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Nicht krank zur Arbeit gehen

  
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Der Vorschlag, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuschränken, ist nicht zielführend, meint unser Autor. Kosten ließen sich damit kaum sparen.

Deutschland, das Land der Blaumacher. Diesen Eindruck könnte man gewinnen angesichts der Debatten, die seit einiger Zeit geführt werden. Erst unterstellte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann seinen Mitbürgern kurz vor Weihnachten pauschal, dass es in Deutschland keine Leistungsbereitschaft mehr gebe.

Warum die Zahl der Krankheitstage in Deutschland gestiegen ist

Nun fordert Allianz-Chef Oliver Bäte die Abschaffung der Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag, um die Kosten fürs vermeintliche Krankfeiern zu senken. Schließlich sei Deutschland mittlerweile Weltmeister bei den Krankmeldungen, behauptet der Manager.

Dass die Krankheitstage in Deutschland in den zurückliegenden Jahren vor allem deshalb stark angestiegen sind, weil sie mit der elektronischen Krankmeldung endlich komplett von den Krankenkassen erfasst werden können, lässt Bäte unerwähnt. Ebenso wie die Tatsache, dass viele Arbeitgeber darauf bestehen, bereits am ersten Krankheitstag eine Krankmeldung zu bekommen - weshalb sich viele Arbeitnehmer auch mit Kleinigkeiten krankschreiben lassen, was dann meistens mehrere Ausfalltage mit sich bringt. Es liegt also durchaus auch in der Verantwortung der Arbeitgeber, Bedingungen zu schaffen, die allzu schnelle Krankschreibungen verhindern.

Kranke Mitarbeiter leisten weniger

Auch das Kostenargument, das der Allianz-Chef anführt, überzeugt nicht. Wenn sich tausende Arbeitnehmer mehr oder weniger krank zur Arbeit schleppen, weil sie die finanziellen Einbußen fürchten, wird das kaum zu großen Einsparungen führen. Denn kranke Mitarbeiter sind weniger leistungsfähig und stecken häufig auch noch die Kollegen an. Das wird dann richtig teuer.

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