Aufregung bei Kindergarten-Eltern wegen Whatsapp-Video
Das Video eines vermummten Mannes in einer Whatsapp-Gruppe von Kindergarten-Eltern aus Heilbronn-Sontheim hat am Freitagmorgen für große Aufregung gesorgt. Der Erwin Römmele Bewegungskindergarten blieb zunächst geschlossen. Doch die Polizei beruhigt: Es handelt sich um eine Verwechslung.
Das Video eines vermummten Mannes in einer Whatsapp-Gruppe von Kindergarten-Eltern aus Heilbronn-Sontheim hat am Freitagmorgen für große Aufregung gesorgt. Der Erwin Römmele Bewegungskindergarten blieb zunächst geschlossen. Doch die Polizei beruhigt: Es handelt sich um eine Verwechslung.

Was am frühen Freitagmorgen bei den Eltern des Erwin-Römmele-Kindergartens in Heilbronn-Sontheim zu großem Aufruhr führte, stellte sich nach Ermittlungen der Polizei als Verwechslung heraus. In der geschlossenen Whatsapp-Gruppe der Eltern wurde in der Nacht zum Freitag ein Video hochgeladen.
Darin ist ein dunkelhäutiger Mann mit einer Strumpfmaske zu sehen, der in ausländischer Sprache eine Botschaft sendet. Das Video wurde nach jetzigen Erkenntnissen der Polizei vom Vater eines in den Kindergarten in Sontheim gehenden Kindes eingestellt. Er selbst ist nicht auf dem Video zu sehen.
Video eines Oppositionellen aus Togo landet aus Versehen in der Elterngruppe
Das Video, das die Polizei einem Dolmetscher vorlegte, beinhaltet eine politische Botschaft eines Oppositionellen aus Togo, der auf die dortige Regierung schimpft, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Um nicht erkannt zu werden, maskierte sich der Mann auf dem Video.
„Es beinhaltet keine religiösen Inhalte“, unterstreicht Polizeisprecher Frank Belz. Der Vater, selbst Togolese, wollte das Video an einen Landsmann senden und verwechselte bei Whatsapp die Empfänger. Er postete den etwa acht Minuten langen Spot versehentlich in der Eltern-Gruppe.
Besorgte Eltern konnten das Video nicht einschätzen
Das Video erhielten die Eltern in der späten Donnerstagnacht. „Ich habe es erst heute Morgen gesehen“, erzählt eine Mutter aus dem Kindergarten. Es gingen Anrufe von erbosten Eltern ein und im Chatverlauf fragten sie, was das soll, erzählt die Mutter. „Da war gleich eine große Besorgnis.“
Beim Ansehen des Video habe sie sofort an ähnlich anmutende Botschaften von radikalen Terroristen gedacht. „Der Mann sprach in einer mir nicht bekannten Sprache, er redete sich in Rage. Es war seltsam. Irre.“ Ihr sei natürlich der Gedanke gekommen, dass die Kinder bedroht würden. Sie habe eine Vermutung gehabt, woher das Video stamme, aber sie sei nicht sicher gewesen.
Kindergarten war vorsorglich geschlossen
Der Vater, der das Video hochlud, trat aus der Whatsapp-Gruppe aus, um sein Missgeschick zu beheben. Das führte aber nur zu weiteren Missverständnissen und Verwirrungen. Der 46 Jahre alte Familienvater lebt der Polizei zufolge bereits seit 1999 in Heilbronn und hat sowohl die deutsche als auch die togoische Staatsbürgerschaft.
Die Polizei nahm die Klärung des Vorfalls sehr ernst, teilt sie mit, da zunächst nicht klar war, welche Botschaft aus dem Video hervorging. Der Kindergarten wurde vorsorglich geschlossen, ist nun aber wieder geöffnet.
Reaktion des Kindergartenträgers
Die betroffene Kinderkrippe und der Kindergarten mit insgesamt 60 Plätzen befinden sich in der Trägerschaft der TSG 1845 Heilbronn. Geschäftsführer Marcel Hetzer zeigt sich erleichtert, dass sich für das Video eine harmlose Erklärung gefunden hat.
Er habe am Morgen von der Botschaft in der Whatsapp-Gruppe erfahren. "Wir wussten nicht, ob eine Gefahr besteht." Zum Schutz der Kinder habe man sofort die Polizei informiert. Die Einrichtung blieb am Morgen zunächst geschlossen. Inzwischen ist sie wieder geöffnet, der Betrieb nimmt seinen gewohnten Lauf. Eltern haben ihre Kinder verspätet gebracht.
Die Kommunikation der Eltern über den Vorfall soll am Montag fortgesetzt werden. Für die kommende Woche sei ein Termin mit allen Eltern geplant, um das Geschehen zu besprechen und aufzuarbeiten. Konsequenzen für die Familie des Mannes, der das Video versehentlich in die Chat-Gruppe stellte, hält Hetzer nicht für nötig.
Private Whatsapp-Gruppe
Bei der Whatsapp-Gruppe handelt es sich nach Stimme-Informationen um eine rein private Einrichtung der Eltern. Sie entscheiden, ob sie sich dort aufnehmen lassen wollen oder ob sie die Gruppe verlassen.
Grundsätzlich sind Kindergärten und -krippen sowie Schulen in Baden-Württemberg an die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes gehalten, auch die in privater Trägerschaft. In den Kindertageseinrichtungen, die sich in Trägerschaft der Stadt Heilbronn befinden, gibt es eine Regelung für Erzieherinnen und Erzieher, teilt Rathaussprecher Anton Knittel auf Anfrage mit. "Es ist ihnen nicht erlaubt, sich in dienstlichen Belangen mit Eltern in Whatsapp-Gruppen oder anderen Messenger-Diensten auszutauschen", sagt Knittel.
Stimme.de