Heilbronn

Heilbronner Ermittlern gelingt Schlag gegen Autoschieber-Bande

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Maybach, Mercedes, Porsche, BMW – es waren edle Karossen, die die Diebe in den vergangenen Monaten quer durch Deutschland mitgehen ließen. Nun haben die Ermittler zehn von ihnen verhaftet.

Von Alexander Klug
Maybach, Mercedes, Porsche, BMW – es waren edle Karossen, die die Diebe in den vergangenen Monaten quer durch Deutschland mitgehen ließen. Nun haben die Ermittler zehn von ihnen verhaftet.

Neun Litauer und ein Deutscher mit tadschikischen Wurzeln zwischen 20 und 45 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl von Kraftfahrzeugen vorgeworfen. Es geht um 15 Fälle seit November vergangenen Jahres, davon acht in Baden-Württemberg – Opfer der Diebe wohnen in Talheim, Untergruppenbach und Flein. Insgesamt wurden Fahrzeuge im Wert von rund 1,3 Millionen Euro entwendet.

Edelkarossen im Wert von bis zu 175.000 Euro

Die Polizei hat einer Autoschieber-Bande das Handwerk gelegt. Symbolbild: dpa
Die Polizei hat einer Autoschieber-Bande das Handwerk gelegt. Symbolbild: dpa

Einzelne Fahrzeuge hätten einen Wert von jenseits der 100.000 Euro gehabt. „Beim teuersten waren es 175.000 Euro.“, sagt der leitende Heilbronner Oberstaatsanwalt Frank Rebmann. Sieben dieser 15 Fahrzeuge wurden nach Litauen transportiert, um sie nach Tadschikistan weiterzuverkaufen. Doch nicht nur dorthin: Einige Autos seien in Litauen, andere auch wiederum in Deutschland verkauft worden. „Es handelt sich bei der Bande um eine international agierende und sehr mobile Gruppe“, erläutert der Oberstaatsanwalt. Seine Behörde hat die Federführung der Ermittlungen – beteiligt ist die Mannheimer Polizei, aber auch litauische Behörden sowie Europol. Acht Beamte der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg und die Oberstaatsanwältin von der Staatsanwaltschaft Heilbronn reisten nach Litauen, um die Maßnahmen vor Ort zu begleiten.

Hinweis auf die Internationalität geben die Vorstrafen der Verhafteten: Dort sind unter anderem Taten in Norwegen, Schweden, Polen, Litauen und Spanien aufgelistet. „Die Bande erinnert an ein kleines, gut organisiertes Unternehmen“, sagt Frank Rebmann. „Streng hierarchisch, mit ausgeprägter Aufgabenteilung.“ Die komplette Führungsriege der Bande sei verhaftet worden, einschließlich des Chefs. „Es ist ein wichtiges Signal, dass es keinen Rückzugsraum mehr gibt“, sagt Frank Rebmann.

Am Anfang stand ein Schlüsselbund. „Den fanden wir bei einem Autoknacker, den wir gefasst haben“, sagt Siegfried Kollmar. Er leitet die Kriminalpolizeidirektion beim Polizeipräsidium in Mannheim. An ihm befanden sich 19 Schlüssel zu Wohnungen. „Das kam uns verdächtig vor und wir sind dem nachgegangen“, sagt der erfahrene Ermittler. Vor den Wohnungen beobachteten die Beamten reichlich Betrieb – verschiedene Fahrzeuge, Personen. Nicht nur die Wohnungen, auch 63 Telefone wurden in der Folge überwacht.

Geldflüsse unter die Lupe nehmen

Um diese Art der Kriminalität unattraktiver zu machen, sei wichtig, die Finanzierung in den Blick zu nehmen, sagt Michael Will. Er ist Gruppenleiter für Eigentumsdelikte bei europäischen Polizeibehörde Europol. Derzeit liege die Abschöpfung bei zwei Prozent. „Bei sechs Milliarden Schaden pro Jahr würde sich das lohnen.“ Dafür müsse das Augenmerk verstärkt auf Themen wie Geldwäsche liegen. „Aber auch auf der Ermittlung der Vermögenswerte.“ Genau dafür sei die internationale Kooperation wichtig, ergänzt Frank Rebmann. „Für deutsche Behörde ist es schwierig, diese Vermögenswerte festzustellen und auf sie zuzugreifen.“ Abgeschöpfte Gewinne fließen je zur Hälfte in die deutsche und die litauische Staatskasse.

An die Autos sind die Diebe über sogenannte Keyless-Go-Start-System gekommen – dabei nimmt der Schlüssel mit dem Fahrzeug Kontakt auf. Die Täter spähen das Signal aus – dann öffnen und starten sie damit das Fahrzeug. „Um die Täter daran zu hindern, das Signal zu empfangen, könnte der Schlüssel in einer abgeschirmten Box verwahrt werden, um die Strahlung zu unterbinden“, Siegfried Kollmar. Außerdem seien ausschließlich Fahrzeuge gestohlen worden, die am Straßenrand oder in einem Carport abgestellt waren. „Eine Garage bietet mehr Sicherheit.“

Nach oben  Nach oben