Raus aus der Nato? Europa sollte Trumps Drohung ernst nehmen
Der US-Präsident denkt öffentlich an einen Ausstieg aus dem transatlantischen Verteidigungsbündnis. Die Europäer sollten daraus ihre Schlüsse ziehen, meint unser Kommentator.
Man sollte nicht jedes Wort von Donald Trump auf die Goldwaage legen. Aber die jüngste Drohung des US-Präsidenten, aus der Nato auszutreten, sollte das Bündnis ernst nehmen. Denn es schließt nahtlos an zahlreiche Aussagen Trumps an, mit denen er das transatlantische Verteidigungsbündnis schlecht geredet und verächtlich gemacht hat.
Zudem sind die Drohungen Trumps und seines Außenministers Marco Rubio unmittelbarer Ausfluss ihrer Verärgerung über die Weigerung der europäischen Partner, die USA in ihrem fragwürdigen Krieg gegen den Iran zu unterstützen. Damit wird Trumps Verständnis der Nato deutlich: Über den Krieg im Iran werden die Mitglieder vorab nicht konsultiert, sollen aber Gewehr bei Fuß stehen, wenn die USA Hilfe verlangen. Mit Partnerschaft auf Augenhöhe hat das nichts zu tun.
Trump erwägt Nato-Austritt: Europa muss stärker selbst für nukleare Abschreckung sorgen
Unabhängig davon, ob der unberechenbare US-Präsident seine Drohung wahrmacht oder nicht, müssen sich die Europäer noch schneller unabhängiger von den Vereinigten Staaten machen. Das gilt insbesondere für die nukleare Abschreckung, für die zum größten Teil die USA sorgen.
Frankreich und Großbritannien haben signalisiert, dass sie bereit sind, hier mehr Verantwortung zu übernehmen. Das muss nun geschehen, auch wenn es hohe Investitionen bedeutet und lange dauern wird.
Europa muss seine Stärke gegenüber den USA ausspielen
Aus Angst vor den Launen des US-Präsidenten immer wieder vor Donald Trump zu kuschen, ist keine Alternative. Zumal die USA auf das wirtschaftlich starke Europa angewiesen sind. Diese Stärke müssen die Europäer jetzt ausspielen – und sich zugleich auf eine mögliche sicherheitspolitische Zukunft ohne die Amerikaner vorbereiten.
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