Hagel bietet nach Wahl-Niederlage Rücktritt an – CDU-Landesvorstand lehnt ab
Die Fronten sind verhärtet zwischen Grünen und CDU in Baden-Württemberg. CDU-Chef Hagel unterlag bei der Landtagswahl knapp – und holt sich nun Rückendeckung im eigenen Landesverband.
Die CDU zeigte sich nach der knappen Niederlage bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg enttäuscht. Der Partei-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Manuel Hagel konnte sich trotz eines hochspannenden Kopf-an-Kopf-Rennens den Posten des Ministerpräsidenten nicht sichern. Er muss sich von Grünen-Politiker Cem Özdemir geschlagen geben.
CDU lehnt Rücktritt von Manuel Hagel bei Landesvorstand in Stuttgart ab
Wie mehrere Medien berichten, soll Manuel Hagel deshalb beim CDU-Landesvorstand in Stuttgart am Montagabend seinen Rücktritt als CDU-Landeschef angeboten haben – doch dieser lehnte ab. Informationen des Südwestrundfunks (SWR) zufolge soll es für den 37-jährigen Landeschef zunächst Standing Ovations gegeben haben. Das Rücktritt-Angebot sei anschließend klar und einstimmig abgelehnt worden, sagte Landesgeneralsekretär Tobias Vogt und bestätigte den Bericht des SWR. Manuel Hagel werde die CDU in allen Gesprächen anführen. Als CDU stehe man mit Hagel an der Spitze für einen klaren Kurs.
Hagel will Verantwortung für Wahlkampf in Baden-Württemberg übernehmen
Bereits im Vorfeld hatte Hagel erklärt, die volle Verantwortung für den Wahlkampf zu übernehmen. Führung heiße immer auch Verantwortung, sagte auch Vogt.
Bei der Wahl am Sonntag hatten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp Platz eins vor der CDU mit 29,7 Prozent erreicht. Im neuen Landtag kommen aber beide Fraktionen auf jeweils 56 Mandate. Die SPD war auf 5,5 Prozent abgesackt. Eine Fortführung der Koalition aus Grünen und CDU ist derzeit die einzig realistische Regierungsoption – aber die CDU ist wütend, wirft den Grünen eine "Schmutzkampagne" im Wahlkampf vor.
CDU wirft Grünen "Schmutzkampagne" im Wahlkampf vor
Denn der CDU-Landesvorsitzende war in der heißen Wahlkampfphase wegen zweier Videos in die Schlagzeilen geraten. Zunächst hatte eine Grünen-Bundestagsabgeordnete ein altes Video aus dem Jahr 2018 gepostet, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren "rehbraunen Augen" schwärmt. Hagel räumte zwar gleich ein, dass das „Mist“ gewesen sei, doch das Video ging viral. Wenige Tage später sorgte ein weiteres Video gleich für neue Kritik: Hagel geriet beim Besuch einer Schule vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander und machte bei dem Auftritt alles andere als eine gute Figur.
Nach dem sehr knappen Wahlausgang waren aus der Union Vorschläge zu einer Teilung der Amtszeit des Regierungschefs zu hören. Wahlsieger Cem Özdemir (Grüne) hatte jedoch den Regierungsanspruch der Grünen unterstrichen – und Vorschläge aus der CDU zu einer Teilung der Macht scharf zurückgewiesen.
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