Steinmeier betont: Lokaljournalismus „trägt und hält Demokratie stabil“
Mit Blick auf den Tag des Lokaljournalismus betont Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wie unverzichtbar Zeitungen für die Demokratie sind – er warnt zudem vor den Folgen des Zeitungssterbens.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht Lokaljournalismus als unverzichtbar für die Demokratie. „Lokaljournalismus ist eben nicht nice to have, sondern es ist eine der Säulen, die die offene Gesellschaft der Demokratie trägt und stabil hält“, sagte er in einem Gespräch mit Lokaljournalisten.
Der Bundespräsident traf sich mit den Lokaljournalisten anlässlich des „Tages des Lokaljournalismus“ im Schloss Bellevue. Die Brancheninitiative, bei der Medienhäuser und Organisationen auf die Bedeutung lokaler Berichterstattung aufmerksam machen, findet am 5. Mai statt. Ziel ist es, die Bedeutung und Leistungsfähigkeit lokaler Berichterstattung sichtbar zu machen und insbesondere jüngere Zielgruppen anzusprechen.
Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai: Steinmeier betont Bedeutung lokaler Berichterstattung
Rund um das Datum gibt es verschiedene Veranstaltungen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird etwa am 30. April Salzwedel besuchen und sich dort in einer Townhall den Fragen von Leserinnen und Lesern stellen. Auch die Heilbronner Stimme nimmt daran teil – am 5. Mai gibt es verschiedene Aktionen in der ganzen Region.
Steinmeier schilderte im Schloss Bellveue zugleich seine persönliche Verbundenheit mit Lokalzeitungen. „Ich bin über Jahre und Jahrzehnte mit allergrößter Selbstverständlichkeit morgens vor dem Frühstück zum Briefkasten gegangen und habe mir meine Lokalzeitung an den Frühstückstisch geholt“, sagte er.
Die Zeitung sei für ihn „immer mehr als ein Ritual“ gewesen, „sondern es war Teil des Ankommens im neuen Tag“. Auch heute beginne er seine Lektüre meist mit dem politischen Teil. Früher habe er sich eher zunächst dem Sport und Feuilleton gewidmet.
Schwierige Wirtschaftslage für viele Lokalzeitungen in Deutschland
Über viele Jahre hinweg hätten ihn verschiedene Titel begleitet, darunter die Lippische Landeszeitung, der Gießener Anzeiger, die Hannoversche Allgemeine Zeitung und die Märkische Allgemeine Zeitung.
„Demokratie lebt eben nicht allein, aber lebt eben auch und ganz besonders von gutem Lokaljournalismus“, sagte Steinmeier. Diese Erkenntnis begleite ihn seit Jahren. Bereits eine seiner ersten Reden als Bundespräsident habe sich diesem Thema gewidmet – damals zum 50-jährigen Bestehen des Verbands Deutscher Lokalzeitungen.
Steinmeier betont: Ohne Lokaljournalismus gibt es „kein gemeinsames Fundament vor Ort“
Zugleich verwies Steinmeier auf die schwierige Lage vieler Lokalzeitungen. Klassische Titel seien in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden. „Noch bevor die großen überregionalen Printmedien wirtschaftlich unter Druck geraten sind, hat es die Lokalzeitungen in vielen Gegenden, Regionen unseres Landes getroffen“, sagte er. Anzeigenschwund habe über Jahre hinweg und wahrscheinlich immer noch „Zeitungsschwund“ bedeutet.
Ohne Lokaljournalismus gebe es „kein gemeinsames Fundament vor Ort“, auf das eine Demokratie angewiesen sei, sagte Steinmeier. Lokaljournalismus bewahre Übersichtlichkeit und Überschaubarkeit im Nahraum. „Und dieser Nahraum, in dem die Menschen leben, die Gemeinde, die Kommune, die Kleinstadt, das prägt das Leben von Menschen, nach meiner Erfahrung jedenfalls, deutlich mehr als die ganz große Politik, die jeden Abend über die Tagesschau oder das heute-journal in die Wohnzimmer kommt.“
Steinmeier warnt: Demokratie braucht Kompromiss und Zwischentöne
Zugleich warnte der Bundespräsident vor einer Verrohung der öffentlichen Debatte. „Wenn zwischen dem schnellen Like und der lauten Empörung gar kein Raum mehr bleibt für Zwischentöne, wenn die Suche nach dem täglichen Skandal den Blick auf das wirklich Wichtige vernebelt, dann droht ein Kommunikationsinfarkt, der in anderen Gesellschaften schon stattgefunden hat“, sagte Steinmeier. „Dann ist jedenfalls Gefahr im Verzug.“ Dadurch gehe auch die Fähigkeit zum Kompromiss verloren, die es für eine Demokratie brauche.
Als Beispiel für zugespitzte Debatten nannte Steinmeier auch den Umgang mit einem gestrandeten Wal vor der Ostseeküste. „Und selbst wenn es um die Rettung eines Wales geht, prallen Auffassungen aufeinander, wie ich sie mir vor einigen Jahren noch nicht hätte vorstellen können“, sagte der Bundespräsident.
Man könne in einer Gesellschaft der Vielen nicht die Erwartung haben, „dass wir irgendwann alle einer Meinung sind. Umso wichtiger ist eben, dass wir die Fähigkeit zum Kompromiss von verschiedenen Ausgangspunkten kommen, dass wir diese Fähigkeit behalten.“
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