Bad Rappenau
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Traditionsbäckerei Dörzbach in Bad Rappenau schließt

Stammkunden bedauern bereits jetzt den Verlust für die Stadt. Viele Faktoren führten zur Entscheidung von Bäckermeister Achim Dörzbach aus Bad Rappenau.

Adrian Hoffmann
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Lesezeit 3 Min

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Traditionsbäckerei Dörzbach in Bad Rappenau schließt
Achim Dörzbach hält in der Backstube in der Babstadter Straße in Bad Rappenau ein Blech mit seinem bei der Kundschaft beliebten Nusszopf.  Foto: Hoffmann, Adrian

Viele Menschen in Bad Rappenau munkeln es schon seit einigen Monaten. Die Traditionsbäckerei Dörzbach in der Babstadter Straße schließt. Bäckermeister Achim Dörzbach (55), der mit seinem Bruder Andreas (57), das Geschäft führt, bestätigt nun: Ab 1. September bleiben die Backöfen aus. Ganz unterschiedliche Faktoren hätten die Familie zu dieser Entscheidung gebracht.

Immense Arbeitsbelastung

Vorausgegangen war, dass Andreas Dörzbach seinem Bruder bereits vergangenes Jahr angekündigt hatte, dass er aufhören und mehr für seine Familie da sein möchte. "Ich kann das verstehen", sagt Achim Dörzbach. In der Bäckerei arbeiten, das bedeute eine Sechs-Tage-Woche mit Zwölf-Stunden-Tagen. "Ich habe es mal ausgerechnet, so zum Spaß, und mein Bruder hat jetzt schon soviel gearbeitet wie ein 67-Jähriger."

Die Pläne seines Bruders zwangen Achim Dörzbach zum Nachdenken, wie er selbst weitermachen will. Auch er geht dem Job bereits seit mehr als 40 Jahren nach, die Backstube war immer sein Leben. "Ich fühle mich auch nicht ganz wohl dabei", gibt er zu. "Es ist schon schade und es tut mir weh." Vor allem habe er so viele tolle Rezepte, und er frage sich, was aus ihnen werde.

Bäcker klagt über Preissteigerungen

Traditionsbäckerei Dörzbach in Bad Rappenau schließt
Im Verkaufsraum der jetzigen Bäckerei Dörzbach soll die Filiale einer anderen Bäckerei ihren Platz finden, verrät Achim Dörzbach.  Foto: Hoffmann, Adrian

Die Last sei ihm zuletzt einfach zu groß geworden. Es ist eine Gemengelage aus der allgemeinen wirtschaftlichen Situation sowie privaten Erwägungen. Zum einen sind da die irren Preissteigerungen, vor allem die Kosten für Gas - statt 900 seien es inzwischen 4200 Euro pro Monat. Und auch die Materialkosten seien stark gestiegen. Mehl koste ihn nun 0,53 statt 0,37 Euro pro Kilo. Noch dazu hätte er in den kommenden Jahren Backöfen und Maschinen für teures Geld erneuern müssen, erklärt der Bäckermeister. Kosten an den Kunden weiterzugeben, damit tat sich Dörzbach seit jeher schwer.

Und zum anderen gibt es da noch die 15-jährige Tochter Carolin, für die er sich als alleinerziehender Vater mehr Zeit nehmen möchte. Seine Frau Katrin war vor drei Jahren nach schwerer Erkrankung an einem Hirntumor gestorben. Neulich wollte Carolin mit ihm auf das Metallica-Konzert, und er wäre so gerne mit ihr hin - aber wegen seines Berufs ging das mal wieder nicht, weil er um 3 Uhr in der Nacht in der Backstube steht. Im Herbst wolle er zusammen mit seiner Tochter endlich Urlaub machen - zuletzt gab es das im Jahr 2018.

Stammkunden bedauern Verlust

Viele Stammkunden der Traditionsbäckerei beklagen den Verlust für die Bad Rappenauer Bäckerlandschaft bereits jetzt. "Das ist sehr, sehr schade", sagt Grazyna Gajek, die seit mehr als 30 Jahren bei Dörzbach kauft. "Es gibt besondere Sachen und nicht so Einheitsware", sagt sie. Andere Bäcker seien auch gut, aber bei Dörzbach habe es ihr immer geschmeckt "wie zu Hause gemacht". Eine andere Kundin sagt, die Preise seien unschlagbar. Man müsse früh kommen, um die begehrten Waren wie den Nusszopf zu bekommen. Ihr habe immer gefallen, dass genau kalkuliert wurde, was produziert wird, und nicht viel Ware überschüssig sei am Ende des Tages.

Der Nusszopf sei ihr Alleinstellungsmerkmal schlechthin, sagt Achim Dörzbach. Aber auch sonst ist er dafür bekannt, dass keine Fertigprodukte hinter der Theke liegen, sondern mit echten Kartoffeln gemachtes Kartoffelbrot. Manche Kunden aus den Teilorten kauften davon gleich sechs, sieben Stück - und froren sie ein. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass so viele Menschen in Bad Rappenau ihre Arbeit als Bäcker so sehr zu schätzen wussten, sagt Dörzbach. Er stelle das erst jetzt so richtig an den vielen Reaktionen der Kundschaft fest. "Ich bin sehr überrascht", gesteht er.

Nie an der Butter gespart

Sei seien immer Bäcker mit Leidenschaft gewesen, so Achim Dörzbach weiter. Ihm sei es immer das Wichtigste gewesen, dass es den Kunden schmeckte. Er habe nie an Butter gespart, obwohl man manches durch Milch ersetzen könne. Backmischungen seien auch nicht seins, das Brot werde schnell trocken. Großbäckereien mit Betriebswirten rechneten ganz anders, erklärt Dörzbach. Sie hätten im Vergleich viele Kosten für Transport und überschüssige Ware. Ihm sei es lieber, die Kunden seien zufrieden, dafür habe er höhere Kosten in Kauf genommen. Filialen hatte Familie Dörzbach nie, aber Abnehmer wie Rappenauer Kliniken und einzelne andere Geschäfte.

Was aus der Backstube wird, ist noch nicht ganz klar. Es dauere eine Weile, bis sie zurückgebaut sei. Eventuell könnten die Räume zu einer Wohnung werden. Achim Dörzbach selbst und seine Tochter wohnen oben im Haus. Der Verkaufsraum vorne wird an eine Bäckerei verpachtet. Aktuell verrät Dörzbach aber noch nicht, an welche. Er selbst hätte auch die Option, als Bäckermeister weiterzumachen, sagt er. Doch momentan lasse er lieber alles noch offen, "ich möchte auch noch was vom Leben haben".

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