Jugendliche Häftlinge klettern aufs Gefängnisdach
Adelsheim - Sie kletterten aufs Dach des Gefängnisses und wollten mit einer Freundin telefonieren. Daraus wurde nichts. Aber die Justizbehörde denkt nun über Konsequenzen nach.
Auf ein Gefängnisdach sind zwei junge Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Adelsheim (Neckar-Odenwald-Kreis) geklettert. Polizei und Rettungskräfte waren deshalb am Montag stundenlang im Einsatz. Die beiden Ausreißer hatten sich gegen 17.30 Uhr auf dem Dach der rund sieben Meter hohen Werkshalle verschanzt, wie das Justizministerium am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Einer der Gefangenen forderte unter anderem, mit seiner Freundin telefonieren zu dürfen. Daraus wurde nichts.
„Wir haben dann vergeblich versucht, die Freundin zu erreichen“, sagt Gefängnisleiter Rainer Goderbauer. „Sie war aber nicht erreichbar.“

Die beiden Männer hatten sich während des täglichen, einstündigen Hofgangs abgesetzt. Vermutlich mit einer Räuberleiter kletterten sie an der niedrigsten, rund drei Meter hohen Stelle hoch und hangelten sich teilweise an der Regenrinne nach oben. Zwischendurch warfen sie Steine vom Dach des etwa 50 Meter langen Gebäudes. Einer von ihnen montierte eine Stange von der Blitzableiteranlage ab. Verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr hatte Sprungtücher vorbereitet.
Maßnahmen
„Wir überlegen nun, wie wir solche Aktionen in Zukunft verhindern können“, sagte Goderbauer. Als unmittelbare Konsequenz wird in der vor 35 Jahren erbauten Anstalt nun das Personal aufgestockt. Über bauliche Maßnahmen müsse noch entschieden werden. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass die beiden die Anstalt verlassen. Wir sind nach außen hin sehr gut gesichert mit einer Mauer, Zäunen und Kameras“, erklärte Goderbauer.
Die jungen Männer würden nun von der Polizei vernommen und ärztlich untersucht. Ob gegen sie Disziplinarmaßnahmen eingeleitet werden, sei unklar, sagte Goderbauer. Möglich wäre, sie von den Freizeitmaßnahmen oder dem Hofgang auszuschließen oder ihnen weniger Geld auszubezahlen.
Es sei eine gängige Sicherheitsmaßnahme, dass JVA-Insassen nach einem solchen Vorfall in einer andere Anstalt verlegt werden, sagt Klaus Brauch-Dylla, Pressesprecher der JVA.
Ob die Staatsanwaltschaft Mosbach ein Verfahren etwa wegen Gefängnismeuterei gegen die beiden Insassen einleitet, ist unklar. In der Anklagebehörde war zunächst niemand erreichbar.
Briefe statt Telefonate
In Adelsheim sind derzeit 380 Gefangene zwischen 18 und 21 Jahre untergebracht, davon 28 Untersuchungshäftlinge. Insgesamt stehen 470 Haftplätze zur Verfügung. Die wenigsten Häftlinge säßen wegen eines Tötungsdelikts oder einer Sexualstraftat ein, sagte Goderbauer. „Im Jugendstrafvollzug gibt es grundsätzlich keine Möglichkeit zu telefonieren. Einmal im Monat ist ein Besuch für vier Stunden erlaubt. Und natürlich darf man Briefe schreiben.“
Was die Aktion der Männer nun genau für einen Hintergrund hatte, „das erschließt sich uns so ganz nicht“, sagt Goderbauer. lsw/aho
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