Angriff bei Trump-Gala in Washington – was bisher bekannt ist
Im Washington Hilton in Washington hat ein bewaffneter Mann während eines Dinners mit Donald Trump Schüsse abgefeuert. Der Angreifer verletzte einen Secret-Service-Beamten, Panik brach aus. Die Hintergründe sind noch unklar.
Über Frühlingserbsen mit Burrata plauderte Donald Trump angeregt mit CBS-Reporterin Weijia Jiang, während Kellner die Vorspeiseteller an den 250 Tischen im großen Festsaal des Washington Hilton verteilten.
Unter dem versammelten Who-is-Who der amerikanischen Journalisten wuchs mit jeder Minute die Spannung, was der Präsident bei seinem ersten Auftritt auf dem „White House Correspondents' Dinner“ wohl zu sagen habe. Eine jährliche Institution im Kalender der Hauptstadt, die Trump in beiden Amtszeiten bisher gemieden hat wie der Teufel das Weihwasser.
Schüsse im Washington Hilton: Panik überschattet Trumps ersten Auftritt beim Korrespondenten-Dinner
Um den gewöhnlich wenig humorvollen Präsidenten zu gewinnen, verzichteten die Korrespondenten diesmal darauf, den obligatorischen Satiriker einzuladen, der sonst Witze auf Kosten des Stargasts des Abends macht. Im Gegenzug hatte Trump die „unangemessenste Rede, die jemals gehalten wurde“ angekündigt. Eine durchaus ernst gemeinte Drohung – von einem Präsidenten, der seine Gastgeber gerne als „Volksfeinde“ beschimpft, ihnen „Fake News“ vorwirft und sie regelmäßig verklagt.

Da saß er nun unter einem großen Banner mit der Aufschrift „Feier der Redefreiheit“ neben First Lady Melania, Vizepräsident J.D. Vance, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Finanzminister Scott Bessent und Tausenden Gästen in Tuxedos und Galakleidern, als um 20 Uhr 36 aus Richtung der Lobby ein „Bang, Bang“ zu hören war. Ein Beamter des Personenschutzes rief: „Schüsse abgefeuert“.
Bewaffneter Angreifer durchbricht Sicherheitskontrollen und löst Schusswechsel mit Secret Service aus
Draußen in der Lobby stürmte in diesem Moment ein 31-jähriger Mann, bewaffnet mit einer Schrotflinte, einer Pistole und mehreren Messern, an einem Sicherheitskontrollpunkt vorbei. Eine Überwachungsaufnahme zeigt, wie er vorher mit ausgestreckter Waffe durch die Hotelhallen gerannt war. Bei einem Schusswechsel mit dem Secret Service traf er einen Beamten mitten in die Brust. Dass der Mann überlebte, verdankt er seiner kugelsicheren Weste.
Wenige Meter entfernt stand CNN-Veteran Wolf Blitzer, der den mutmaßlichen Attentäter hinter den Metalldetektoren am Boden liegen sah. „Das hat uns alle in Angst versetzt“, schildert Blitzer die Situation. Niemand habe eine Ahnung gehabt, „was vor sich ging“.
Chaos und Angst im Ballsaal: Gäste suchen Schutz, während Sicherheitskräfte eingreifen
Drinnen im Ballsaal des Washington Hilton hatte sich die spannungsvolle Erwartung der Trump-Rede in Panik verwandelt. „Schockierend. Verstörend. Unberechenbar. Gewalttätig“ – mit diesen vier Worten beschreibt David Smith, Korrespondent des Guardian, prägnant die Stimmung. Während der Secret Service den Präsidenten, die First Lady und andere Prominenz in Sicherheit brachte, suchten die Gäste Deckung unter den festlich gedeckten Tischen.

Da, wo eben Trump saß, standen nun Beamte, die mit Waffen den Schauplatz sicherten. Eine gespenstische Szene, die nach der Entwarnung einer merkwürdigen Stille wich. Die bange Frage, ob der Präsident die Korrespondenten verbal frontal angreifen werde, war einer anderen gewichen: Was war geschehen?
