Dänemark führt Frauen-Wehrpflicht ein, in Deutschland ist das nicht so einfach
Skandinavische Länder haben eine Wehrpflicht für Frauen eingeführt. In Deutschland müsste erst das Grundgesetz geändert werden. Darum geht es.

In Dänemark soll es ab nächstem Jahr auch eine Wehrpflicht für Frauen geben. Das erste Land mit einer Wehrpflicht für alle Staatsangehörigen ist es aber nicht. Bereits vor zehn Jahren hatte der Nato-Mitgliedsstaat Norwegen als erster in Skandinavien die Wehrpflicht auch für Frauen eingeführt. In Deutschland wurden bislang keine Frauen verpflichtet. Kann sich das zukünftig ändern und könnten Modelle anderer Länder als Vorbild dienen?
Wehrpflicht für Frauen bereits in zwei skandinavischen Ländern eingeführt
2017 beschloss Schweden zu einer Wehrpflicht für zwölf Monate zurückzukehren, sieben Jahre zuvor war die Wehrpflicht ausgesetzt worden. Das neue Element: Auch Frauen können verpflichtet werden. Und: Der schwedische Staat hat die Möglichkeit, Rekruten zwangsweise zu verpflichten, wenn sich nicht genügend Freiwillige zum Dienst. Dazu wird folgendes Verfahren herangezogen: Wer das 18. Lebensjahr vollendet hat, wird dazu aufgefordert, einen Fragebogen auszufüllen. Geeignete Kandidaten werden zur Musterung eingeladen. Wichtig bei der Auswahl der Rekrutinnen und Rekruten ist etwa der Grad der Bereitschaft, dem schwedischen Staat zu dienen.
2026 können in Dänemark auch Frauen zum Wehrdienst verpflichtet werden
Ab 2026 soll nun auch in Dänemark eine allgemeine Wehrpflicht gelten. Auch Frauen die nach dem 1. Juli 2025 das 18. Lebensjahr vollenden, können im Laufe des kommenden Jahres eingezogen werden. Wie bisher soll nur ein Teil eines Jahrgangs einberufen werden. Der Grundwehrdienst soll zudem ab August 2026 von vier auf elf Monate verlängert werden.
Auch außerhalb Europas gibt es die Wehrpflicht für Frauen. Laut dem World Fact Book der US-Behörde CIA gibt es etwa auch an der Elfenbeinküste, in Eritrea, im Sudan und in Mosambik eine Wehrpflicht für beide Geschlechter. In Israel beträgt die Dauer der Verpflichtung für Frauen 24 Monate, für Männer 32.
Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland ist Teil der Koalitionsgespräche
In Deutschland ist die Wehrpflicht seit 2011 ausgesetzt, eine Wiederaufnahme wird in den aktuellen Koalitionsgesprächen diskutiert. Im vergangenen Jahr hatte Ampel-Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bereits eine Änderung geplant. Allen Bürgern soll nach ihrem 18. Geburtstag demnach ein Brief mit Code zu einer Onlinebefragung zugesendet werden. Männer wären verpflichtet ihn auszufüllen, „für Frauen und Personen anderen Geschlechts ist die Beantwortung der Fragen freiwillig“. Für Pistorius gilt das schwedische Modell als Vorbild.
Die Dienstpflicht für Frauen würde allerdings einer Änderung des Grundgesetzes bedürfen, denn bislang ist darin festgeschrieben, dass nur Männer verpflichtet sind Wehrdienst zu leisten. Frauen können demnach im Verteidigungsfall bei Bedarf zu „zivilen Dienstleistungen im zivilen Sanitäts- und Heilwesen“ verpflichtet werden. „Sie dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden.“ Eine Änderung des Grundgesetzes bedürfte der breiten Zustimmung des Bundestags und Bundesrats.
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