Tag gegen Gewalt an Frauen: Männer müssen endlich Verantwortung übernehmen
Die Zahlen von Gewalt an Frauen sind auf einem neuen Höchststand. Männer müssen dafür endlich kollektiv Verantwortung übernehmen, ist unsere Autorin überzeugt.

„Männer haben Angst, dass Frauen über sie lachen. Frauen haben Angst, dass Männer sie umbringen.“ Was die englische Autorin Margaret Atwood einst gesagt hat, könnte wie ein Witz klingen, dabei beschreibt es ein gesellschaftliches Problem auf den Punkt, das eher größer als kleiner wird: Frauenhass und Gewalt gegen Frauen. Der morgige Tag gegen Gewalt an Frauen ist deshalb wichtiger denn je. Die größte Gefahr liegt für Frauen nach wie vor im eigenen Zuhause beziehungsweise beim eigenen Partner.
Zahlen häuslicher Gewalt auf Höchststand - Opfer sind hauptsächlich Frauen
Sexualstraftaten gegen Frauen haben erneut zugenommen, ebenso die digitale Gewalt. Die Zahlen häuslicher Gewalt, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind, sind auf einem neuen Höchststand. 308 Femizide wurden 2024 in Deutschland begangen, das heißt Frauen wurden getötet, weil sie Frauen sind. Das ist etwas weniger als im Vorjahr (340). Grund zur Freude? Wohl kaum.
In Großbritannien ist Misogynie, also Frauenfeindlichkeit, ein so großes Problem, dass das Bildungsministerium beschlossen hat, dass künftig an Schulen im Unterricht darüber aufgeklärt werden muss. In Südafrika hat die Regierung nach landesweiten Protesten Gewalt gegen Frauen zum nationalen Notstand erklärt, 15 Frauen werden dort durchschnittlich täglich getötet.
Männer sind unabhängig von Alter und Nationalität verantwortlich
Grenzüberschreitungen wie verbale Ausfälle oder körperliche sexuelle Belästigung hat nahezu jede Frau schon einmal erlebt. Es ist Teil des Alltags und verstörend normal, trotzdem überwiegt bei den Opfern nach wie vor ein Gefühl: Scham. Die Überwindung, Täter anzuzeigen und zur Rechenschaft zu ziehen, ist groß. Dabei müsste die Scham auf der Täterseite liegen - tut sie aber nicht.
Die Ursache dieses gesellschaftlichen Problems ist schnell benannt: Männer. Unabhängig von Alter, Nationalität oder Bildungsschicht. Das hat nichts mit Pauschalisierung zu tun, denn ja, „nicht alle Männer...“, aber am Ende ist es immer ein Mann. Diese kollektive Verantwortung müssen Männer anerkennen und endlich aufhören, sie als individuellen, persönlichen Angriff zu verstehen. Denn zwar ist die Ursache schnell benannt, sie ist aber nicht schnell gelöst.
Einsamkeit und Orientierungslosigkeit als Ursache für Wut und Radikalisierung
Gründe für diesen erschreckenden Hass und diese Wut sehen Experten unter anderem in steigender Isolation, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit insbesondere junger Männer. Das wirkt sich auch auf das Wahlverhalten aus: Sie treffen überdurchschnittlich häufig rechtsnationale und autoritäre Wahlentscheidungen, führen seltener enge Freundschaften, haben Schwierigkeiten über Emotionen zu sprechen und suchen sich seltener professionelle Hilfe. Weiter verlieren traditionelle Rollenbilder an Bedeutung, Frauen sind nicht weiter auf Männer angewiesen und es fehlt an neuen, positiv gelebten Vorstellungen von Männlichkeit.
Dieser Frust schlägt sich in Wut und Radikalisierung nieder, in der Frauen nicht selten zum Feindbild werden. Das macht fassungslos und ist schlimm, aber noch schlimmer ist: Wie konnte es so weit kommen? Denn ja, Politik und Gesellschaft tragen eine Verantwortung, doch die trägt auch jeder für sich selbst. Ohne Zweifel müssen besonders in der Prävention Kinder und Jugendliche besser sensibilisiert und unterstützt werden. Und trotzdem sind weder die Gesellschaft und schon gar nicht Frauen für die emotionale Gesundheit der Männer verantwortlich. Sie müssen endlich anfangen, diese Verantwortung selbst zu übernehmen.
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Kommentare
Sebastian Huber am 25.11.2025 10:06 Uhr
Warum erwähnen Sie nicht, dass bei 265942 Fällen von häuslicher Gewalt, immerhin knapp 30% (78814) der Opfer männlich sind?
Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer hoch sein wird, weil Männer ungern zugeben Gewalt von der eigenen Partnerin zu erfahren.