Ermittlungen gegen mutmaßlichen Täter laufen, Motiv und Sicherheitslücken bleiben unklar
Schon am Samstagabend trat die neue Bundesstaatsanwältin für den District of Columbia, Jeanine Pirro, vor die Kameras, um erste Anklagepunkte gegen den Verdächtigen zu verkünden. Ihm werde der Einsatz einer Schusswaffe bei einem Gewaltverbrechen und der Angriff auf einen Bundesbeamten zur Last gelegt. Der Mann werde am Montag vor einem Bundesgericht vorgeführt, weitere Anklagen seien zu erwarten.
Über die Motive des mutmaßlichen Schützen, Cole Tomas Allens, eines Lehrers aus Torrance im US-Bundesstaat Kalifornien, ist bisher nichts bekannt. Der amtierende Justizminister Todd Blanche teilte am Sonntag mit, elektronische Geräte des Verdächtigen würden ausgewertet. Sicher scheint nur zu sein, dass er im Hilton als Gast ein Zimmer bezogen hatte. Wie es ihm gelang, schwer bewaffnet so nah an den Eingang des Ballraums zu gelangen, blieb unklar.
Eigentlich hätte das Hilton-Hotel in Adams Morgan mit dem Präsidenten und so viel Prominenz mitten im Iran-Krieg einer der bestgesicherten Orte in der Hauptstadt sein müssen. Ein Ort, der schon einmal politische Gewalt erlebt hatte.
Vor genau diesem Hotel streckte am 30. März 1981 ein Schütze den damaligen Präsidenten Ronald Reagan nieder. Reagan und sein Leibwächter überlebten die lebensgefährlichen Verletzungen nur knapp.
Historischer Ort politischer Gewalt: Washington Hilton erneut Schauplatz eines Angriffs
Trump gab sich bei einer später spontan anberaumten Pressekonferenz im Weißen Haus erstaunlich gelassen. Als seien Attentate auf den kontroversen Präsidenten längst Routine. Im Wahlkampf 2024 trachteten Schützen gleich zweimal nach seinem Leben. Am 13. Juli streifte in Butler, Pennsylvania, eine Kugel sein rechtes Ohr, während er auf einer Bühne sprach. Nur zwei Monate später, im September 2024, versteckte sich ein bewaffneter Mann im Gebüsch von Trumps Golfklub in West Palm Beach.
Peter Doocy von Fox News fragte den Präsidenten, warum das immer wieder passiere. Sein Job sei eben „ein gefährlicher Beruf“, antwortete er. Wie damals bei Lincoln treffe stets die „einflussreichsten Menschen“, jene, „die am meisten bewirken“ und „den größten Einfluss“ hätten. Dann kam Trump auf sein Lieblingsprojekt zu sprechen. Den gerichtlich gestoppten Neubau eines bombastischen Ostflügels des Weißen Hauses. Das Hilton sei eben „kein besonders sicheres Gebäude“, klagte der Präsident. Genau deshalb brauche Amerika jetzt seinen 400 Millionen Dollar teuren neuen Ballsaal auf dem Gelände des Weißen Hauses.
Trump nutzt Vorfall zur Werbung für neuen Ballsaal und kritisiert Sicherheitslage im Hilton
Die erste Frage durfte übrigens CBS-Korrespondentin Jiang stellen, die neben ihm gesessen hatte, als die Panik ausbrach. Für die Vorsitzende der Korrespondentenvereinigung hatte er ungewohnt höfliche Worte übrig. „Madam Chairman“, sagte er, „ich möchte nur sagen, Sie haben einen fantastischen Job gemacht. Was für ein wunderschöner Abend“.
Das war definitiv nicht die Botschaft, die Trump den versammelten Medien ursprünglich überbringen wollen. Er kündigte an, das abgebrochene Dinner innerhalb der nächsten 30 Tage nachzuholen. Bis dahin werde er seine Rede umschreiben müssen. „Ich weiß nicht, ob ich jemals so rau sein kann, wie ich es heute Abend sein wollte“, sagte Trump. Er werde wohl „sehr nett“ sein beim nächsten Mal, „sehr langweilig“. „Aber wir werden ein großartiges Ereignis haben“.
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