Die anhaltende Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ist nicht hinnehmbar
Einiges hat die Ampelkoalition im Hinblick auf das Selbstbestimmungsrecht von Frauen erreicht, trotzdem stehen Schwangerschaftsabbrüche weiter im Strafgesetzbuch. Es ist fatal, dass die Chance für eine Änderung Anfang dieser Woche vertan wurde, meint unsere Autorin.

Die aktuelle Regelung für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland befriedet die Gesellschaft nicht, wie Befürworter des Status quo immer wieder behaupten, im Gegenteil. Sie kriminalisiert Frauen, verhindert eine adäquate Ausbildung von Ärzten im Medizinstudium und: Sie hat keine Unterstützung in der Bevölkerung. Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesfamilienministeriums sprechen sich rund 80 Prozent für eine Legalisierung aus. Aktuell sind Abtreibungen in Deutschland in Paragraf §218 des Strafgesetzbuchs geregelt und somit rechtswidrig, aber unter bestimmten Voraussetzungen straffrei.
Kriminalisierung von Abtreibungen greift massiv in das Selbstbestimmungsrecht ein
Im Strafgesetzbuch, hinter Mord und Totaschlag, haben Schwangerschaftsabbrüche nichts zu suchen. Die Ampelkoalition hat das Ende eines „Werbeverbots“ für Abtreibungen erreicht sowie den besseren Schutz von Schwangeren vor Abtreibungsgegnern. Das ist beachtlich, aber nicht genug. Auch eine Expertenkommission war im April vergangenen Jahres zu dem Schluss gekommen, dass Abtreibungen legalisiert und aus dem Strafgesetzbuch gestrichen werden sollten. Doch es geht wohl - wie sooft - nicht nur um Moral, sondern um Macht und Kontrolle.
Die Kriminalisierung von Abtreibungen greift massiv in das Selbstbestimmungsrecht von Frauen ein. Ihnen das grundsätzliche Recht darauf selbst im Jahr 2025 nicht zu gewähren, macht fassungslos.
Wäre der entsprechende Gesetzentwurf am letzten Sitzungstag des Bundestages auf die Tagesordnung gekommen, wäre die notwendige Mehrheit so nah gewesen wie noch nie. Sollte die nächste Regierung unter der Führung der Union stehen, rückt die Legalisierung wieder in weite Ferne. Und damit auch ein weiteres Stück Gleichberechtigung.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare