Stimme+
Landwirtschaft 
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Landtagskandidaten bekommen viele Aufgaben von den Bauern mit

   | 
Lesezeit  3 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

Teilweise herrscht große Unzufriedenheit mit der Politik: Weniger Bürokratie, mehr Klarheit und Unterstützung, das fordern die Landwirte von den Kandidaten der Wahlkreise Heilbronn, Neckarsulm und Eppingen. 

   | 
Lesezeit  3 Min
Die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft wurden in einer Podiumsdiskussion des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg diskutiert.
Die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft wurden in einer Podiumsdiskussion des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg diskutiert.  Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Der Bauernverband Heilbronn-Ludwigsburg hatte am Dienstag seine Mitglieder zu einer Podiumsdiskussion zur Landtagswahl in die Genossenschaftskellerei Heilbronn eingeladen, und rund 100 Gäste waren gekommen. Für die Wahlkreise Eppingen, Heilbronn und Neckarsulm wurden von den im Landtag vertretenen Parteien stellvertretend eingeladen: Sibylle Riegger-Gnamm (Grüne, Wahlkreis Neckarsulm), Isabell Huber (CDU, Neckarsulm), Klaus Ranger (SPD, Neckarsulm), Georg Heitlinger (FDP, Eppingen), Dennis Klecker (AfD, Eppingen).

Dabei durften die Bewerber nicht nur Statements abgeben und Fragen beantworten, sie mussten sich auch einige Vorwürfe und Beschwerden gefallen lassen. Damit gingen die Kandidaten unterschiedlich um: Georg Heitlinger, selbst Landwirt, blieb praxisorientiert und souverän, Isabell Huber gab offen zu, dass sie in landwirtschaftlichen Themen nicht so tief drin ist, nahm aber vieles mit. Auch Klaus Ranger hatte in seiner Tätigkeit im Petitionsausschuss schon einiges wie die jetzt in die Wege geleitete Saatkrähenverordnung zu bewältigen. 

Grüne eckt an: „Konventionelle Landwirte machen Böden und Wasser kaputt“

Sibylle Riegger-Gnamm eckte mit ihre Aussage an, konventionelle Landwirte würden „Boden und Wasser kaputt machen“. Die Bewerberin versuchte zwar noch, dies zu relativieren, die Frage des Bauernverbandsvorsitzenden Stefan Kerner aus Erlenbach, wie die Grünen wieder Vertrauen bei den Landwirten schaffen wollen, war da aber für viele im Saal schon beatwortet. 

Dennis Klecker (AfD) blieb allgemein und versuchte, seine Partei als die bessere Alternative zu den politischen Gegnern darzustellen. Konkrete Aussagen zur Verbesserung der Situation in der Landwirtschaft beschränkten sich auf die Vorschläge, Schutzzölle für ägyptische Kartoffeln zu verordnen oder ruinöse Discounter-Verkäufe für ausländische Weine zu verbieten. 

Streit um den Wolf in der Landespolitik kommt bei Bauern in Heilbronn nicht gut an

Dass die Landespolitik um den Abschuss eines Wolfes streitet, während die „Krappen“, also Saatkrähen, ganze Felder kaputt rupfen und nicht bejagt werden dürfen, bringt ebenfalls einige Landwirte in Rage. Markus Läpple aus Ilsfeld hatte dazu eine Initiative gestartet, die jetzt zumindest teilweise Erfolg hat. Dass aber Abschussgenehmigungen im Heilbronner Raum weitaus restriktiver erteilt werden als in anderen Kreisen, ärgert die Landwirte. 

Die Wertschätzung regionaler Produkte müsse beim Verbraucher ankommen, betonte Klecker. Es gebe „keinen fairen Wettbewerb“ in der EU, wenn der Mindestlohn in der Landwirtschaft umgesetzt wird, „gibt es halt keine Erdbeeren und keinen Spargel aus der Region mehr“. Aussagen, die gut ankommen, es gibt aber auch Widerspruch: „Die Politik setzt für uns Rahmenbedingungen, aber Preise macht sie uns nicht“, sagt Thomas Lang aus Obereisesheim. Er sieht die Landwirte selbst in der Verantwortung, für ihre Produkte und die direkte Kundenbindung zu werben

Mindestlohn und Wertschätzung: Das ist den Landwirten wichtig

Man sei sich einig, so Isabell Huber, dass der Mindestlohn in der Landwirtschaft ausgesetzt oder zumindest anders geregelt werden müsse. Wertschätzung für regionale Produkte sei das eine, aber „Regionalität wird uns nicht retten, wenn die Verbraucher nur auf den Preis schauen“, merkte aus dem Publikum Roland Wirth aus Weinsberg an. „Es wird viel geredet, aber das Ergebnis fehlt“, blieb auch Vorsitzender Stefan Kerner etwas ratlos nach der zweitstündigen Diskussion. 

Die Politik sei mitunter widersprüchlich und praxisfern, stellt Georg Heitlinger fest. Es sei ein Unding, dass Legehennen nach Polen gefahren werden, weil es in Deutschland aufgrund der Auflagen keinen einzigen Schlachthof mehr gebe. „Gleichzeitig will man Tiertransporte reduzieren.“ Zumindest werde die Wiederinbetriebnahme des Schlachthofs Gärtringen nun wieder voran getrieben. 

Tiere töten fürs Schnitzel: Das verstehen schon Vierjährige

Schon der vierjährige Enkel von Klaus Ranger weiß, dass man Tiere fürs Schnitzel töten muss. Aber, das regt Schweine-Halter Florian Petschl auf, „wenn eine Currywurst für einen Euro verkauft wird, haben die dann den Dreck auf dem Boden dafür zusammen gekehrt?“ 

Es geht um Mercosur und das Abstimmungsverhalten im EU-Parlament, das auch den hiesigen Grünen nicht gefallen kann. Es geht um Herbizidrückstände in Gewässern. Heitlinger berichtet von einer neuen Studie der Universität Tübingen, wonach Glyphosat von Waschmitteln stammen kann und nicht, wie bisher angenommen, nur aus der Landwirtschaft.  

Es geht um die Frage, ob Italiener oder Franzosen beim Weintrinken mehr Nationalstolz zeigen als die Deutschen, „die 60 Prozent des Weins aus dem Ausland trinken“, wie Winzer Hermann Frisch aus Weinsberg anprangert. 

Schließlich, auch hier hat Thomas Lang eine klare Meinung, erwarte man von der Politik „mehr Kontinuität und mehr Kommunikation“. Den „Masterplan“, wie der Weinbau und die Landwirtschaft gerettet werden kann, „hat hier keiner“, gibt Isabell Huber offen zu. Aber man könne unterstützen, wie mit einer besseren Absicherung gegen Extremwetter, betont Klaus Ranger. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben