Haßmersheim

Brand verwüstet Asylunterkunft

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

In Haßmersheim ist am Sonntagmorgen ein Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft ausgebrochen. Rund 50 Wohneinheiten wurden zerstört. Wegen Einsturzgefahr konnte bislang nur ein Teil der Container untersucht werden.

Von Alexander Klug

In Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis) ist am Sonntagmorgen ein Feuer in einer Asylunterkunft ausgebrochen.

Kilometerweit sind die dunklen Rauchschwaden am morgendlichen Himmel zu sehen, eine Radiodurchsage fordert die Menschen auf, Türen und Fenster geschlossen halten. Als die Feuerwehren aus Haßmersheim und Umgebung am Tannenweg um kurz nach halb 9 Uhr eintreffen, brennen mehrere Wohncontainer der Flüchtlingsunterkunft lichterloh.


63 Feuerwehrleute können nicht verhindern, dass ein Teil der Unterkunft den Flammen zum Opfer fällt – auch eine zweite Reihe Container wird schwer beschädigt. Ein Mann verletzt sich beim Sprung durch eine Fensterscheibe, er wird in einem Krankenhaus versorgt. Die übrigen insgesamt 70 Bewohner kommen kurzfristig in der Turn- und Festhalle der Stadt unter. Drei Männer aus Kamerun stehen auf dem Parkplatz eines benachbarten Unternehmens, von wo aus die Bewohner zur Halle gebracht werden. „Ich habe geschlafen, plötzlich war überall Rauch und Lärm“, sagt einer. Was passiert ist, wisse er nicht, sagt er in gebrochenem Englisch. Seit ungefähr zwei Jahren lebten sie in der Haßmersheimer Unterkunft.

„Im Moment können weder wir noch die Ermittler der Kriminalpolizei hinein, es besteht Einsturzgefahr“, sagt der stellvertretende Kommandant der Haßmersheimer Feuerwehr, Thomas Loncaric. Derzeit seien noch Kollegen vor Ort, die die Temperaturen durch Wassereinsatz weiter senken. „Später treffen wir uns vor Ort und entscheiden mit Hilfe einer Wärmekamera, wie es weitergeht.“

Stand Montag: Bislang konnten die Kriminaltechniker wegen der Einsturzgefahr nur einen Teil der Wohncontainer untersuchen können, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Heilbronn. Im Laufe des Tages wollen die Experten demnach mithilfe einer Spezialfirma auch die anderen Container untersuchen. Bereits am Sonntag hatten die Ermittler eine Brandstiftung von außen ausgeschlossen.

 

Während der Löscharbeiten war die Landstraße gesperrt

 

Warum es zu brennen begonnen hat, kann noch niemand sagen. „Eine Reihe Unterkünfte ist zerstört. Auch eine weitere wurde beschädigt. Durch die Hitze sind Rolllädenkästen geschmolzen und Fensterscheiben zu Bruch gegangen.“ PVC-Boden, Gegenstände und der Wind hätten zur schnellen Ausbreitung des Feuers und der großen Hitze beigetragen, meint Kommandant Loncaric.

Die Bewohner wurden auf andere Einrichtungen im Landkreis verteilt

Man habe einen Sammelpunkt auf einem Firmenparkplatz eingerichtet, berichtet Haßmersheims Bürgermeister Michael Salomo. „Dort haben wir die Ankommenden gezählt. Derzeit spricht die Polizei in der Turnhalle mit ihnen.“ Sowohl die 25 Bewohner des zerstörten Teils der Erstunterbringung als auch die übrigen Bewohner wurden auf andere Einrichtungen im Neckar-Odenwald-Kreis verteilt.

Wegen der nahen Landkreisgrenze hätten Menschen sowohl Mosbacher als auch Heilbronner Polizeinummern angerufen, teilt Sprecher Carsten Diemer bereits am Brandort mit. Es gebe nach wie vor keine Hinweise auf Brandstiftung oder einen rechtsradikalen Hintergrund, schreibt die Polizei später. Doch gerade wegen der unklaren Hintergründe sei man mit einem Großaufgebot zur Stelle gewesen: Neben 20 Streifenwagen kam auch der Polizeihubschrauber zum Einsatz. Während der Löscharbeiten war die Landesstraße parallel zum Neckar gesperrt – die Feuerwehr legte Schläuche, um Löschwasser aus dem Neckar zu pumpen. Die Polizei schätzt den entstanden Schaden auf mehrere 100.000 Euro.

 

 

Nach oben  Nach oben