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SPD-Kandidat Stoch: Schneller Rückzug nach desaströsem Landtagswahl-Ergebnis

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Emotionen, eine halbierte Fraktion und Tränen bei der SPD: Andreas Stoch zieht sich vom Fraktions- und Parteivorsitz zurück.

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Tränen, bittere Emotionen bei der SPD und ein Rückzug von den Führungsämtern bereits wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale: In dem Räumen ihrer Landtagsfraktion in Stuttgart tritt ein sichtlich angeschlagener Andreas Stoch, begleitet von seiner Ehefrau, wenige Minuten nach 18 Uhr vor seine Fraktion und die versammelten weiteren SPD-Mitglieder: „Es fällt mir schwer, dies in Worte zu fassen,“ so ein sichtlich angefasster Stoch. „Ich hätte mir nie vorstellen können, darüber reden zu müssen, was das für uns bedeutet, in der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde zu sein“, so der gescheiterte Spitzenkandidat.

SPD-Spitzenkandidat Stoch tritt als Landesvorsitzender zurück

Diese Wahl habe sich angefühlt wie eine OB-Wahl, es sei nur noch um die Kandidaten der großen Parteien gegangen, nicht darum, was Politik für die Menschen tun könne, so Stoch bitter. Und dann kommt der Rückzug von den Führungsämtern: „Dieses Ergebnis heute sollte uns dazu zwingen, darüber nachzudenken, wie wir die Zukunft angehen.“

Er schlage vor, dass die Fraktion in den nächsten Tagen eine personelle Neuaufstellung in die Wege leite, auch die Partei. Er habe immer Aufgaben in der SPD in schwierigen Zeiten übernommen. Aber: „Diese Aufgaben werde ich nicht mehr wahrnehmen. Ich war stolz, euer Fraktions- und Landesvorsitzender gewesen zu sein.“ Es gibt viel Beifall. Und er verkündet noch ein fast trotzige Botschaft: „Die Menschen in diesem Land brauchen eine SPD und hoffen, dass wir es wieder schaffen, die Partei stark zu machen.“

2021 hatte die SPD bei der Landtagswahl noch elf Prozent, was damals aber schon ein schlechtes Ergebnis war. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichten die Sozialdemokraten im Südwesten noch 14,2 Prozent. Das aktuelle gerade zu desaströse Ergebnis bedeutet einen mächtigen Aderlass für die bereits eh nicht große Truppe der SPD im Landtag.

Andreas Stoch vor der Landtagswahl im Heilbronner Arthaus Kino. Der SPD-Spitzenkandidat hat nach dem desaströsem Abschneiden seiner Partei seinen Rücktritt angekündigt.
Andreas Stoch vor der Landtagswahl im Heilbronner Arthaus Kino. Der SPD-Spitzenkandidat hat nach dem desaströsem Abschneiden seiner Partei seinen Rücktritt angekündigt.  Foto: Christiana Kunz

Bisher hatte die SPD nach dem Abgang von Landtagsvizepräsident Daniel Born (SPD) angesichts der Hakenkreuzaffäre im vergangenen Jahr 18 Abgeordnete. Mit diesem Ergebnis wird die Zahl der Sitze voraussichtlich halbiert, langjährige und profilierte Abgeordnete ab dem Listenplatz neun wie etwa Jonas Weber aus Rastatt, Florian Wahl aus Böblingen oder Boris Weirauch aus Mannheim werden aller Voraussicht nach dem Landtag nicht mehr angehören. Die Abgeordneten reagieren schockiert,  bei einigen fließen Tränen, viele von ihnen brechen wenig später auf in ihre Heimatwahlkreise. 

SPD-Abgeordneter: „Wir werden brauchen, um zu verdauen, was hier passiert ist“

Der Abgeordnete Nicolas Fink aus Esslingen kann es noch nicht fassen: „Wir werden erst mal brauchen, um zu verdauen, was hier wirklich passiert ist.“ Es gehe nun um die Existenz der Sozialdemokraten im Südwesten. DGB-Landesvorsitzender Kai Burmeister ist ebenfalls auf der traurigen Wahlparty dabei, er betreibt erste Ursachenforschung. „Bei einem Duell, wo wir nicht dabei sind, ist für uns offenbar nichts zu gewinnen“, sagt er gegenüber unserer Redaktion.

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