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US-Präsident mit deutschen Wurzeln
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Kallstadt wartet auf Donald Trump – Besuch in der Heimat seiner Großeltern geplant

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Kallstadt in der Pfalz – Heimat der Vorfahren von Donald Trump – rückt erneut ins Rampenlicht: Bundeskanzler Merz hat den US-Präsidenten eingeladen, seine Wurzeln zu besuchen. Doch nicht alle im Ort freuen sich auf den Trubel.


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Der Kallstadter Saumagen ist eine Weinberglage, dessen Bodenprofil sich durch eine hohe Wurzeltiefe auszeichnet. Aus den Trauben, die auf dem sandig-tonigen Lehmboden wachsen, bauen die Wengerter einen Kallstadter Riesling aus. Sein Charakter: trocken, wenig Säure, wie ein Winzer erklärt.

Mit den Wurzeln ist es so eine Sache. US-Präsident Donald Trump hatte für Verwirrung gesorgt, als er in einem Interview vor sechs Jahren auf seine persönlichen Wurzeln angesprochen wurde. Darin soll er behauptet haben, seine Familie stamme aus Schweden. Stimmt nicht, wie Historiker mittlerweile nachgewiesen haben. Trumps Großvater stammt aus Kallstadt, einem kleinen Ort mit 1250 Einwohnern in der Nähe von Bad Dürkheim. Der US-Präsident hat deutsche Wurzeln.

Seit bekannt wurde, dass die Vorfahren des US-Präsidenten Donald Trump aus Kallstadt stammen, interessieren sich immer mehr Medien für das Dorf an der Weinstraße.
Seit bekannt wurde, dass die Vorfahren des US-Präsidenten Donald Trump aus Kallstadt stammen, interessieren sich immer mehr Medien für das Dorf an der Weinstraße.  Foto: Kümmerle, Jürgen

Pfälzer Saumagen durch Helmut Kohl international bekannt geworden

Der Saumagen, die Pfalz und die Weltpolitik. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) geboren, hatte dafür gesorgt, dass das Gericht „Pfälzer Saumagen“ international bekannt wurde. Seine Staatsgäste lud er regelmäßig zum Saumagen-Essen ein. Geht es nach den Plänen von Bundeskanzler Friedrich Merz, könnte die Pfälzer Spezialität bald erneut in aller Munde sein. Merz lud Trump kürzlich während eines Telefonats nach Kallstadt ein. Er wolle den US-Präsidenten zu dessen Pfälzer Wurzeln an der Weinstraße begleiten. Dort sind die Straßen mitunter schmal, die Gehsteige sind schmal und immer wieder brettern Schmalspurschlepper durch die Gassen auf dem Weg zu den schmalen Weinbergreihen.

Nach der Wahl nachts angerufen worden

Die Einladung stößt nicht überall auf Begeisterung. Die Chefin eines Weinguts möchte lieber über den Wein sprechen, den sie herstellt und verkauft. Wegen Trump fielen nahezu täglich Journalisten und Fernsehteams über den kleinen Ort her, erklärt sie. Nach Trumps Wahlsieg sei sie morgens um vier Uhr angerufen worden. Journalisten hätten gefragt, was sie zum Ausgang der Wahl zu sagen habe. Ihr Mann hingegen erklärt, dass die Pfälzer durchaus gastfreundlich seien. „Wenn die Bundesregierung den US-Präsidenten einlädt, heißen wir ihn herzlich willkommen.“

Thomas Jaworek (CDU) ist seit 2014 ehrenamtlicher Bürgermeister von Kallstadt.
Thomas Jaworek (CDU) ist seit 2014 ehrenamtlicher Bürgermeister von Kallstadt.  Foto: Kümmerle, Jürgen

Zwei Spenden aus den USA für die Kirche in Kallstadt

Was mögen die Gründe deutscher Auswanderer gewesen sein, Kallstadt zu verlassen? Es sind ja nicht nur die Vorfahren Trumps, die dem Dorf den Rücken gekehrt haben. Die Gründerfamilie des us-amerikanischen Ketchup-Giganten Heinz stammen ebenfalls aus Kallstadt. Beide fühlen sich ihrer Herkunft offenbar verpflichtet. Das Internetportal „domradio.de“ hatte 2017 recherchiert und fand heraus, dass Donald Trump 2001 für die Salvatorkirche in Kallstadt 5000 US-Dollar (damals etwa 11.400 D-Mark) gespendet hatte. Es scheint, als habe er seine deutschen Wurzeln nicht gänzlich vergessen.

Die Familie Heinz war offenbar etwas großzügiger. Einen 40.000-Euro-Scheck ließen sie der protestantischen Gemeinde für die Renovierung der Kirchen-Orgel zukommen. Lauter gute Nachrichten, möchte man meinen. Pfarrer Oliver Herzog erklärt auf Anfrage, dass er und die protestantische Kirchengemeinde sich dazu entschlossen hätten, aus den Medienerfahrungen der ersten Amtszeit Trumps nicht mehr für Interviewanfragen zur Verfügung zu stehen.  Die Angaben träfen jedenfalls zu.

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„Ist so“, bestätigt Thomas Jaworek (CDU) die Angaben. Er ist seit 2014 ehrenamtlicher Bürgermeister von Kallstadt. Der gebürtige Oberbayer lädt morgens zu einer Traubensaftschorle auf den ehemaligen Sportplatz ein. Ein kühler Wind bläst über die Anlage, ein Eulen-Pärchen hat Nachwuchs bekommen und brütet am zerklüfteten Hang. Jaworek hat ein Fernglas mitgebracht und schaut hin und wieder zu der jungen Eulen-Familie hinauf.

Besuch von Trump muss lange vorbereitet werden

Der Sportplatz ist einer Skateranlage gewichen. Der Gemeinderat stimmte den Vorhaben zu. Fördergelder waren einzuholen. Das seien die Dinge, um die man sich hier kümmere, erklärt der Betriebsleiter bei BASF. Die Einladung an Trump: „Ich glaube nicht, dass ich viel Einfluss haben werde. Das geht vor allem über das Bundeskanzleramt.“ Wenn er vor ihm stehen sollte, werde er ihn darauf hinweisen, dass es zwar keinen Trump-Tower gäbe, dafür aber die Kirche, in der seine Großeltern getauft wurden. Jaworek geht davon aus, dass die Vorbereitungen für den Besuch des US-Präsidenten mindestens ein dreiviertel Jahr in Anspruch nehmen. Es ist also noch ein wenig Zeit.Der Bürgermeister macht auf einen interessanten Film aufmerksam. „Kings Of Kallstadt“ von einer Redakteurin, die aus Kallstadt stammt. Darin erfährt man viel über den Charakter der Menschen. Die Bürger des Dorfs erklären die Verbindungen der beiden Familien. Es ist zu erfahren, dass die Mutter des ausgewanderten Heinz eine geborene Trump gewesen sei. Verbindungen allerorten.

Das Geburtshaus von Donald Trumps Großvater in Kallstadt (Rheinland-Pfalz).
Das Geburtshaus von Donald Trumps Großvater in Kallstadt (Rheinland-Pfalz).  Foto: Kümmerle, Jürgen

US-Amerikaner kauft Weingut in der Pfalz

Da ist es nicht verwunderlich, dass eines der größeren Weingüter in Hallstadt einem US-Amerikaner gehört. Der Mann aus Kansas sei vom trocken ausgebauten Riesling so begeistert gewesen, dass er nicht nur den Wein, sondern 2009 gleich das ganze Weingut Koehler-Ruprecht gekauft habe, erklärt Geschäftsführer Dominik Sona. In 35 Länder der Welt werde der Wein exportiert. Ein Drittel davon sei der Kallstadter Riesling.

Ob Trump kommt, gilt für viele Kallstadter längst nicht als gesichert. Während des Wahlkampfs vor seiner ersten Amtszeit hieß es, er besuche den Wurstmarkt in Bad Dürkheim, nur wenige Kilometer von Kallstadt entfernt. Wegen der Nähe zum US-Militärstützpunkt Ramstein hätte er mit Publicity und Wählerstimmen rechnen können. Gekommen ist er nicht.

Film über Kallstadt auf Youtube

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