Zickzack als neue Normalität: Heilbronner Außenpolitiker zum Umgang mit Trump
Grönland, Zölle, Drohungen: Die Welt wartet auf Donald Trumps Auftritt in Davos. Wie sich Europa laut des Heilbronner FDP-Außenpolitikers und USA-Experten Michel Link verhalten sollte.
Wie genau Trumps Kurs bei Grönland oder den angedrohten Zöllen aussehen wird, sei nicht vorhersehbar, sagt Michael Link, der bis 2024 Koordinator der Bundesregierung für transatlantische Zusammenarbeit war. „Man muss immer mit Kehrtwenden rechnen“, der Zickzackkurs begleite Trumps Handeln.
Europa sieht Link, der im FDP-Präsidium sitzt und weiter als Außenpolitiker aktiv ist, auf einer schwierigen Gratwanderung. „Das Konzept Schmeichelei hat sichtbar nicht gefruchtet“, sieht der Heilbronner den Kuschelkurs als gescheitert an. „Europa darf sich nicht verzwergen, aber auch nicht offen aggressiv auftreten.“
Heilbronner Michael Link über Trumps Vorgehen in der Außenpolitik
Eine Kehrtwende sieht Link auch in Trumps Umgang mit dem Iran, wo der US-Präsident nach Massenprotesten eine Intervention andeutete. „Die Menschen wurden zu Tausenden abgeschlachtet, er hat nichts gemacht.“ Ähnlich in Venezuela, wo Trump zwar Diktator Nicolas Maduro entführen ließ, sich mit den neuen Machthabern aus Maduros Umfeld aber arrangiere.

„Alle Regeln über Bord – das gilt noch mehr als in Trumps erster Amtszeit“, beobachtet Link, der 2009 in den Heilbronner Gemeinderat gewählt wurde und später viele Jahre lang die Region als Abgeordneter im Bundestag vertrat.
Wie Trumps Anhänger zum Thema Grönland stehen
Innenpolitisch sieht der FDP-Politiker Trump derzeit fest im Sattel. Es stehen Zwischenwahlen an, viele republikanische Abgeordnete fürchteten um ihr Mandat und hielten sich zurück. „Kritik wagen die allermeisten nur hinter den Kulissen.“
Vor allem die außenpolitischen Kapriolen seien auch vielen Trump-Anhängern suspekt. Grönland, so verweist Link auf Umfragen, sei kein Gewinnerthema. „Für internationale Abenteuer haben seine Wähler ihn nicht gewählt. Stattdessen leiden sie unter den durch Trumps Zölle gestiegenen Lebenshaltungskosten.“
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