Kalorien, Fett, Zucker: Neue EU-Kennzeichnung
Erstmals soll es in der EU einheitliche Vorschriften geben, um Dickmacher beim Einkaufen leichter zu erkennen. Ab 2014 müssen die Hersteller auf Verpackungen den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Kalorien auflisten, beschlossen die EU-Verbraucherminister am Dienstag in Brüssel.

Bisher ist dies freiwillig und erst auf 70 Prozent aller Lebensmittel zu finden. Das Europaparlament muss noch zustimmen - im Juni 2011 soll entschieden werden. Noch sind Änderungen möglich. Ernährungsexperten hatten eine Kennzeichnung in Ampelfarben gefordert, dafür gab es keine Mehrheit.
Europas Lebensmittelindustrie muss auch falschen Käse («Analog- Käse») und Klebe-Schinken deklarieren. Bei nicht verpackter Ware (Fisch, Erdnüsse) müssen Geschäfte auf allergieauslösende Stoffe hinweisen. Für Energy-Drinks werden Warnhinweise für Schwangere und Kinder Pflicht. Zudem gilt eine Mindestgröße für die Schrift auf Verpackungen. Alkohol soll nicht gekennzeichnet werden. Alle Angaben der Nährwerttabelle beziehen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des Produkts. EU-Verbraucherkommissar John Dalli nannte das Paket einen «echten Fortschritt im Bereich der Lebensmittelinformation».
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sprach von leichter verständlichen Informationen, will einiges aber nachbessern. Fünf Staaten, darunter Deutschland, fordern klarere Hinweise bei der verpflichtenden Herkunftsangabe von Fleisch. Künftig soll der Ort der Verpackung genannt werden. Aigner sagte: «Mir geht es darum, dass der Verbraucher die Information kriegt, die er haben will, nämlich wo die Tiere herstammen und nicht wo das Fleisch verpackt wird.»
Auch die Angaben zu Imitaten wie «Analog-Käse» und «Klebefleisch», die häufig auf Tiefkühlpizza landen, gehen Aigner nicht weit genug. Sie dringt zudem darauf, dass nicht nur auf der Rück-, sondern auch auf der Vorderseite der Verpackung wesentliche Informationen stehen.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte: «Keine Nährwertangaben auf der Vorderseite von Verpackungen, Mini- Schriftgröße von 1,2 Millimetern und der Ausschluss einer verpflichtenden Ampelkennzeichnung.» Das Ziel, einen Beitrag im Kampf gegen Übergewicht und Krankheiten zu leisten, sei zugunsten der Lebensmittelindustrie geopfert worden. Linksfraktion und Grüne im Bundestag warfen Aigner vor, Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) bedauerte die Absage für die Ampel-Pflicht.
Die Lebensmittelwirtschaft begrüßte dagegen die Entscheidung der EU-Minister. Schon mehr als 80 Prozent aller Lebensmittelverpackungen in Deutschland hätten eine Kennzeichnung der Nährwerte wie Kalorien, Fett oder Salz. Und wo Käse draufstehe, müsse ohnehin Käse drin sein.
Die EU-Staaten haben drei bis fünf Jahre Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Einzelne Staaten können darüber hinausgehen und zum Beispiel Ampel-Kennzeichnungen nach britischem Vorbild verwenden. In Deutschland können Kalorien, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz freiwillig in Prozent der empfohlenen Tagesration angegeben werden. Als Bezug soll eine Packung, nicht eine Portion dienen.
Bundesverbraucherministerium zur Lebensmittelkennzeichnung
Stimme.de
Kommentare
am 08.12.2010 08:33 Uhr
Das völkerfeindliche „Globalisten-Konstrukt” EU mit seinem Scheinparlament hat sich mal wieder der Industrie unterworfen und die „Ampelkennzeichung” verworfen.
am 07.12.2010 15:38 Uhr
Diejenigen, die sich bewußt ernähren, wissen wie sich ein Produkt zusammensetzt und kaufen entsprechend ein. Und jene, die nach dem Motto leben, ist die Figur mal ruiniert, frißt sichs weiter ungeniert, ist es doch völlig egal, wieviel Kalorien z. B. Kartoffelchips und andere "Leckereien" haben.
am 07.12.2010 12:59 Uhr
daß nimmer "diät" draufstehen darf auf nahrungsmitteln, die tatsächlich alleine fettreduziert sind, aufdaß die leut' net zeugs ohne geschmack (fett ist geschmacksträger) in sich reinfuttern, drei packungen, wovon sie früher eine aßen, in der frohen gewißheit, daß, je mehr ich "diät" reinhau', desto schlanker ich werd'... hab mir gestern beim traditionellsten deutschen discounter a schöne packung erdnußlocken gekauft, lecker vollfettstufe, die ich unter den "light" produkten hervorgraben mußte. nochwas kann man den leuten mal näherbringen: man kann so viel essen, wie man's lustig ist - nur verbrennen muß man die kalorien dann halt wieder.