchen, inwieweit bestehende Gebäudeteile und die vorhandene Becken-Infrastruktur des Aquatoll-Erlebnisbades mit einbezogen und weitergenutzt werden können. Dann könne der Gemeinderat alternativ über einen Bürgerpark mit oder ohne Einbeziehung vorhandener Strukturen entscheiden. Es sei aber klar, dass einige Gebäudeteile abgerissen werden müssen. In der Ideen-Werkstatt gewünscht wurden beispielsweise Wasserspiele, ein Aqua-Park oder ein Kneipp-Becken. Das weiterhin mit Wasser gefüllte Außenbecken des Aquatoll sei "noch funktional", stellte Werkleiter Lars Nielsen fest.
Wie ein zukünftiger Bürgerpark aussehen und welche Wasserelemente darin verwirklicht werden können, ist noch offen. OB Hertwig hat sich für "einen naturnahen Freizeitbereich mit einem Wasser- und Matschangebot für Kinder" ausgesprochen, dazu ein Kneipp-Becken, viele Sitzbänke und eine Kulturbühne, was ebenfalls bei der Ideen-Werkstatt gewünscht worden war. Für den Saunabereich oder ein Fitnessangebot werde man externe Betreiber suchen, ebenso für die Gastronomie.
Die Sanierung:
Nachdem der Beschluss des Gemeinderates gegen den Neubau eines Freibades gefallen ist, will man die Sanierung des Ernst-Freyer-Bades in Obereisesheim planen. Eine erste Schätzung beziffert die Kosten auf fünf Millionen Euro. Auch die Reaktivierung des 2014 geschlossenen Lehrschwimmbeckens in Obereisesheim wird nun von der Verwaltung geprüft. Für beides hatte sich der Ortschaftsrat Obereisesheim einstimmig ausgesprochen, so Ratsvertreterin Heidrun Höpfer (FWV).



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