Südwesten

Zoll sprengt Doping-Ring

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Zoll und Polizei haben am Mittwoch in Baden-Württemberg und in der Schweiz 35 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Dabei wurden mehr als 140.000 Anabolika-Tabletten und -Kapseln, circa 20.000 Anabolika-Ampullen, mehrere Kilogramm Anabolikapulver sowie zahlreiche weitere Arzneimittel sichergestellt, außerdem eine Pumpgun, zwei Pistolen und zwei Revolver. Vier Verdächtige wurden vorläufig festgenommen und Vermögenswerte in Höhe von über 280.000 Euro gesichert.

„Es gibt durchaus Hinweise, dass es Verbindungen in Rockerkreise gibt“, sagt Silke Jakobi, Pressesprecherin beim Zollfahndungsamt Stuttgart. Der Verdacht müsse aber noch verifiziert werden. „Dies ist eine der größten Anabolikamengen, die das Zollfahndungsamt Stuttgart jemals in einem Einzelverfahren sichergestellt hat“, so Franz Kohler, Einsatzleiter des Zollfahndungsamts Stuttgart.

Bereits seit Mitte 2012 ermittelten Zollfahnder aus Freiburg und Stuttgart im Auftrag der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Freiburg gegen die mutmaßlichen Dopingmittelhändler. Die Nachforschungen konzentrierten sich zunächst auf den Großraum Waldshut, weiteten sich jedoch auf Beschuldigte in den Kreisen Rottweil, Stuttgart und gesamt Baden-Württemberg sowie der angrenzenden Schweiz aus. Die Zollfahndung und die Kriminalpolizei Rottweil bildeten deshalb eine Ermittlungskooperation, um ihre personellen und technischen Ressourcen zu bündeln und die Ermittlungen zu optimieren. Darüber hinaus schaltete die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Freiburg per Rechtshilfeersuchen die Schweizer Justiz ein, die ebenfalls Ermittlungen aufnahm und heute einen Beschuldigten vorläufig festgenommen hat.

Die Ermittler fanden heraus, dass annähernd 20 Männer und Frauen im Alter von 21 bis 53 Jahren zumeist über Fitnessstudios und Nahrungsergänzungsmittelshops einen umfangreichen Handel mit Dopingmitteln und anderen nicht zugelassenen Arzneimitteln betrieben und hiermit zumindest teilweise ihren Lebensunterhalt verdienten.

Nachdem die Mitglieder und maßgeblichen Drahtzieher der Gruppierung identifiziert waren und beweiskräftiges Material gegen sie vorlag, griffen Zoll und Polizei heute in den frühen Morgenstunden zu und stellten neben Arzneimitteln und Waffen weiteres umfangreiches Beweismaterial sicher. An der Aktion beteiligt waren neben zwei Spezialeinheiten des Zolls – der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll des Zollkriminalamts in Köln (ZUZ) und der Observationseinheit Zoll des Zollfahndungsamts Stuttgart aus Karlsruhe (OEZ) – mehrere Dienststellen von Zoll und Polizei in Baden-Württemberg sowie die Schweizer Kantonspolizei Thurgau.

Die behörden- und grenzüberschreitenden Ermittlungen dauern an.

 

Hintergrund: Schwerpunktstaatsanwaltschaft 

Seit dem 1. April 2012 existiert die Schwerpunktstaatsanwaltschaft zur Verfolgung von Dopingstraftaten bei der Staatsanwaltschaft Freiburg. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft ist in ganz Baden-Württemberg zuständig für Verfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz, deren Gegenstand die Verwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Berufs-, Amateur- und Freizeitsportbereich ist. Verfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende sind davon ausgenommen. 

Schwerpunktstaatsanwaltschaften dieser Art bestehen bislang nur in Freiburg und München.

 

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