Busse und Züge statt Panzer – zur aktuellen Verteidigungspolitik hat die Linke eine überaus kritische Haltung. Verteidigungsfähig sollte Deutschland sein, aber nicht kriegstüchtig, findet Kim Sophie Bohnen. Statt weitere Aufrüstung fragt die Linke lieber: „Wie werden wir friedensfähig?“ Junge Menschen im Land hätten Angst vor einem Krieg, sagt Bohnen. Und sie fragt sich, wo die ganzen Milliarden geblieben sind, die in die Bundeswehr fließen sollten.
Kim Sophie Bohnen in Heilbronn: Linke will mit sozialen Themen in den Landtag
Beim Stimme-Live-Talk „Ohne Ausrede – Wahlcheck Spezial“ in Heilbronn gibt sich Kim Sophie Bohnen, Spitzenkandidatin der Linken, siegesgewiss. Regierungsverantwortung strebt die Partei in Baden-Württemberg aber nicht an.
Gut gelaunt und siegesgewiss zeigt sich Kim Sophie Bohnen am Donnerstag beim Stimme-Live-Talk „Ohne Ausrede – Wahlcheck Spezial“. Beim Interview mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer in der Skybar des Heilbronner Parkhotels erklärt die Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, was ihre Partei ausmacht und warum sie keine Regierungsverantwortung in Baden-Württemberg anstrebt.
Kim Sophie Bohnen in Heilbronn: Die Linke setzt auf druckvolle Opposition im Landtag
In aktuellen Umfragen steht die Linke im Land bei sieben Prozent und wäre damit sicher im Landtag vertreten. Auch Kim Sophie Bohnen geht fest davon aus, den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Mitregieren will sie im Südwesten aber nicht. „Man kann Politik sehr gut aus der Opposition heraus machen“, sagt sie. Die Linke wolle Druck machen und die soziale Stimme im Parlament sein – „ohne wenn und aber“. Der Wahlkampf bestätigte diese Ausrichtung, allein im vergangenen Jahr hat die Linke laut Bohnen 6000 neue Mitglieder in Baden-Württemberg gewonnen.
Und die 26-jährige aus Heidelberg macht klar, dass das Soziale Kern ihrer Politik ist. Dieser Fokussierung verdankt die Linke Bohnen zufolge auch ihre aktuelle Beliebtheit. „Soziale Themen spielen eine zentrale Rolle“, sagt sie. Insbesondere das Thema Wohnen hat sich die Partei auf die Flagge geschrieben. Wohnen müsse wieder bezahlbar werden, dafür solle in Baden-Württemberg auch eine Landesbaugesellschaft sorgen. Die Linke fordert ein Sondervermögen für bezahlbares Wohnen in Höhe von 18 Milliarden Euro für das Land.
Für den sozialen Wohnungsbau will die Linke die Vermögensteuer wieder einführen
„Wer soll das bezahlen?“, fragt Heer. Bohnen plädiert für die Wiedereinführung der Vermögensteuer. „Das würde Baden-Württemberg jedes Jahr 14,5 Milliarden Euro zusätzlich bringen“, betont sie. Dass Vermögende in diesem Fall das Land verlassen würden, glaubt sie nicht. Damals, als es die Vermögensteuer gab, sei das auch nicht passiert. Geld sei genügend da. „Es ist eine Frage der politischen Priorisierung“, sagt Bohnen.

Kim Sophie Bohnen: Krankenhäuser gehören in die öffentliche Hand
Andere Prioritäten würde die gebürtige Holsteinerin auch gerne im Gesundheitswesen setzen. Um Krankenhäuser für den ländlichen Raum zu erhalten, fordert sie eine Rekommunalisierung der Häuser, die häufig in privater Hand seien. „Das Problem ist: Gesundheit wird als Ware gesehen“, kritisiert sie die Profitorientierung in der Branche. Es gehe um Daseinsvorsorge für die Bürger, daher müssten Krankenhäuser in öffentlicher Hand sein. Heer weist auf die hohen Kosten und das fehlende Personal im Gesundheitswesen hin. Diesen Problemen will Bohnen mit attraktiveren Arbeitsbedingungen, besserer Bezahlung und mehr Respekt für die Beschäftigten begegnen.
In der Bildungspolitik plädiert die Linke für kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule, inklusive Meisterausbildung. Schülerinnen und Schüler sollten bis zur zehnten Klasse gemeinsam in Gemeinschaftsschulen unterrichtet werden. Und mit frühkindlicher Förderung sollte dafür gesorgt werden, dass alle Kinder deutsch sprechen, wenn sie eingeschult werden.
Die Linke fordert einen Mindestlohn von 17 Euro
Wie Kim Sophie Bohnen der Wirtschaft einen Mindestlohn von 17 Euro schmackhaft machen will, bleibt sie schuldig. „Alles wird teurer, die Inflation steigt“, sagt sie aus Sicht der Verbraucher und verweist auf die immer noch hohen Gewinne vieler Unternehmen. Die Menschen hätten Angst vor Jobverlust, weil die Transformation verschlafen worden sei. Das müsse man jetzt mit Investitionen in die Transformation nachholen, immer unter der Prämisse: Gute Arbeit für alle.
Videoüberwachung lehnt Kim Sophie Bohnen ab. Die Linke setze lieber auf soziale Sicherheit und frage, wie sie die Menschen mit Problemen unterstützen könne. Für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz will die Partei dadurch sorgen, dass Bürgermeister und Landräte abgewählt werden können sollen.
Linke-Abgeordnete wollen Teile ihrer Diäten abgeben
Durchaus revolutionär klingt auch das Versprechen der Linken, dass sie als Abgeordnete im Landtag einen Großteil ihrer Diäten an soziale Zwecke spenden. Behalten werden dürfe ein durchschnittliches Facharbeitergehalt, das Bohnen mit 2950 Euro angibt. „Davon kann man sich auch einiges leisten“, sagt sie. „Wir wollen uns nicht die Geldbeutel vollstopfen.“ Und nach zwei Legislaturperioden soll Schluss für die Abgeordneten sein – damit sie nicht den Kontakt zum richtigen Leben verlieren.

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