Crailsheim

Stadt beurlaubt Mitarbeiter nach Waffenfund

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Crailsheim - Verschwundene und verkaufte Waffen haben in Crailsheim nach dem Amoklauf von Winnenden für Schlagzeilen gesorgt. Nun ist wieder eine Walther aufgetaucht - bei einem früheren Mitarbeiter der Waffenbehörde. Seine Zukunft ist im Moment ungewiss.

Die Stadt Crailsheim hat einen Mitarbeiter des Rathauses beurlaubt, nachdem in dessen Haus eine vor dreieinhalb Jahren aus der Behörde verschwundene Waffe gefunden wurde. Sollte ein Gericht den Mann wegen Diebstahls und Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilen, könnte der Beamte in einem dienstrechtlichen Verfahren auch seinen Job sowie Pensionsansprüche verlieren, sagte ein Sprecher der Stadt am Freitag.

2009 waren mehrere Waffen aus einem Tresor der Stadt im Kreis Schwäbisch Hall verschwunden. Einige waren danach bei einem vorbestraften Drogenabhängigen wieder aufgetaucht. Der Mann hatte vor Gericht gestanden, auf der Suche nach Geld ins Rathaus eingebrochen zu sein und in einer Schublade den Schlüssel zum Tresorraum gefunden zu haben. Von dort ließ er 15 Pistolen, Munition und rund 2100 Euro mitgehen. Er kam für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Der Dieb hatte nach seiner Verhaftung angegeben, eine Pistole an einen Unbekannten verkauft zu haben. Ob es einen Zusammenhang zu dem nun verdächtigen Rathausmitarbeiter gebe, konnten weder die Polizei noch der Stadtsprecher am Freitag sagen. Dieser erklärte, der Beschuldigte habe unabhängig von dem Vorfall bereits seit zwei Jahren nicht mehr beim Ordnungsamt und der dort angesiedelten Waffenbehörde gearbeitet. Der Mann, der seit rund zehn Jahren Beamter ist, sei aber weiter in der Verwaltung beschäftigt.

Aufräumarbeiten

Seine Frau hatte die Waffe - eine Walther - mit Magazin und mehreren Schuss Munition kurz vor Weihnachten bei Aufräumarbeiten im Keller des Hauses gefunden und die Polizei alarmiert, wie am Donnerstag bekanntwurde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa lebten die beiden getrennt. Ob die nun entdeckte Waffe vor, nach oder bei dem Diebstahl verschwand, war nach Angaben des Stadtsprechers zunächst unklar. Laut Polizei war die Pistole, die im Rahmen einer Amnestie nach dem Winnender Amoklauf abgegeben worden war, jedenfalls auch im Jahr 2009 aus dem Rathaus verschwunden. Der Rathausmitarbeiter habe sich noch nicht erhellend geäußert, sagte ein Sprecher der Polizei am Freitag.

Nach dem Diebstahl aus dem städtischen Tresor war Oberbürgermeister Andreas Raab (CDU) zurückgetreten. Der Leiter des Ordnungsamtes erschoss sich. Die Staatsanwaltschaft Ellwangen stellte Ermittlungsverfahren gegen beide später ein. Bei ihnen und auch bei weiteren Mitarbeitern des Rathauses sei kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt worden.

Die Stadt verschärfte ihr Verfahren für Waffenunterbringung und Waffenannahme. So dürfen nur noch zwei Mitarbeiter gemeinsam Waffen annehmen. Außerdem kann nicht mehr ein Mitarbeiter allein den Tresorraum betreten. Darüber hinaus war die Stadt Crailsheim in die Kritik geraten, weil sie nach dem Amoklauf von Winnenden mindestens eine Waffe verkauft und damit gegen eine Vereinbarung des Innenministeriums und der Regierungspräsidien verstoßen hatte.

 

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