„Notlösungscharakter“: Wo Kultusministerin Theresa Schopper großen Bedarf sieht
Die baden-württembergische Kultusministerin kommt nach Heilbronn, um Gudula Achterberg im Wahlkampf zu unterstützen. So läuft der Abend auf dem Theaterschiff.

Gut 50 Interessierte kommen aufs Heilbronner Theaterschiff, wo die Grünen-Landtagsabgeordnete Gudula Achterberg mit Kultusministerin Theresa Schopper über die Bildung redet. Überwiegend Lehrer sind dabei, darunter auch Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Ihnen fehlt an diesem Abend allerdings der direkte Austausch mit der Ministerin: Die Grünen sammeln Fragen ein, Gudula Achterberg stellt sie der Ministerin, die nach etwas über eine Stunde weiter zum Zug muss.
Der Abend ist ein schneller Ritt durch fünf Jahre Amtszeit, es geht unter anderem um die Auswirkungen von Corona auf die Kinder und Jugendlichen. Auch über die Reformen bei den Gymnasien spricht Theresa Schopper. Da geht es langfristig wieder nach neun Jahren zum Abitur.
Theresa Schopper gibt zu, dass Baden-Württemberg bei Bildungsvergleichen einst immer auf den vorderen Plätzen stand. Jetzt nicht mehr. Der Output, sagt sie, stimme nicht zum Ressourcenaufwand überein. „Wir müssen an den Wurzeln anfangen“, sagt sie.
Theresa Schopper geht auf die veränderte Schülerlandschaft ein. Viele Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, besuchen die Schulen. Sie will viel deshalb mehr Ressourcen in die frühkindliche Bildung stecken, damit die Kinder in den Schulen mitkommen. Allerdings sieht sie auch die Familien selbst in der Verantwortung. „Wir brauchen eine Erziehungspartnerschaft mit allen Eltern.“
Mit Sprachfit hat das Land bereits ein Programm auf den Weg gebracht, um Kinder beim Übergang von der Kita in die Grundschule fit in Deutsch zu machen. Juniorklassen kommen für jene Kinder, die nach der Kita-Zeit weiteren Förderbedarf in Deutsch haben.
Beim Austausch im Theaterschiff geht es um einige Themen. Auch die Bezahlung der Lehrer wird angeschnitten, die Versorgung mit Kollegen. Theresa Schopper gibt ein Problem offen zu: Bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) sowie im Bereich der Inklusion fehlt Personal. Studienplätze werden ausgebaut, aber bis das Personal tatsächlich vor Ort ankommt: Die Unterrichtsversorgung sei erst in ein paar Jahren gut. Den aktuellen Zustand beschreibt sich als „absolut unbefriedigend“.
Heilbronn kennt die Situation bei den SBBZ, Handlungsdruck besteht unter anderem an der Paul-Meyle-Schule, wo Unterricht gekürzt werden musste. Um mehr Personal an die SBBZ zu bekommen, habe man die Schulen für Quereinsteiger weiter geöffnet, so die Ministerin in Heilbronn. Theresa Schopper gibt zu: Das alles habe einen Notlösungscharakter. Um das Thema müsse man sich auch in der nächsten Legislaturperiode kümmern.
Unterrichtsausfall ist ebenfalls Thema des Abends: Für Theresa Schopper und das Kultusministerium gelten andere Vorgaben bei der Krankheitsvertretung, als sich das Eltern wünschen. Bei einer Grippewelle jeden kranken Lehrer zu ersetzen: nicht machbar. Ab einer Frist von drei Wochen ist das Kultusministerium zuständig, und hier habe man aufgestockt.
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