Stimme+
Heilbronn
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Neuer Ablaufkanal in den Neckar soll Hochwasser verhindern

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Ein 2,50 Meter dickes Rohr wird unter der Neckartalstraße durchgepresst. Es ist der erste Schritt in einer Modernisierung der Kanalisation für die Industriegebiete Neckarau und Böllinger Höfe. Der Radweg soll weiter befahrbar bleiben.

Die Vorbereitungen für den Bau einer großen Grube laufen. Dahinter soll das Abwasser über ein Ausleitungsbauwerk in den Neckar geleitet werden.
Foto: Mario Berger
Die Vorbereitungen für den Bau einer großen Grube laufen. Dahinter soll das Abwasser über ein Ausleitungsbauwerk in den Neckar geleitet werden. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Unter der Neckartalstraße wird in den nächsten Monaten einer der größten Entwässerungskanäle der Stadt Heilbronn durchgepresst. Es ist eine Vorbereitung für die geplante Nordumfahrung von Frankenbach und Neckargartach und gleichzeitig eine Modernisierung der in die Jahre gekommenen Kanalisation für das Industriegebiet Neckarau und die wachsenden Böllinger Höfe.

12,5 Millionen Euro kostet die Modernisierung

Millionen Euro werden hier "vergraben", insgesamt 12,5 Millionen für die Gesamtmaßnahme, die Regenüberlaufbecken, Pumpwerk und weitere Arbeiten umfasst. 3,5 Millionen Euro kostet allein der erste Bauabschnitt, das Ablaufrohr:"Es gibt eine große Baugrube an der Wimpfener Straße und eine weitere unten am Neckartalradweg", erläutert Projektleiterin Sabine Schreck von den Entsorgungsbetrieben der Stadt.

Von der einen Grube zur anderen wird das im Außendurchmesser fast 2,50 Meter dicke Rohr durchs Erdreich getrieben. Umfassende Abbrucharbeiten, Kampfmittelsondierungen sowie Leitungs- und Kabelumlegungen sind vorgesehen.

Kleiner Umweg für Radler

Die Vorbereitungen dazu hat auch Dieter Volz aus Untereisesheim schon bemerkt. Mit seinem Fahrrad ist er öfter am Neckar unterwegs und hat sich gewundert, welche neuen Wege da gebaut werden. Zudem muss er nun vorübergehend einen kleinen Umweg fahren.

Sabine Schreck erklärt die Beobachtungen des Lesers: "Das ist richtig, es gibt eine Umfahrung und wir haben eine temporäre Baustraße parallel zum Radweg über die städtischen Äcker eingerichtet." Am Neckar wird ein Einleitungsbauwerk errichtet. Die Andienung dieser Baustelle sei kompliziert. "Aber wir nehmen viel Geld in die Hand, damit die Radfahrer hier weiter fahren können", betont Schreck.

Eindrucksvolle Dimensionierung

Das Rohr, das dann von einer mächtigen Vortriebsmaschine von der Wimpfener Straße bis zum Neckar geschoben wird, soll später einmal ermöglichen, Wasser aus dem Gebiet westlich der Neckartalstraße auch bei Hochwasser noch abzuleiten. Die Dimensionierung ist deshalb üppig ausgefallen.

1,20 Meter Innendurchmesser haben die großen Ableitungskanäle in Heilbronn üblicherweise, dieses hier hat 1,80 Meter. "Da kann man locker durchlaufen", kommentiert Kurt Latzel, stellvertretender Abteilungsleiter bei den Entsorgungsbetrieben. Allerdings nur während der Bauphase. Anschließend steht das Rohr unter Wasser, weil es unter dem Neckar-Wasserspiegel liegt.

Pumpwerk von 1968 durch ein größeres ersetzt

Der Ablauf hat bei Hochwasser eine wichtige Funktion. Denn die Neckartalstraße wirkt wie ein Staudamm. Damit das Wasser auch unter Extrembedingungen Richtung Neckar abfließt und Unternehmen wie die Campina verschont, hebt ein Pumpwerk das Wasser auf ein höheres Niveau, so dass es durch den erhöhten Druck in den Neckar fließt. "So eine Kombination aus Regenüberlaufbecken und Pumpwerk haben wir in dem Bereich bereits, aber sie ist zu klein und nun auch in die Jahre gekommen", erklärt Latzel. 1968 wurde das System gebaut, 1993 wurde die Technik erneuert. Jetzt sei ein Neubau sinnvoll.

Umstellung auf getrennte Regenwasserableitung

Der Bau der Nordumfahrung durch die Böllinger Höfe verändert die Situation zusätzlich. So wird eine Vergrößerung der Kapazitäten erforderlich. Die neue Straße verläuft von der Neckartalstraße durch das Industriegebiet Böllinger Höfe bis zur Einmündung B39 zwischen Kirchhausen und Frankenbach. Da hier die Kanalisation neu gebaut wird, stellt die Stadt auch gleich auf eine Trennung von Niederschlagswasser und Schmutzwasser um. Bisher gab es nur einen Abwasserkanal, in dem sich Schmutz- und Regenwasser mischten.

Nächstes Jahr wird es eng

In den nächsten Wochen beginnen die Arbeiten. Vorerst sind davon in erster Linie die Radfahrer betroffen. Für Auto- und besonders für Lkw-Fahrer rund um das Campina-Werk wird es dann nächstes Jahr eng, prognostiziert Latzel. Dann werden neue Kanäle im Industriegebiet Neckarau verlegt.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben