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Über welches Programm Geflüchtete in Heilbronn Lesen und Schreiben lernen

Im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum werden Kurse für erwachsene Flüchtlinge angeboten, die nicht oder nicht gut lesen und schreiben können. Politiker schauen sich die Umsetzung vor Ort an und befinden: Das Programm leistet mehr als nur reine Sprachvermittlung.

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Über welches Programm erwachsene Geflüchtete in Heilbronn Lesen und Schreiben lernen
Von links: Ministerin Theresa Schopper, KBW-Vertreter Dietmar Schlömp und Carmen Abele sowie Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg.  Foto: Seidel, Ralf

Als erwachsener Geflüchteter in Deutschland Anschluss zu finden, gestaltet sich oft nicht einfach. Vor allem, wenn man die Sprache, die Schrift und Kultur nicht kennt. Hier setzen die Kurse des BEF-Alpha (Bildungsjahr für erwachsene Geflüchtete) an. Sie richten sich besonders an Geflüchtete im Alter zwischen 20 und 35 Jahren, die sonst „durchs Raster fielen“, etwa weil sie zu alt für Kinder- und Jugendprogramme sind, sagt Dr. Jens Brandenburg, Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

 

Sprache, Kultur, Werte und Demokratie kennenlernen

Zusammen mit der baden-württembergischen Kultusministerin Theresa Schopper schaut er sich am Donnerstag die Umsetzung von BEF-Alpha im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum an. Dabei lernen die beiden auch Kursteilnehmer kennen.

Es sei beeindruckend, die Umsetzung der politischen Idee vor Ort zu sehen, erzählt Schopper. Kursteilnehmer würden hier nicht nur die Sprache kennenlernen, sondern auch „unsere Kultur, Werte und Demokratie“. Brandenburg ergänzt: Auch eine politische Grundbildung sei wichtig, „insbesondere für weibliche Teilnehmer“, um etwa die Gleichstellung von Mann und Frau zu vermitteln.

Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer finden Arbeit oder Ausbildungsplatz

Seit 2016, berichtet Dietmar Schlömp, Bereichsvorstand des Kolping-Bildungswerks Württemberg (KBW), werden die 40-wöchigen Kurse in Heilbronn durchgeführt. Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer würden im Anschluss an das BEF-Alpha in weiteren Bildungseinrichtungen, in Ausbildungen und auf dem Arbeitsmarkt unterkommen.

Die Bildungsniveaus der Teilnehmer seien sehr unterschiedlich - ebenso die beruflichen Ziele und Wünsche. 15 verschiedene Herkunftsländer habe es bei dem Programm bisher gegeben, „der Schwerpunkt liegt auf Syrien und dem Irak“. Rund 2700 Teilnehmer, so Brandenburg, hätten von den Kursen dieses Jahr landesweit profitiert.

 

Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern

Die Motivation der Geflüchteten schätzt Brandenburg als sehr hoch ein. Die besuchten Teilnehmer seien erst seit sechs Wochen dabei, dennoch sehe man den Fortschritt deutlich. Das Programm sei ein Beispiel für „die gute Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern“, die Förderung von 14,5 Millionen Euro durch das Ministerium sei gut investiertes Geld.

Schopper ist beeindruckt, wie schnell und motiviert die Teilnehmer auch eine komplett neue Schrift lernen. Sie fragt sich, ob sie selbst etwa Arabisch nach sechs Wochen schon so gut lesen, schreiben und sprechen könnte.

Die Ministerin äußert Wertschätzung gegenüber den Lehrkräften, die die Kurse durchführen. „Wenn jemand allein aus Syrien oder Afghanistan kommt, ist so ein Kurs nicht nur die Vermittlung von Lesen und Schreiben.“ Lehrkräfte würden oft auch eine gewisse Sozialarbeiter-Funktion einnehmen und Hilfe und Kontakte vermitteln.

 

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